# taz.de -- Serie „The Danish Woman“ auf Arte: Schwarzer Humor auf Island
       
       > Eine dänische Ex-Agentin will ihre isländischen Nachbarn zu besseren
       > Menschen erziehen. Doch die innerskandinavischen Befindlichkeiten sind
       > komplex.
       
 (IMG) Bild: Die ehemalige dänische Elitesoldatin und Geheimdienstagentin Ditte Jensen (Trine Dyrholm) widmet sich im Ruhestand ihrem Gemüsegarten
       
       Die Isolation [1][Islands] nach der Landnahme durch den offiziellen
       Erstsiedler, den norwegischen Wikinger Ingólfr Arnarson, hat dazu geführt,
       dass sich die von rund 300.000 Menschen gesprochene isländische Sprache in
       tausend Jahren kaum verändert hat und somit noch heute dem Altnordischen
       ähnelt, mit der größten Nähe zum Färöischen und Südwestnorwegischen. Das
       muss man vielleicht nicht wissen – es lässt einen den obsessivsten Running
       Gag einer neuen isländischen Serie aber vielleicht etwas eher
       nachvollziehen.
       
       Da echauffiert sich nämlich in [2][„The Danish Woman“] besagte Dänin ein
       ums andere Mal darüber, dass die Isländer nach ihrem Dafürhalten so
       unzureichend Dänisch sprechen, obwohl sie es doch in der Schule alle
       gelernt haben müssten.
       
       Ein anderer Däne stellt seinen Chauvinismus unter Beweis, wenn er den
       Isländern einen „kolonialen Minderwertigkeitskomplex“ attestiert. Von den
       Schweden wiederum wird behauptet, sie seien ängstlich, wollten sich immer
       einig sein in allem, trügen sogar alle die gleichen Klamotten. Zwischen
       diesen nach außen immer so solidarisch auftretenden Nationen scheint es da
       doch so ein paar innerskandinavische Befindlichkeiten zu geben.
       
       Die mangelnden Dänischkenntnisse der Isländer passen der dänischen Frau
       jedenfalls nicht in den Kram. Und wenn dieser gerade erst eingewanderten
       Ditte Jensen etwas nicht passt, ist das ein Umstand, den insbesondere ihre
       neuen Nachbarn in dem Wohnblock in 105 Reykjavik unbedingt ernst nehmen
       sollten. Die Erste, aber nicht die Letzte, die das mit ihrem Leben bezahlen
       muss, ist die Katze, die sich an Dittes Allerheiligstem, dem Gemüsegarten,
       vergeht.
       
       ## Kleine Jungs umbringen
       
       Ein anderes Anliegen, das ihr sehr am Herzen liegt, ist der Kampf gegen
       fossile Brennstoffe. Und „Kampf“ muss man in diesem Fall wörtlich nehmen.
       Ditte ist eine Geheimdienst- und Armeeveteranin im Unruhestand – dem aus
       ihrer Sicht allzu ungezogenen Nachbarsjungen zeigt sie einmal ihr
       Fotoalbum: „Da bin ich im Irak. Dort habe ich gelernt, wie man Menschen
       wehtut … Und das ist ein altes Foto aus Bosnien. Ich war ein Sniper. Dort
       habe ich gelernt, zu töten … Und das ist Afghanistan. Mein Job dort war es,
       kleine Jungs wie dich zu brechen.“
       
       Gelernt ist gelernt. Ditte meint es wirklich gut mit ihren Mitmenschen,
       allein, am Ende laufen ihre Erziehungsmethoden immer auf tiefschwarze
       Pädagogik hinaus. Wer nicht hören will, muss fühlen. „The Danish Woman“
       läuft natürlich, wie einst „101 Reykjavik“, auf eine tiefschwarze Komödie
       hinaus.
       
       Und dass die so gelungen ist, liegt natürlich auch daran, dass sie der
       nicht nur in Skandinavien sehr bekannten – dänischen – Hauptdarstellerin
       [3][Trine Dyrholm] von Regisseur Benedikt Erlingsson und Ólafur Egill
       Egilsson auf den Leib geschrieben wurde.
       
       Die ist nicht nur Schauspielerin („Das Fest“, „Die Erbschaft“) – als
       Sängerin hat sie es schon auf Platz eins der dänischen Charts geschafft.
       Diese Doppelbegabung macht sich die Serie ausgiebig zunutze, indem sie
       Dyrholm etliche Songs, darunter Björks „Human Behaviour“, selbst singen
       lässt, stets begleitet von einer sehr eigenwilligen Tanzperformance.
       Körperlich gibt Trine Dyrholm absolut alles, namentlich in der sechsten und
       vorerst letzten Folge.
       
       Immer wieder haben Schauspielerinnen um die 50 in den vergangenen Jahren
       ihre mangelnde Sichtbarkeit, gar Altersdiskriminierung beklagt. Zwei
       Schwalben machen noch keinen Sommer. „The Danish Woman“ und die nicht
       weniger fulminante feministische „Breaking Bad“-Variante [4][„Queen of
       Fucking Everything“] aus Finnland (in der ZDF-Mediathek) lassen vielleicht
       trotzdem hoffen, dass sich da gerade etwas ändert. Zumindest in
       Skandinavien.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bundesaussenminister-in-Island/!6122232
 (DIR) [2] https://www.arte.tv/de/videos/RC-027451/the-danish-woman/
 (DIR) [3] /Spielfilm-Das-Maedchen-mit-der-Nadel/!6057265
 (DIR) [4] https://www.zdf.de/serien/queen-of-fucking-everything-100
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jens Müller
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schweden
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 (DIR) Skandinavien
       
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