# taz.de -- Fußball-Serie „Salvador“ auf Netflix: Wenn das Kind mit Neonazis prügelt
       
       > Die spanische Serie „Salvador“ erzählt von Fußballfans, Madrider Neonazis
       > und ihren Hintermännern. Und einem Vater, der seine Tochter verstehen
       > will.
       
 (IMG) Bild: Luis Tosar als Notfallsanitäter Salvador in der gleichnamigen Netflixserie
       
       Als Notfallsanitäter Salvador (Luis Tosar) zum Einsatz während des
       Hochrisikospiels [1][Real Madrid] gegen Olympique Marseille gerufen wird,
       traut er seinen Augen nicht. In der Massenschlägerei rechter Hooligans
       sieht er mittendrin seine eigene Tochter Milena, die mit den randalierenden
       Nazis andere Fans verprügelt. Die spanische Netflixserie „Salvador“ ist
       keine leichte Kost.
       
       Explizite Gewaltszenen gibt es hier zuhauf, vor allem von spanischen Nazis,
       die entgrenzt auf Menschen einprügeln und unter „Sieg Heil!“-Rufen
       Molotowcocktails auf Polizeibeamte werfen. Salvadors Tochter wird kurz nach
       der Einlieferung ins Krankenhaus von Fußballfans niedergestochen und stirbt
       in der Notaufnahme.
       
       Waren das französische Fans, die sich rächen wollten? Oder war seine
       Tochter Informantin der Polizei, wurde enttarnt und kurzerhand ermordet? Je
       weiter sich der politisch eindeutig linksstehende Salvador dem Umfeld
       seiner ermordeten Tochter annähert, desto mehr wird er von den Nazis
       umworben, die aus Milena eine Märtyrerin machen wollen.
       
       ## War die Tochter Neonazi?
       
       Erst im September vergangenen Jahres kam es während der
       Champions-League-Begegnung zwischen Madrid und Marseille, die den
       Hintergrund der Serie bietet, zu schweren Ausschreitungen. Der Achtteiler
       handelt aber weniger von [2][Fußballfan-Gewalt als von rechten Netzwerken].
       
       Die prügelnden Neonazis von „White Soul“, so der Name der Gruppe, der auch
       Salvadors Tochter angehört, sind im Alltag brave Bürger. Max ist
       Gymnasiallehrer, Nacho Immobilienmakler und Julia wird im Supermarkt als
       freundliche Kollegin geschätzt. Im öffentlichen Raum, etwa im ÖPNV, übt die
       Gruppe massive Gewalt aus, aber alle schauen weg oder kuschen.
       
       Daneben betreibt „White Souls“ im besetzten Haus eine Notunterkunft für
       Bedürftige (aber nur für Spanier) und sie verteilen Lebensmittel im linken,
       migrantisch geprägten Viertel Lavapies, um Antifas zu provozieren. Bei
       Konflikten mit dem Gesetz ist stets ein gutbürgerlicher Anwalt zur Stelle,
       der nebenbei der Bruder des Polizeichefs ist.
       
       Der Titel gebende Salvador, der als verwitweter Ex-Alkoholiker seine
       Approbation als Arzt verloren hat und kaum Kontakt zu seiner Tochter hatte,
       versucht nach ihrem Tod sein Scheitern zu kompensieren. Dadurch wird er für
       die Nazis ansprechbar und nähert sich ihnen an, um etwas über den Tod
       seiner Tochter herauszufinden.
       
       ## Ein Blick auf Spaniens rechtsextreme Subkultur
       
       Parallel ermittelt Kommissarin Martín (Patricia Vico) gegen die rechte
       Gruppe, die auch in Drogenhandel und Erpressung verwickelt ist. Finanziert
       wird der rechte Terror von einem selbstgefälligen Unternehmer, der dann
       während eines Abendessens den ganzen rassistischen Diskurs des
       rechtsextremen Spanien herunterleiert.
       
       „Salvador“ ist ebenso Krimi wie Politthriller, bietet, wenn auch
       holzschnittartig, einen Blick auf rechtsextreme Subkultur in Spanien und
       erzählt vom Alltag eines Ambulanzteams in Madrid. Am Ende kämpfen Salvador
       und seine Freunde solidarisch gegen den rechten Spuk. Auch wenn einige
       Neonazis von der Polizei festgesetzt werden, an die Hintermänner kommt
       keiner ran. Der neofaschistische Polizeichef wird gar befördert, die
       ermittelnde Kommissarin degradiert.
       
       Regisseur Daniel Calparsoro, der auch schon die Netflixserie „Bank unter
       Belagerung“ machte, in der es um rechtsextreme Strukturen in der
       Post-Franco-Ära geht, zeichnet in „Salvador“ ein beunruhigendes Bild des
       heutigen Spaniens.
       
       11 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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