# taz.de -- Pressefreiheit in Namibia: Präsidentenkinder mit Ölinteressen? Wer will das wissen?
       
       > Die Familie von Namibias Präsidentin soll in die Öl- und Gaswirtschaft
       > des Landes involviert sein. Auf diesen Vorwurf reagiert sie sehr
       > empfindlich.
       
 (IMG) Bild: Ein Interessenskonflikt in der Staatsführung, scheinbar ein globales Problem und nicht nur in Netumbo Nandi-Ndaitwahs Namibia
       
       Es waren [1][ungewöhnliche Szenen] bei Namibias Kabinettsitzung am Montag,
       die erste in diesem Jahr. Zur Eröffnung im State House, dem Amtssitz von
       Staatspräsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah waren Journalisten anwesend.
       Investigativreporterin Jemima Beukes bat um Erlaubnis, eine Frage zu
       stellen. Die Präsidentin sagte, dies sei keine Pressekonferenz und Beukes
       möge sich an ihr Sekretariat wenden. Da fragte die Journalistin trotzdem:
       „Die Frage ist: Leute sagen, Ihre Familie kontrolliert das Öl …“
       
       Weiter kam sie nicht. Sicherheitsbeamte umstellten sie und eskortierten sie
       unsanft hinaus. Laut Beukes wurde das Telefon eines Kollegen beschlagnahmt.
       Man habe auch ihr Auto fotografiert und gedroht, sie zu verhaften.
       
       Es ist nicht der erste [2][bedenkliche Vorfall] zwischen Staat und Presse
       in Namibia, eigentlich ein Land mit vergleichsweise freien Medien. Erst vor
       Kurzem wurde ein Team des Staatssenders NBC (Namibian Broadcasting
       Corporation) vor dem Sitz der Regierungspartei Swapo (South West African
       People’s Organisation) beschimpft und verjagt.
       
       Die NBC-Journalisten wollten über [3][ein Protestcamp vor der
       Parteizentrale] berichten. Dort verlangen seit Ende 2025 Veteranen des
       Befreiungskrieges die Auszahlung von UN-Wiedereingliederungshilfen, die
       1989 kurz vor Namibias Unabhängigkeit an zurückkehrende namibische
       Flüchtlinge gezahlt werden sollten und angeblich veruntreut wurden –
       Regierung und UN bestreiten das.
       
       Die in Simbabwe geborene Journalistin Tracy Tafirenyika wurde vom Minister
       für städtische und ländliche Entwicklung, James Sankwasa, attackiert und
       ihre namibische Nationalität infrage gestellt, nachdem sie geschrieben
       hatte, dass Sankwasa dem staatlichen Wasserversorger NamWater Geld schulde,
       was der Minister bestreitet.
       
       ## „Das Recht, sich an der Wirtschaft zu beteiligen“
       
       Die angeblichen Ölinteressen der Präsidentenfamilie sind Teil einer
       breiteren Kontroverse, seit Präsidentin Nandi-Ndaitwah im Oktober dem
       Energieministerium die Übersicht über Öl- und Gasprojekte entzog und direkt
       übernahm. Analysten und die Opposition verurteilen diesen Schritt und
       hinterfragen die Motivation.
       
       „Ich erkläre kategorisch, dass meine Kinder keine Interessen im Öl- und
       Gassektor halten, direkt oder indirekt“, [4][erklärte die Präsidentin nun],
       um den Vorwürfen entgegenzutreten. Die Journalistin Beukes müsse ihre
       Behauptung zurückziehen oder belegen.
       
       Die Erklärung führt dann aber aus, die Kinder der Präsidentin hätten wie
       alle Namibier das Recht, sich an der Wirtschaft des Landes zu beteiligen.
       „Dies tun sie, um zur nationalen Entwicklung, dem Wohlstand unseres Volkes
       und ihrer eigenen rechtmäßigen Lebensgestaltung beizutragen. Wir werden uns
       nicht für die Ausübung dieses Rechtes beschuldigen lassen, solange es
       innerhalb des gesetzlichen Rahmens stattfindet.“
       
       Namibias 73-jährige Präsidentin Nandi-Ndaitwah hat drei Söhne mit ihrem
       Ehemann, dem pensionierten General [5][Epaphras Denga Ndaitwah], ein
       Swapo-Kriegsveteran und früherer namibischer Armeechef.
       
       4 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/TheNamibian/status/2018257879426302110
 (DIR) [2] https://www.namibian.com.na/president-nandi-ndaitwah-family-oil-interest-allegations-spark-transparency-row-and-state-house-media-scuffle/
 (DIR) [3] https://www.namibian.com.na/un-washes-hands-over-1989-liberation-war-refugee-money/
 (DIR) [4] https://x.com/NamPresidency/status/2018638416007626876
 (DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Epaphras_Denga_Ndaitwah
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alfred Shilongo
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Völkermord an den Herero und Nama
 (DIR) Namibia
 (DIR) Namibia
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Genozidgedenken in Namibia: Das ewige Warten auf Einsicht aus Deutschland
       
       Bis heute verweigert Deutschland Reparationen für den Völkermord an
       Namibias Herero und Nama während der Kolonialzeit. Die Ungeduld darüber
       nimmt zu.
       
 (DIR) Namibias erste Präsidentin: Namibias Neue: Ndemupelila Netumbo Nandi-Ndaitwah
       
       Erstmals ist in Namibia eine Frau an die Staatsspitze gewählt worden:
       Netumbo Nandi-Ndaitwah setzte sich in der ersten Runde der
       Präsidentschaftswahl durch.
       
 (DIR) Wahlen in Namibia: 34 Jahre sind genug. Oder?
       
       Seit 1990 regiert in Namibia die ehemalige Befreiungsbewegung Swapo. Das
       könnte sich jetzt ändern. Wirtschaftsprobleme dominierten den Wahlkampf.