# taz.de -- Angeschnorrt ins Nichts:  Mein fremder Sohn
       
       > Im Café hoffe ich auf Ruhe vor meinem Sohn Mehmet – doch der ewige
       > Student und „Beton-Kommunist“ hat ganz eigene Pläne für Vaters
       > Portemonnaie.
       
 (IMG) Bild: Regt den Vater auf: Sohn mit Freundin im Café am Handy
       
       Weihnachten und Silvester waren sehr hart! Um mich etwas von der buckligen
       Sippschaft zu erholen, flüchte ich in ein hübsches, abgelegenes
       Restaurant-Café am Rande der Stadt. Kaum habe ich Hose und Socken
       ausgezogen, ich meine, Mantel und Jacke ausgezogen, kommt mein Sohn Mehmet
       reingeschneit. Mein Onkel Ömer sagt immer: „Keçinin sevmediği ot burnunun
       dibinde biter.“ „Das Kraut, das die Ziege nicht mag, wächst direkt vor
       ihrer Nase.“ Wie wahr! Wie wahr!
       
       Zu Hause lässt mich der ewige Student und Beton-Kommunist auch nie in Ruhe
       meinen Tee genießen. Warum sollte es in einem Café plötzlich anders sein?
       „Hallo Sohnemann, schön dich zu sehen.“ Als Vater muss ich auch noch so
       tun, als wäre ich über diese Begegnung erfreut. Aber Mehmet geht wortlos an
       mir vorbei. Was ist denn hier los?
       
       Er verfolgt mich bis in die äußerste Ecke der Stadt, dann tut er so, als
       würde er mich gar nicht kennen. Selbst nach meinem zweiten Zuruf bleiben
       seine Ohren und sein Herz für seinen selbstlosen Erzeuger verschlossen.
       Dass der Idiot von seinem guten alten Vater plötzlich nichts mehr wissen
       will, mag wohl in erster Linie an der sehr hübschen Frau liegen, die er an
       der rechten Hand mit reingeschleppt hat. Schämt er sich etwa für mich?
       
       Da verstehe einer die Welt! So eine unglaublich hübsche Frau trifft sich
       freiwillig mit Mehmet. Wobei ich sehr hoffe, dass sie freiwillig hier ist.
       Wie ein Entführungsopfer sieht sie jedenfalls nicht aus. Frauen werden für
       mich immer mysteriöser. Die beiden setzen sich ganz weit weg, mit dem
       Rücken zu mir, und bestellen was zu essen: einen Riesenteller gefüllter
       Weinblätter, danach mehrere deftige Hauptspeisen und zum Nachtisch Baklava.
       
       ## Die Handys rauben mir den Nerv
       
       Dass der Idiot mit mir nicht spricht, ja, dass er mich nicht mal anschaut,
       bedeutet aber leider nicht, dass er mich in Ruhe lässt. Sein Handy und das
       von seiner Freundin klingeln die ganze Zeit ununterbrochen und rauben mir
       den Nerv. Rufen jemanden an oder werden angerufen. Selbst beim Essen
       glotzen sie nur diese Dinger an.
       
       Nach drei Stunden, in denen Mehmet mich kein einziges Mal angeschaut hat,
       will der Kellner Geld von ihm sehen. Das hätte ich eigentlich auch sehr
       gerne – mal Geld von Mehmet bekommen. Aber stattdessen sehe ich den Kellner
       direkt neben mir.
       
       „Der junge Mann dort meint, dass Sie als Vater [1][seine Rechnung
       übernehmen] würden.“ – „Als Vater? Spinnt der? Ich hab den Kerl noch nie im
       Leben gesehen! So alt bin ich doch nicht mal.“
       
       Der Kellner läuft leicht genervt wieder zu Mehmet. Der lässt sich heute zum
       ersten Mal auf mein Niveau herab und spricht mich an. „Vater, was soll denn
       das, kennst du mich etwa nicht mehr?“, sagt er verwirrt.
       
       „Wie bitte? Haben wir uns etwa schon mal gesehen? So eine
       Unverschämtheit!“, antworte ich empört. „Vater, der Kellner will mich allen
       Ernstes [2][in die Küche] zum Abwaschen stecken, wenn ich nicht bezahle“,
       jammert er. „Irgendwie müssen Sie ja Ihre Schulden schon begleichen, junger
       Mann. Umsonst ist nicht mal der Tod“, grinse ich.
       
       „Vater, der Mann droht mir auch noch mein [3][Handy wegzunehmen],
       verdammt!“, jammert er quer durch den Laden. „Mein Handy auch, Herr
       Engin!“, kreischt das Mädchen. „Super! Dann kann ich mich ja hier endlich
       mal ein bisschen ausruhen. Viel Spaß beim [4][Abwaschen].“
       
       20 Jan 2026
       
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