# taz.de -- Wer zahlt für den Internetausbau?: Auf der Überholspur
> Soll Big Tech Netzgebühren zahlen? Davon rückt die EU-Kommission in ihren
> aktuellen Plänen ab. Zum Glück. Denn es gibt eine bessere Lösung.
(IMG) Bild: Hier freut man sich tierisch über den Netzausbau
Schnelles Internet? Das wollen eigentlich die meisten. Kommunen wollen es,
weil sie dann als Standort attraktiv werden. Die Netzanbieter haben ein
Interesse daran, weil sie ihren Kund:innen dann teurere Tarife mit
höherer Leistung verkaufen können. Verbraucher:innen wünschen es sich,
wenn sie datenintensive Dienste nutzen wollen, wie Videostreaming oder
Onlinegaming. Anbieter wie Netflix und Amazon mit seinen Video- und
Clouddiensten würden profitieren, weil dann mehr Kunden ihre Angebote und
diese intensiver nutzen könnten. Und die Politik befürwortet sowieso alles,
was potenziell für Wirtschaftswachstum sorgt.
Auch die EU-Kommission will schnelles Internet. Also: die Rahmenbedingungen
dafür verbessern, den Binnenmarkt stärken, das ist jedenfalls erklärtes
Ziel des Digital Networks Act (DNA), den die Kommission am Mittwoch
vorgeschlagen hat.
Das Gesetzgebungsverfahren steht damit noch am Anfang, doch
Verbraucherschützer:innen befürchteten schon im Vorfeld, dass am Ende
mehr Probleme stehen könnten als Lösungen. Und das hat unter anderem mit
einer zentralen Frage zu tun: Wer bezahlt eigentlich für den Netzausbau?
Die Betreiber der Netzinfrastruktur, in Deutschland etwa Telekom und
Vodafone, [1][trommeln schon lange dafür], dass die Anbieter von
datenintensiven Diensten, zum Beispiel Netflix, Amazon und das zu Google
gehörende Youtube, direkt an den Kosten für den Netzausbau beteiligt werden
sollen. Ihr Argument: Die Datenmengen, die die großen Techkonzerne durchs
Netz schicken, würden stetig steigen. Dagegen würden die Einnahmen der
Infrastrukturanbieter sinken. Es brauche also einen Weg, auf dem direkte
Zahlungen von den Anbietern datenintensiver Dienste an die Netzbetreiber
fließen.
Was auf den ersten Blick gerecht klingt, hat gleich mehrere Haken. Erstens:
Wenn zum Beispiel Anbieter von Videostreaming an die Telekom und Co zahlen
müssen, dann werden Erstere ihre höheren Kosten nicht einfach als Minus
verbuchen, sondern diese an die Kund:innen weitergeben. Währenddessen
gibt es keine Garantie, dass die Netzanbieter ihre zusätzlichen Einnahmen
tatsächlich in den Glasfaserausbau investieren – und nicht einfach ihre
Bilanzen damit aufbessern.
Zweites Problem: Unternehmen in der Größe von Amazon, Google oder Netflix
könnten sich zusätzliche Gebühren locker leisten. Wer das nicht kann:
kleine oder nichtkommerzielle Dienste. Die hätten also bei ihren
Verhandlungen mit den Netzbetreibern deutlich schlechtere Karten als die
große Konkurrenz. In einer Situation, in der der Markt ohnehin schon in
unschönem Ausmaß konzentriert ist, wäre es aber eine schlechte Idee, die
Eintrittshürden für kleinere Anbieter zu erhöhen.
Letztlich würde das Prinzip der Netzneutralität damit untergraben.
Netzneutralität bedeutet, dass die Anbieter der Infrastruktur alle
durchzuleitenden Daten gleichbehandeln. Ganz egal, ob es um eine E-Mail
geht oder um einen Videostream, und egal, von welchem Absender dieser kommt
und an wen er geht. Das Prinzip soll sicherstellen, dass die Netzanbieter
nicht einzelne Dienste oder Datenarten bevorzugen und andere benachteiligen
und somit ein Ungleichgewicht auf dem Markt geschaffen oder verstärkt wird.
Verbraucherschützer:innen vermuten allerdings bereits heute, dass
einzelne Netzanbieter die Netzneutralität nicht konsequent einhalten. Der
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat daher im Frühjahr
[2][Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht,] die die Einhaltung
der Netzneutralität überwacht.
Die EU-Kommission betont nun in ihrem Vorschlag: Die Netzneutralität soll
bleiben. Zu hoffen steht, dass sie bei dieser Position bleibt. Doch es ist
kein Grund, Big Tech nicht an den Kosten des Netzausbaus zu beteiligen.
Denn es gibt eine Lösung, die Netzneutralität und Big-Tech-Beteiligung
miteinander vereinbart: eine Digitalsteuer. Bemessen ließe sich die Steuer
am Umsatz von Unternehmen. Damit müssten vor allem die Großen einen
nennenswerten Beitrag leisten. Praktischer Nebeneffekt wäre, dass die
Einnahmen daraus an den Staat gehen – und der entscheiden kann, wo zum
Beispiel eine Förderung des Netzausbaus am dringendsten nötig ist.
21 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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