# taz.de -- Kommentar von Leila van Rinsum zum EU-Handelsdeal mit Brasilien und Co: Das Mercosur-Abkommen ohne Parlament durchzudrücken, ist der falsche Weg
Kein Handelsabkommen wurde so oft totgesagt und wiederbelebt wie das
zwischen der EU und dem Mercosur. Kaum hatten die Kommissionschefin und die
Mercosurstaatschefs den Abschluss gefeiert, stimmte das Europaparlament mit
knapper Mehrheit dafür, [1][dass der Europäische Gerichtshof es überprüfen
soll].
Von der Bild bis zur Zeit herrscht Einigkeit: Europa brauche das Abkommen.
Donald Trumps Zolldrohungen und sein Anspruch auf Grönland verstärken den
Druck, europäische Geschlossenheit zu zeigen und den Handel mit anderen
Partnern voranzutreiben.
Doch die Weltlage ändert nichts am Kernproblem: Der Deal bevorzugt vor
allem Großkonzerne schädlicher Industrien und treibt den Export
problematischer Waren an. Gewinner sind Verbrenner, Pestizide, Futtersoja
und Rohstoffe; Verlierer sind lokale Märkte, Kleinbäuer*innen, Indigene
und der Regenwald. Auf Nachverhandlungen zum Klimaschutz folgten
[2][Nachverhandlungen zu Schlupflöchern].
Das Abkommen steht einer Vision von nachhaltigem Handel und vom Vorrang
sozialer und ökologischer Ziele gegenüber. Es sollte nicht dazu dienen, der
Logik des Stärkeren nachzugeben. Europa sollte sich für globale Regeln
einsetzen, zum Beispiel die USA nicht gehorsam von der globalen
Mindeststeuer entbinden oder mit den Schultern zucken, wenn Trump Schiffe
vor Venezuela abschießt. Auch der Vorschlag des Mercosurmitglieds Brasilien
für eine globale Überreichensteuer wäre eine nachhaltigere Antwort auf
Trump, der allein durch sein Amt 1,4 Milliarden US-Dollar in einem Jahr
eingesackt hat, wie die New York Times berechnete.
Bitter ist, dass europäische Linke und Grüne ihren Antrag mit Stimmen der
extremen Rechten und dem Narrativ der Agrarlobby durchgesetzt haben – deren
Ängste angesichts geringer zollfreier Einfuhren und versprochener
Schutzgelder übertrieben wirken. Doch auch die Kommission beschädigt die
Demokratie, indem sie den Deal durchdrückt. Peinlich ist nicht, dass Europa
keine Einigung zum Mercosur findet, sondern dass die EU-Kommission ein
Abkommen an Parlamenten vorbei durchdrückt.
Schon bei der Unterzeichnung war klar, wie wacklig die Mehrheit im
Europaparlament ist. Die Kommission hatte zuvor die nationalen Parlamente
umgangen, indem sie den Handelsteil abtrennte, der keine Zustimmung
benötigte. Ob die Zusätze zu sozialen und ökologischen Verpflichtungen dann
noch gelten, bleibt unklar. Nun droht Brüssel, den Vertrag ohne
Ratifizierung provisorisch anzuwenden.
Das Gutachten des Europäischen Gerichtshofs abwarten, ob der Deal mit
EU-Recht vereinbar ist? Geschenkt! Dauert ja auch mindestens mehrere
Monate. Angesichts der Weltlage hatte auch Brasilien bislang offenbar keine
Zeit, der [3][Aufforderung des UN-Menschenrechtsausschusses] nachzukommen
und den Deal zu überprüfen. Demokratische Prozesse dürfen aber nicht als
Ballast gesehen und eben mal so umgangen werden.
24 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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