# taz.de -- Vorfall durch Einwanderungsbehörde: Neues Video von tödlichem ICE-Einsatz aufgetaucht
       
       > Nach Schüssen eines ICE-Agenten auf eine Frau ist ein neues Video
       > aufgetaucht, das weitere Einblicke liefert. Für das Wochenende sind
       > landesweite Proteste geplant.
       
 (IMG) Bild: Protestierende in Portland am 9. Januar
       
       ## Landesweit Proteste am Wochenende geplant
       
       Nach den tödlichen Schüssen [1][eines Agenten der US-Einwanderungsbehörde
       ICE auf eine Frau] in Minneapolis sind an diesem Wochenende Hunderte
       Proteste im ganzen Land geplant. Menschen in Bundesstaaten wie Texas,
       Kansas, New Mexico, Ohio und Florida wollen auf die Straße gehen, wie
       Indivisible mitteilte, eine soziale Bewegung, die sich gegen die Regierung
       von US-Präsident Donald Trump formiert hat. Die Gruppe und ihre lokalen
       Ableger hatten im vergangenen Jahr Proteste in allen 50 Bundesstaaten
       organisiert. Ezra Levin, Co-Geschäftsführer von Indivisible, sagte, er
       erwarte, dass die Zahl der Proteste in dieser Woche 1.000 übertreffen
       werde.
       
       Am Mittwoch hatte ein ICE-Agent in Minneapolis eine 37-jährige dreifache
       Mutter erschossen, die nach Darstellung des US-Heimatschutzministeriums
       versucht haben soll, Beamte der Einwanderungsbehörde mit ihrem Wagen
       anzufahren. Die Regierung des Bundesstaates Minnesota bestreitet die
       Angaben.
       
       Der Vorfall habe nun auch Menschen getroffen, die zuvor nicht politisch
       aktiv waren, sagte Levin. In den vergangenen Tagen sei bei den Protesten
       auch ein Anstieg von Veteranen, Menschen aus ländlichen Regionen Amerikas
       und sogar einigen Wählern der Republikaner zu beobachten gewesen, die sich
       nun öffentlich äußerten. „Ich denke nicht, dass dies ein ideologischer
       Kampf ist. Das ist ein Kampf zwischen Menschen, die versuchen, die
       Verfassung durch aggressive, gewalttätige Verhaltensweisen zu zerstören,
       und normalen Alltags-Amerikanern, die nicht auf diese Weise behandelt
       werden wollen“, sagte er. (ap)
       
       ## Auch die Rechten kaufen offenbar nicht jede Lüge
       
       Nach dem tödlichen ICE-Vorfall versuchte die Trump-Administration, den
       Vorfall als „Notwehr“ herunterzuspielen, die erschossene Renee Good gar als
       „Terroristin“ hinzustellen. Dabei spricht einiges dafür, dass Trump und
       seine Gefolgsleute diese Schlacht in ihrem Propagandakrieg verlieren
       werden, [2][kommentiert taz-Redakteur Leon Holly].
       
       ## Neues Videomaterial aufgetaucht
       
       Von den tödlichen Schüssen eines Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE
       auf eine Frau in Minneapolis ist neues Videomaterial an die Öffentlichkeit
       gelangt. Das 47 Sekunden lange Video, das von der in Minnesota ansässigen
       konservativen Nachrichtenplattform „Alpha News“ online veröffentlicht und
       später vom Heimatschutzministerium in den sozialen Medien geteilt wurde,
       zeigt den Vorfall aus der Perspektive des ICE-Beamten, der die Schüsse
       abfeuerte.
       
       „Das ist in Ordnung, ich bin nicht böse auf dich“, sagt die Frau, während
       der ICE-Beamte an ihrer Tür vorbeigeht. Sie hat eine Hand am Lenkrad und
       die andere aus dem offenen Fenster der Fahrerseite gestreckt. Ihre Ehefrau
       steht auf der Beifahrerseite des SUVs und hält ebenfalls ihr Handy hoch:
       „Willst du uns angreifen? Willst du uns angreifen? Ich sage: Geh und hol
       dir erst mal Mittagessen, Großer.“
       
       Andere Beamte nähern sich gleichzeitig der Fahrerseite. Einer ruft: „Raus
       aus dem Auto, raus aus dem verdammten Auto.“ Die Frau fährt kurz rückwärts,
       dreht dann das Lenkrad zur Beifahrerseite und fährt weiter, während der
       Beamte das Feuer eröffnet.
       
       Die Kamera wackelt, zeigt den Himmel und kehrt zur Straßenansicht zurück,
       auf der das Fahrzeug davonrast. Ein Aufprallgeräusch ist zu hören, als das
       Auto gegen geparkte Fahrzeuge kracht. In der Aufnahme ist zu hören:
       „Fucking bitch“, was sich als „verdammte Schlampe“ übersetzen lässt.Das
       Video löst neue Kritik aus. Bereits zuvor hat der Tod der 37-jährigen
       dreifachen Mutter zu Protesten gegen die Einsätze der Behörde in der Stadt
       geführt. Nach Darstellung des US-Heimatschutzministeriums soll die Frau
       versucht haben, den Beamten mit ihrem Auto anzufahren.
       Heimatschutzministerin Kristi Noem, Präsident Trump und weitere
       Regierungsmitglieder bezeichneten das Vorgehen des Beamten als
       Selbstverteidigung und stellten die getötete Frau als Täterin dar. Sie habe
       ihr Fahrzeug als Waffe benutzt.
       
       Vizepräsident J. D. Vance und die Sprecherin des Heimatschutzministeriums,
       Tricia McLaughlin, erklärten auf X, dass das neue Video ihre Auffassung
       stütze, wonach der Beamte aus Notwehr gehandelt habe. „Vielen von euch
       wurde gesagt, dieser Beamte sei nicht von einem Auto getroffen worden,
       wurde nicht belästigt und habe eine unschuldige Frau ermordet“, teilte
       Vance mit. „Die Realität ist, dass sein Leben gefährdet war und er in
       Notwehr geschossen hat.“
       
       Lokalpolitiker wiesen die Darstellung entschieden zurück. Minneapolis'
       Bürgermeister Jacob Frey sagte, er habe das Video von dem Vorfall gesehen.
       Das Argument, wonach es sich um Notwehr gehandelt habe, sei „Bullshit“
       („Unsinn“), sagte er wörtlich. (ap)
       
       10 Jan 2026
       
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