# taz.de -- Emmauswald in Neukölln: Fledermäuse gegen Eigentumswohnungen
       
       > Seit Jahren kämpfen Aktivist:innen für den Neuköllner Emmauswald. Nun
       > könnte sie der Artenschutz ihrem Ziel näher bringen – und eine Autobahn.
       
 (IMG) Bild: Der Emmauswald hat merkwürdige Verbündete: Fledermäuse und Autobahnen
       
       „Wir stehen hier, für etwas, was leise ist, aber unser aller Leben prägt:
       einen über Generationen gewachsenen Wald, in dem Vögel brüten und nachts
       Fledermäuse jagen“, ruft eine warm einpackte Rednerin ins Mikrofon. Etwa 20
       Menschen harren hier am Donnerstagmorgen vor dem Abgeordnetenhaus aus. Ihr
       Ziel: Parlamentarier:innen auf dem Weg zur Arbeit abzufangen. Wenn
       sie eine:n sehen, rufen sie: „Wir sind hier, es ist kalt, klaut uns nicht
       den Emmauswald“.
       
       Seit Jahren schon kämpfen Aktivist:innen für den Erhalt der kleinen
       Waldfläche nördlich des A 100-Tunnels in Neukölln. Gegen die Pläne der
       Vonovia-Tochter Buwog, hier [1][Hunderte Wohnungen zu bauen – viele davon
       Eigentum –], zählen sie unermüdlich dieselben Argumente auf: Es entstehe
       kaum bezahlbarer Wohnraum; Waldflächen sorgten in der Klimakrise für
       dringend benötigte Abkühlung; und demokratisch fragwürdig sei es gewesen,
       dass der Senat dem Bezirk die Zuständigkeit entzog, nachdem dieser sich
       gegen die Abholzung ausgesprochen hatte.
       
       Doch weder moralische Appelle noch politische Argumente konnten Senat oder
       Konzern bislang umstimmen. Deshalb führen die Aktivist:innen gemeinsam
       mit der Grünen-Fraktion nun einen neuen Verbündeten ins Feld: die
       Bewohner:innen des Waldes selbst. In einem am Donnerstag ins Parlament
       eingebrachten Antrag fordern die Grünen den Senat erneut auf, die Baupläne
       zu stoppen – und verweisen auf Fledermausarten auf der Roten Liste, die
       hier leben. Denn denen geht es nicht unähnlich wie den von Gentrifizierung
       gebeutelten Bewohner:innen des Bezirks: Auch sie haben in der
       Innenstadt keinen Ort mehr, an den sie ausweichen können.
       
       „Das schafft für den Senat und die Buwog schon einen neuen erheblichen
       Schwierigkeitsgrad“, sagt der Neuköllner Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener
       am Donnerstag auf der Kundgebung. Er verweist auf die europäische
       Flora-Fauna-Habitatsrichtlinie, die vorschreibt, dass die Lebensräume von
       Fledermäusen in einem günstigen Zustand erhalten werden müssen.
       
       ## Allianz von Mensch und Tier
       
       Doch wie beim Menschen argumentiert der Senat auch beim Tier, dass ein
       bisschen Verdrängung schon nicht allzu schlimm sei. Martin Pallgen,
       Sprecher der Verwaltung für Stadtentwicklung, sagt der taz, es gebe „keine
       Anhaltspunkte“, dass der Artenschutz dem Vorhaben im Weg stehe. Die
       Fledermäuse könnten schließlich auch auf dem benachbarten Friedhof jagen –
       oder später im Baugebiet selbst, wo „Kompensationsmaßnahmen“ geplant seien.
       
       Was aber nun zumindest die Hälfte des Waldes retten könnte, ist –
       ausgerechnet – die Autobahn nebenan. Im Planungsprozess ist dem Senat
       nämlich aufgefallen, dass das Bundesfernstraßengesetz Bebauung innerhalb
       von 40 Metern neben einer Autobahn verbietet. Die Südseite des Waldes wird
       deshalb erst mal nicht abgeholzt. An den Plänen ändert das aber wenig. Man
       wolle jetzt eben einfach „höhere Gebäude auf weniger Fläche“ bauen, sagt
       Pallgen zur taz.
       
       Am Ende sollen hier offenbar alle zusammenrücken: Menschen wie Tiere,
       Wohnraum wie Wald. Dass solche Verdichtung dazu führt, dass die Wehrlosen
       doch verschwinden müssen, [2][ist in Berlin seit Jahrzehnten zu
       beobachten]. Bleibt die Frage, ob sich die Bewohner:innen dieses
       Gebiets zusammentun können – ganz gleich, ob sie auf zwei Beinen gehen oder
       nachts lautlos durch die Bäume gleiten.
       
       29 Jan 2026
       
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