# taz.de -- ICE-Gewalt in Minnesota: Proteste, Bodycam-Video und zwei Untersuchungen
       
       > Nach tödlichen Schüssen eines ICE-Beamten auf eine Frau in Minneapolis
       > haben am Wochenende Tausende gegen die US-Einwanderungsbehörde
       > demonstriert.
       
 (IMG) Bild: Demonstration in Minneapolis nach den tödlichen Schüssen eines ICE-Beamten auf Nicole Good
       
       „Es ist wie unter den Nazis. Was ICE da macht, ist faschistisch“, sagt
       Derin Badewa. „Sie reißen Menschen aus ihren Häusern, reißen Babys aus
       ihren Familien. Und ich denke, das Beste, was man tun kann, ist, sich
       friedlich zu organisieren und zu versuchen, etwas zu verändern.“ Und das
       tat Badewa. Am Samstag nahm er an einem Protest gegen die
       US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis teil, wo er vom lokalen
       Radiosender Minnesota Public Radio interviewt wurde.
       
       Auslöser der Proteste war der Tod von Renee Nicole Good, einer dreifachen
       Mutter, [1][die am Mittwoch von einem ICE-Agenten mit mehreren Schüssen am
       Steuer ihres Fahrzeugs getötet wurd]e. Am Samstag waren im gesamten Land
       mehr als 1.000 Anti-ICE-Demonstrationen angekündigt.
       
       In Minneapolis selbst gingen trotz der winterlichen Temperaturen von bis zu
       –7 Grad und der gelegentlichen Schneeschauer Tausende auf die Straßen.
       Viele der Demonstranten hielten Schilder mit Slogans wie „Fuck ICE“ oder
       „Justice for Renee Good“ (Gerechtigkeit für Renee Good) hoch. Außerhalb
       eines Bundesgebäudes in der Stadt setzten die Sicherheitskräfte
       Pfefferspray ein, um Protestteilnehmer zu vertreiben. Bereits am Freitag
       kam es in der Nähe eines Hotels zu Ausschreitungen. Ein Polizeibeamter
       wurde verletzt, nachdem er von einem Stück Eis getroffen wurde. Insgesamt
       29 Menschen wurden verhaftet.
       
       „Trump hat Tausende bewaffnete Bundesbeamte in unseren Bundesstaat
       geschickt, und es dauerte nur einen Tag, bis sie jemanden töteten. Jetzt
       wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass das entstehende Chaos von
       dieser schrecklichen Tat ablenkt. Gebt ihm nicht, was er will“, [2][schrieb
       Minnesotas demokratischer Gouverneur Tim Walz auf X].
       
       ## Bodycam-Video des ICE-Beamten
       
       Das amerikanische Heimatschutzministerium DHS hatte das Vorgehen des
       Beamten verteidigt und behauptet, dass es ein Fall von Notwehr gewesen sei.
       Der Beamte hätte die tödlichen Schüsse abgegeben, da Good versucht hätte,
       den Beamten zu überfahren, behaupten Regierungsmitglieder.
       
       [3][Ein neues 47-sekündiges Video], das auf der konservativen Internetseite
       Alpha News gepostet wurde, und später auch auf den offiziellen sozialen
       Medien von DHS zu sehen war, zeigt die Perspektive von Agent Jonathan Ross.
       Es soll sich bei dem Video um eine Aufnahme der Handykamera von Ross
       handeln.
       
       Zu sehen sind Good auf dem Fahrersitz ihres Autos sowie ihre Ehefrau, die
       auf der Straße ihrerseits mit einem Handy filmt. Beide reden mit dem
       filmenden ICE-Beamten. Auf der Fahrerseite nähert sich ein anderer
       ICE-Beamter dem Auto und fordert Good auf: „Get out of the car“ („Steigen
       Sie aus dem Auto aus.“). Ross ist mittlerweile vor dem Fahrzeug auf der
       Fahrerseite positioniert. Dann fallen Schüsse, die Kamera gerät ins
       Schleudern und zeigt dann gen Himmel. Im Hintergrund ist jemand zu hören,
       der sagt: „Fucking Bitch“ (dumme Schlampe). In den letzten Sekunden des
       Videos sieht man das Auto davonfahren, dann hört man einen Aufprall und
       berstende Scheiben.
       
