# taz.de -- Bank Credit Suisse: Hinweise auf Hunderte Konten mit Nazibezug
> Im US-Senat findet eine Anhörung zur Nazivergangenheit der Credit Suisse
> statt. Der Vorwurf: Knapp 900 Konten sollen Nazi-Verbindungen aufgewiesen
> haben.
(IMG) Bild: Schon lange bekannt aber nicht restlos erforscht: die Geschäfte der Schweizer mit den Nationalsozialisten
rtr | Kurz vor einer Anhörung im US-Senat zur Nazivergangenheit der
[1][Credit Suisse (CS)] hat der republikanische Senator Chuck Grassley
Vorwürfe gegen die inzwischen von der UBS übernommene Großbank erhoben.
Eine laufende Untersuchung habe Hinweise auf 890 Konten mit potenziellen
Naziverbindungen ergeben, erklärte Grassley im Vorfeld der für Dienstag
geplanten Sitzung des Justizausschusses.
Darunter befänden sich Konten des wirtschaftlichen Arms der Schutzstaffel
(SS) Adolf Hitlers, die für zahlreiche Verbrechen der Nationalsozialisten
verantwortlich gemacht wird, sowie einer deutschen Rüstungsfirma. Die CS
habe zudem in der Vergangenheit Schlüsseldetails vor Ermittlern verborgen.
UBS-Americas-Chef Robert Karofsky betonte in seinem vorab veröffentlichten
Redemanuskript den Aufklärungswillen der Bank.
Ein Kritikpunkt sind auch die sogenannten Rattenlinien, über die die
Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien flohen. Grassley warf der
Credit Suisse vor, ein Gebäude in der Schweiz an die argentinische
Regierung vermietet zu haben, von dem aus diese Fluchtrouten organisiert
worden seien. Karofsky bestätigte in seiner Stellungnahme, dass die CS
Büroräume an die argentinische Einwanderungsbehörde vermietet habe und
Mitarbeiter dieser Behörde Konten bei der Bank unterhielten. Dies sei eine
der Entdeckungen der Untersuchung.
## Konten für Nazis mit Vermögenswerten von NS-Opfern
Die jüdische Menschenrechts- und Bildungsorganisation Simon Wiesenthal
Center hatte der Credit Suisse 2020 vorgeworfen, [2][Konten für Nazis] in
Argentinien geführt zu haben, auf denen wahrscheinlich Vermögenswerte
lagen, die ursprünglich Opfern des Holocausts gehörten.
Die Credit Suisse beauftragte darauf die Forensikfirma AlixPartners mit
einer Untersuchung. Anschließend beschloss die Credit Suisse, Neil Barofsky
als unabhängigen Ombudsmann zu engagieren, um die freiwillige Überprüfung
ihrer Vergangenheit zu beaufsichtigen. 2023 engagierte sie dann Grassley.
„Als Aufpasser des Kongresses habe ich die Ermittlungen gegen die Credit
Suisse aufmerksam verfolgt, um sicherzustellen, dass Gerechtigkeit walten
kann und die Welt die ganze Wahrheit erfährt“, erklärte er nun.
Am (heutigen) Dienstag findet im Senat eine Anhörung unter dem Vorsitz des
Abgeordneten aus Iowa statt, bei der auch Barofsky, ein Vertreter des Simon
Wiesenthal Center, sowie Karofsky und UBS-Chefjuristin Barbara Levi
teilnehmen. Es werde erwartet, dass die Untersuchung bis zum Frühsommer
abgeschlossen ist, erklärten Mitarbeiter des Justizausschusses des Senats.
Barofsky dürfte dann bis Ende des Jahres seinen Schlussbericht vorlegen,
hieß es weiter.
Der UBS-Manager betonte, die Bank habe Hunderte Millionen in die
mehrjährige Untersuchung gesteckt, an der gegenwärtig rund 85 Personen
arbeiteten. Er verwies auch auf einen Vergleich aus dem Jahr 1999, im
Rahmen dessen die UBS und die Credit Suisse 1,25 Milliarden Dollar an
Holocaust-Überlebende und ihre Nachfahren bezahlten. Mit dieser Zahlung
wurden Ansprüche in Zusammenhang mit dem stillschweigenden Einbehalten
nachrichtenloser jüdischer Vermögen, aber auch mit Nazivermögenswerten
abgegolten.
Die damalige Vereinbarung war Karofskys Angaben zufolge abschließend und
umfasste auch Tatsachen, die damals noch nicht bekannt waren. Die UBS habe
den zuständigen Richter gebeten, eine Anordnung zu erlassen, um den Umfang
des damaligen Vergleichs zu bekräftigen.
3 Feb 2026
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