# taz.de -- Südpazifikstaat Niue: Der „Felsen von Polynesien“ als neuer diplomatischer Partner
       
       > Deutschland nimmt diplomatische Beziehungen zum Winzstaat Niue im
       > Südpazifik auf. Ein Zeichen gegen das dort auftrumpfende China.
       
 (IMG) Bild: Kaum Palmen, keine Sandstrände, aber viel Grün: der Pazifikstaat Niue
       
       „Ich könnte es auch googeln, aber vielleicht wissen Sie es auswendig: Wie
       viele Einwohner hat diese Insel eigentlich?“, fragte ein Journalist
       [1][laut Protokoll] bei der Bundespressekonferenz am 7. Januar. „Dann
       googeln wir gemeinsam“, lautete die ehrliche Antwort von Kathrin Deschauer,
       der Sprecherin des Auswärtigen Amtes. „Eine sehr niedrige Zahl“, ergänzte
       Regierungssprecher Stefan Kornelius, der zugab, selbst gegoogelt zu haben.
       Auf der besagten Pressekonferenz sprach er über den Kabinettsbeschluss,
       diplomatische Beziehungen zu Niue (sprich: Ni – u – e) aufzunehmen.
       
       Tatsächlich sind es 1.700 Menschen, die in dem Inselstaat, der auch „der
       Felsen (von Polynesien)“ genannt wird, leben. Er hat damit nach dem
       Vatikanstaat die zweitkleinste Bevölkerung der Welt. Mit Niues
       Premierminister Dalton Tagelagi vollzog Bundesaußenminister Johann Wadephul
       am Dienstag in Neuseeland formal die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
       Niues Staatsbürger haben auch die Staatsbürgerschaft Neuseelands, wo 15-mal
       mehr der Bürger des Winzstaates leben als in der 2.400 Kilometer
       nordöstlich gelegenen Heimat.
       
       Seit 1974 ist das selbstverwaltete Niue, dessen Landfläche etwa die Größe
       von Erfurt hat, mit einem Assoziierungsvertrag mit Neuseeland verbunden.
       Dazu hatte sich die Bevölkerung mehrheitlich in einem Referendum
       entschieden. Neuseeland prägt auch weiter die Verteidigungs- und
       Außenpolitik der Insel. International voll anerkannt ist Niue erst von 26
       Staaten. Im Jahr 1996 war China die Nummer drei. Der erste europäische
       Staat war 2014 die Türkei, der erste EU-Staat 2015 Italien.
       
       ## Auf der „falschen“ Seite der Datumsgrenze
       
       Neuseeland liegt anders als Niue auf der westlichen Seite der Datumsgrenze.
       Das führt nicht selten zur Verwirrung wie etwa bei Flugplänen. Gemeinsam
       haben beide Staaten mit König Charles III. das gleiche Staatsoberhaupt, was
       letztlich auf die „Entdeckung“ Niues durch James Cook 1774 zurückgeht.
       
       Der Winzstaat ist seit 1975 Mitglied des Forums pazifischer Inseln, das die
       Bundesregierung mit der Aufnahme der Beziehungen zu Niue symbolisch stärken
       will. In den vergangenen Jahren sind in der Region immer mehr Länder [2][in
       wirtschaftliche Abhängigkeit von China geraten], das damit auch seinen
       politischen Einfluss ausdehnen und zugleich den von Australien und den USA
       reduzieren konnte. Eine deutsche Botschaft ist in Niues „Hauptstadt“ Alofi,
       einem Dorf mit rund 600 Bewohnern, aber nicht geplant.
       
       Wer Südseeinseln vor allem mit Palmenstränden assoziiert, liegt bei Niue
       falsch. Die aus 14 Dörfern bestehende Insel hat kaum Strände. Sie ist ein
       erloschener Vulkan mit einem gut 60-Meter-Hochplateau und einer
       Korallenküste, die schroff aus dem Meer aufragt. Es gibt keinen Hafen und
       keine Flüsse oder Bäche. Anders als andere Pazifikinseln, die kaum aus dem
       Meer ragen, [3][ist Niue weniger vom steigenden Meeresspiegel durch den
       Klimawandel bedroht].
       
       Mit dem Niue-Dollar gibt es auch eine eigene Währung, die aber
       hauptsächlich bei Münzsammlern beliebt ist. Bezahlt wird lieber mit dem
       Neuseeland-Dollar. Um die wirtschaftliche Abhängigkeit von dort zu
       verringern, wird versucht, den Tourismus auszubauen. Der bringt bisher etwa
       10.000 Besucher im Jahr auf die Insel, die aber zu vier Fünfteln aus
       Neuseeland kommen. Die [4][Tourismuswebseite] wirbt außer mit dem
       kristallklaren Meerwasser mit dem Spruch: „Genießen Sie, was Niue nicht
       hat.“ Damit dürften Zivilisations- und Infrastrukturprobleme wie
       Verkehrsstaus gemeint sein.
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/regierungspressekonferenz-2751274
 (DIR) [2] /USA-und-Indien-umschmeicheln-Ozeanien/!5933268
 (DIR) [3] /Klimawandel-im-Suedpazifik/!6033051
 (DIR) [4] https://www.niueisland.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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