       Für die Trump-Regierung ist es ein weiterer Beweis dafür, dass Ross aus
       Notwehr gehandelt habe und die tödlichen Schüsse gerechtfertigt gewesen
       seien. „Die Realität ist, dass sein Leben in Gefahr war und er in Notwehr
       geschossen hat“, sagte Vizepräsident JD Vance.
       
       Die Gegenseite sieht im Video allerdings ein weiteres Indiz dafür, dass
       keine Gefahr für Ross oder anderen ICE-Agenten bestand und dieser Good
       somit kaltblütig ermordet habe.
       
       „Ich sehe eine Person, die versucht, zu entkommen. Ich sehe einen
       ICE-Agenten, der nicht von einem Auto überfahren wurde. Das ist nicht
       passiert“, sagte Minneapolis' Bürgermeister Jacob Frey. Er fügte hinzu,
       dass nur eine offizielle Untersuchung seine Meinung ändern könnte.
       
       Nur einen Tag nach den Schüssen in Minneapolis kam es in Portland, Oregon,
       zu einem weiteren Vorfall mit Einwanderungsermittlern der
       Grenzschutzbehörde CBP. Dabei wurden zwei Menschen angeschossen. Eine
       [4][Untersuchung der gemeinnützigen Redaktion <i>The Trace</i>], die sich
       auf Waffengewalt spezialisiert, zeigt, dass es seit Trumps Amtsantritt zu
       16 Fällen von Waffengebrauch bei Einwanderungs-Operationen gekommen sei.
       Vier Menschen wurden dabei getötet und sieben weitere verletzt.
       
       ## FBI beendet Kooperation
       
       Die unterschiedliche Auslegung des Sachverhalts könnte auch die
       Untersuchungen im Fall beeinflussen. Daher wird die Tatsache, dass die
       Bundespolizei FBI die Kooperation mit lokalen Behörden bei der Untersuchung
       eingestellt hat, von Amtsträgern in Minnesota kritisch gesehen.
       
       „Es erscheint mir sehr, sehr unwahrscheinlich, dass wir ein faires Ergebnis
       erhalten werden. Ich sage dies nur, weil die Menschen in Machtpositionen
       bereits ein Urteil gefällt haben“, sagte der demokratische Gouverneur Walz
       in Bezug auf die Position der Regierungsbehörden.
       
       Heimatschutzministerin Kristi Noem begründete die Entscheidung des FBI, die
       lokalen Behörden in Minnesota von den Untersuchungen auszuschließen, damit,
       dass diese im Fall keine rechtliche Befugnis hätten.
       
       Die lokalen Behörden in Minnesota wollen aber das Feld nicht komplett
       räumen und eine eigene Untersuchung starten. Mary Moriarty,
       Generalstaatsanwältin des Landkreises Hennepin County, in dem sich der
       tödliche ICE-Vorfall ereignete, rief die Bevölkerung daher dazu auf,
       Videos, Fotos und sämtliche anderen Informationen zum Geschehen an ihre
       Behörde zu senden.
       
       „Es fällt durchaus in unseren Zuständigkeitsbereich. […] Es spielt keine
       Rolle, dass es sich um einen Beamten einer Bundesbehörde handelte“, sagte
       Moriarty.
       
       11 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /ICE-Gewalt-in-Minnesota/!6143789
 (DIR) [2] https://x.com/GovTimWalz/status/2010038994621608243?s=20
 (DIR) [3] https://x.com/AlphaNews/status/2009679932289626385
 (DIR) [4] https://www.thetrace.org/2025/12/immigration-ice-shootings-guns-tracker/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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