# taz.de -- Mahnmal in Berlin-Mitte: Ein Jahr Trost für die Trostfrauenstatue
> Trommelwirbel bei der Enthüllung: Das Mahnmal gegen sexualisierte
> Kriegsgewalt wurde in unmittelbarer Nähe seines alten Standortes wieder
> aufgestellt.
(IMG) Bild: Bei der Einweihung der Friedensstatue am 22. Januar in Moabit tragen Teilnehmende Masken mit dem Gesicht der Trostfrau
97 Tage nachdem der Bezirk Mitte die sogenannte Friedensstatue [1][unter
Polizeischutz entfernen] ließ, hat diese jetzt Asyl in einer Residenz für
Künstler*innen und Stadtforscher*innen in direkter Nähe ihres alten
Moabiter Standortes erhalten. „Wir bieten in unserem Haus 13 Studios an“,
sagte Philip Horst vom Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) bei der
Enthüllung der Statue am Donnerstagabend. „Und jetzt haben wir vor dem Haus
mit der Statue quasi das 14. Studio. Und das ist für euch alle!“
Die Statue sei jetzt eine Mitbewohnerin in einem temporären,
internationalen Mikrokosmos. „Es stellt sich die Frage, was ist überhaupt
ein Denkmal, wer darf gedenken, wenn sich globale und lokale Fragen
treffen, wer bekommt überhaupt einen Platz zum Gedenken?“, sagte Horst vor
den gut 100 Gästen. Diese feierten nach einem Trommelwirbel koreanischer
Frauen die Enthüllung der Statue und trugen dabei Masken mit deren Gesicht.
Das Mahnmal zeigt eine auf einem Stuhl sitzende junge Frau im
traditionellen Kleid („Hanbok“). Die Bronzestatue symbolisiert eine der
rund 200.000 meist koreanischen Zwangsprostituierten des japanischen
Militärs im Zweiten Weltkrieg, euphemistisch Trostfrauen genannt. Ein
leerer Stuhl neben der Frau fordert dazu auf, sich auch mit sexualisierter
Kriegsgewalt in aktuellen Konflikten auseinanderzusetzen.
## Japans Regierung macht Druck
Die von einem südkoreanischen Künstlerpaar stammende Statue ist [2][der
Regierung in Tokio ein Dorn im Auge]. Japan hatte sich zwar nach
Jahrzehnten offiziell für die sexuelle Versklavung asiatischer Frauen im
Krieg entschuldigt. Doch während viele Opfer die Art der Entschuldigung als
halbherzig empfanden und die konservative Regierung danach möglichst nicht
mehr an die Vergangenheit erinnert werden will, leugnen nationalistische
Japaner die damaligen Verbrechen bis heute.
Japans Botschaft drängte den Senat wie den Bezirk Mitte, der die
Aufstellung der Statue im Jahr 2020 durch den deutschen Korea Verband e. V.
genehmigt hatte, immer wieder auf Entfernung des als „einseitig“
diskreditierten Denkmals aus dem öffentlichen Raum.
Die Regierung in Tokio hatte in anderen Ländern und Städten mit solchem
Druck oft Erfolg gehabt. Mittes Bürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne)
war vom Druck der Botschaft so genervt, dass sie bei einer
Bezirksverordnetenversammlung im September 2024 erklärte, [3][sie empfange
keine Botschafter mehr].
Doch wollte auch sie die Statue loswerden, was in ihrer Partei umstritten
war. Remlinger pochte darauf, dass die ursprüngliche Befristung auf zwei
Jahre eingehalten werden müsse. War dies bis dahin locker gehandhabt worden
und eine Fristverlängerung nicht ausgeschlossen, verschärfte der Bezirk im
Streit um die Statue nachträglich seine Vorschriften. Bedingung für einen
längeren Verbleib privater Kunst im öffentlichen Raum ist deren vorherige
Auswahl durch einen öffentlichen Wettbewerb.
Als der Korea Verband Remlingers Vorschlag ablehnte, die [4][Statue auf ein
Privatgrundstück zu verlegen], kam es zum Rechtsstreit. Den gewann der
Bezirk im Oktober 2025 und ließ schon am nächsten Tag das Denkmal abbauen.
Es hatte fünf Jahre an der Ecke Emdener Straße/Birkenstraße gestanden, in
direkter Nachbarschaft zum kleinen [5][Trostfrauenmuseum des Korea
Verbandes].
## Die Statue steht wieder auf öffentlichem Grund
Der neue Standort auf dem Grundstück des ZK/U, einem früheren Bahndepot in
der Siemensstraße 27, ist nur etwa 100 Meter vom alten Platz entfernt.
Ironischerweise gehört das Grundstück ebenfalls dem Land Berlin, ist aber
langfristig ans ZK/U verpachtet.
Es wäre absurd, wollte der Bezirk den Stadtforscher*innen jetzt
nachträglich verbieten, auf dem von ihnen gepachteten Grundstück dieses
Mahnmal aufzustellen, anhand dessen sich trefflich über Erinnerungskultur
in einer pluralen Stadtgesellschaft diskutieren lässt.
Laut Horst hat Japans Botschaft noch nicht beim ZK/U interveniert. Hat sie
vielleicht gemerkt, dass sie mit ihren Interventionen dem Denkmal von unten
sowie den damit symbolisierten Verbrechen an Frauen immer wieder Publizität
und Solidarität verschafft?
Unklar ist auch, ob Senat und Bezirk inzwischen gemerkt haben, dass die
Statue nicht nur für ferne Verbrechen der Vergangenheit steht, sondern auch
für den Umgang mit Migrant*innen und ihren historischen wie aktuellen
Erfahrungen in Berlin. So verwies denn auch eine Theatermacherin aus Iran,
die derzeit wie die Statue Gast im ZK/U ist, an den aktuellen Widerstand
von Frauen gegen das Mullah-Regime.
Einen internationalen Bogen schlägt auch der Name Ari der Statue. Zum einen
steht er für das Volkslied Arirang, Südkoreas inoffizieller Nationalhymne
voll Sehnsucht und Trauer, zum anderen heißt Ari auf Armenisch „die Mutige“
und erinnert an den Genozid an den Armenier*innen 1915.
23 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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