# taz.de -- Umgang mit dem Zoll-Troll
> In Grönland und Dänemark stehen Tausende Menschen gegen Trumps aggressive
> Rhetorik zusammen. Die EU reagiert auf Zolldrohungen gewohnt ratlos
Aus Härnösand Anne Diekhoff, aus Brüssel Eric Bonse
Allein der Zeitpunkt war eine Provokation. Als US-Präsident Donald Trump am
frühen Samstagabend Strafzölle gegen acht europäische Länder ankündigte,
waren die Menschen in Grönland noch zu Tausenden auf den Straßen. „Nicht zu
verkaufen. Nicht zu übernehmen“, „Hände weg“: Die Botschaft der
hochgehaltenen Plakate war eindeutig, wie Bilder des grönländischen
Rundfunks KNR zeigen. Ziel des Zugs der rund 5.000 Demonstrierenden in der
Hauptstadt Nuuk war das US-Konsulat. Auf einem Video von 17.20 Uhr – kurz
vor Trumps Zoll-Drohung – rufen Menschengrupen „Kalallit Nunaat“ – den
grönländischen Namen ihrer Insel – und schwenken ihre Landesflaggen.
Grönlands Regierungschef Jens-Fredrik Nielsen sprach in einem Beitrag auf
Facebook von einem bewegenden Tag mit starken Gefühlen und deutlichem
Zusammenhalt. „Das macht mich aufrichtig stolz“, schrieb Nielsen, der
gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Múte B. Egede protestierte. Als „stark
und würdevoll“, beschrieb er die Demonstration. „Danke für die Ruhe, den
Respekt und die Gemeinschaft. Wir stehen zusammen.“
Auch in Dänemark zeigten dies die dort lebenden Grönländer. Und sie waren
nicht allein damit: Viele Dänen gingen aus Solidarität mit. Allein in
Kopenhagen waren es um die 20.000 Demonstrierende. Die rot-weiße Flagge
Grönlands wehte an diesem Tag in vielen dänischen Städten vor den
Rathäusern, auch in Aarhus, Aalborg und Odense gingen Menschen auf die
Straße. „Ich bin gerührt“, sagte eine Demonstrantin dem dänischen Rundfunk
DR. Dass in Kopenhagen so viel Solidarität gezeigt werde, dass sie dort
neben Dänisch auch ihre Muttersprache Grönländisch auf der Demonstration
höre, sei sehr bewegend.
Auf dem Heimweg von den Protesten habe sie von Trumps Zolldrohungen
erfahren, schrieb die grönländische Ministerin Naaja H. Nathanielsen,
zuständig unter anderem für Wirtschaft und Rohstoffe, in einem
Internetbeitrag. Von den ersten Reaktionen der betroffenen Länder sei sie
beeindruckt. „Ich bin dankbar und hoffnungsvoll, dass Diplomatie und
Bündnistreue sich durchsetzen werden.“
Doch viele europäische Diplomaten hatte die Drohung Trumps auf dem falschen
Fuß erwischt. Die EU-Spitze war gerade in Paraguay – zur Unterzeichnung des
[1][Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten] – als
Trumps Ankündigung kam. EU-Ratspräsident António Costa und
Kommissionschefin Ursula von der Leyen taten sich mit einer Antwort
zunächst schwer. „Zölle würden die transatlantischen Beziehungen
untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale riskieren“, warnten sie in
einer gemeinsamen Erklärung. Aber auch: Europa werde geeint, koordiniert
und entschlossen reagieren. Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb auf X,
China und Russland würden sich ins Fäustchen lachen. „Sie sind diejenigen,
die von den Spaltungen unter den Verbündeten profitieren.“
Trumps Drohung erinnert an den Handelsstreit, den Trump im vergangenen Jahr
vom Zaun gebrochen hat, und der mit einer Kapitulation der EU endete. Von
der Leyen stimmte im Sommer 2025 zu, die Zölle für US-Exporte nach Europa
auf Null zu senken – für europäische Waren sollen dagegen 15 Prozent
gelten. Doch aus dem EU-Parlament, das dem Deal noch zustimmen muss, kam
heftigste Gegenwehr. Trumps aktuelle Drohungen stellten den Handelsdeal nun
gänzlich infrage, erklärte der Chef der konservativen EVP-Fraktion, Manfred
Weber (CSU). „Die Null-Prozent Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt
werden“, so Weber.
Noch weiter ging der Chef des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Er
fordert, das EU-Gesetz gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen anzuwenden.
Das sogenannte [2][„Anti Coercion Instrument“] (ACI) war ursprünglich als
Antwort auf China eingeführt worden. Es ermöglicht der EU verschiedene
Gegenmaßnahmen, um politische Entscheidungen zu erzwingen. Schon im
früheren Zollstreit mit Trump war gefordert worden, ACI anzuwenden. Doch
die EU-Staaten sind bislang davor zurückgeschreckt.
Diesmal könnte es aber ernst werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
werde beantragen, das ACI zu aktivieren, hieß es am Sonntag im Pariser
Elysée-Palast. Macron sei damit beschäftigt, die europäische Reaktion auf
die „inakzeptablen Drohungen von Präsident Trump“ zu koordinieren. Ob ihm
das gelingt, bleibt abzuwarten. Deutschland hat bislang zurückhaltend auf
Trumps neue Drohungen reagiert – und Kanzler Merz beansprucht ebenfalls,
die EU zu führen. Wenn Berlin auf der Bremse steht, geht in Brüssel gar
nichts.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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