# taz.de -- Neue BMK-Präsidentin: Sie findet Leistung „cool“
> Die bayerische Kultusministerin Anna Stolz übernimmt den Vorsitz der
> Bildungsministerkonferenz. Ihre Schwerpunkte kommen nicht überall gut an.
(IMG) Bild: Sie ist konservativ und setzt trotzdem andere Akzente als Söder: Bayerns Kultusministerin Anna Stolz
Die Bundesrepublik schreibt am Donnerstag bildungspolitische Geschichte:
Erstmals übernimmt mit Anna Stolz eine Ministerin aus Bayern den Vorsitz
der Bildungsministerkonferenz (BMK), die nicht in der CSU ist. Die
Politikerin der Freien Wähler ist, das dürfte viele der übrigen
Bildungsminister:innen freuen, auch nicht immer einer Meinung mit
ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder.
Zu dessen jüngstem Vorstoß etwa, dass Schulen in Bayern zu bestimmten
Anlässen schon [1][bald verpflichtend die National-, Europa- und
Bayernhymne spielen sollen], bemerkte Stolz, dass es dabei nicht auf die
Pflicht ankäme, sondern um die Beschäftigung mit Werten und Normen.
Beim Thema unangekündigte Tests an Schulen liegen die Positionen offenbar
noch weiter auseinander. Stolz wollte „grundlegend“ prüfen, ob die hohe
Zahl an Tests im Unterricht noch zeitgemäß sei, wie das andere Bundesländer
längst getan haben – bis Söder ein Machtwort zugunsten unangekündigter
Examen sprach. Bei Schulen in Bayern kommt vor allem gut an, dass Stolz
großen Wert darauf legt, mögliche Änderungen immer vorab mit der
„Schulfamilie“ zu besprechen. Also mit Schulleitungen, Eltern,
Schüler:innen und Lehrkräften.
Ihr politisches Profil ist – ungeachtet aller Unterschiede zu Söder –
jedoch klar konservativ. [2][Als Schwerpunkt für den einjährigen
BMK-Vorsitz] hat Stolz unter anderem die Förderung einer „gesunden und
positiven Leistungskultur“ an Schulen gewählt. Vor ihrer Abreise zur
offiziellen Amtsübergabe nach Berlin sagte Stolz: „Leistung ist auch etwas
verdammt Cooles.“ Kinder wollten sich messen, besser werden und spüren, was
in ihnen steckt.
## Leistung, aber ohne Druck?
Gleichzeitig möchte Stolz aber auch Sport und generell Bewegung an Schulen
fördern. Im Freistaat hat Stolz zu Beginn des Schuljahrs bereits mehr
Bewegung verordnet. An Grundschulen gilt seither eine tägliche
„Bewegungs-Halbestunde“ ([3][in Anlehnung an die
„Verfassungs-Viertelstunde“, mit der die politische Bildung gestärkt werden
soll]). Als BMK-Präsidentin will Stolz natürlich auch die „digitale
Bildung“ stärken.
Aus Sicht von Lehrerverbandschef Stefan Düll ist das insgesamt eine
vernünftige Schwerpunktsetzung. Vor allem das Bekenntnis zum
Leistungsprinzip begrüßt er: „Vom Grundsatz her muss Schule Leistung
fordern“, sagt Düll der taz. Leistung und Druck seien nun mal Teil des
Lebens. Als Schulleiter weiß er: Mit Lernvorgaben, Tests und Noten könne
man Schüler:innen „aus ihrer Komfortzone“ holen. Das sei angesichts
[4][sinkender Leistungen deutscher Schüler:innen im Lesen und Rechnen]
wichtig – und auch politisch das richtige Signal.
Die Bundesschülerkonferenz hingegen blickt mit Skepsis auf die neue
BMK-Präsidentin. „Ein Bekenntnis zum Leistungsprinzip ist für uns kein
pädagogisches Konzept“, sagt Vize-Generalsekretärin Lilli Berthold der taz.
Im Gegenteil verschärfe es die ungleichen Startchancen. „Nur wer ohnehin
schon gute Leistungen erbringt, stellt sich gerne dem Wettbewerb.“ Für alle
anderen bedeute es nur noch mehr Druck.
Die Bundesschülerkonferenz fordert seit Längerem mehr Aufmerksamkeit für
das Thema psychische Gesundheit an Schulen. In ihrer aktuellen
Mental-Health-Kampagne fordert sie unter anderem mehr
Schulpsycholog:innen und Sozialarbeiter:innen an Schulen, mehr
Präventionsangebote sowie verbindliche Standards für mentale
Gesundheitsbildung.
Anna Stolz übernimmt den Vorsitz der BMK von der Bildungsministerin von
Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg (Linkspartei). Ihr Motto war: mehr
Chancengerechtigkeit.
20 Jan 2026
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(DIR) Ralf Pauli
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