# taz.de -- Missbrauchsfälle in Spanien: Wiedergutmachung für Missbrauchsopfer der Kirche
> In Spanien sollen Menschen, die von Geistlichen sexuell missbraucht
> wurden, nun entschädigt werden. Auch psychologische Wiedergutmachung ist
> möglich.
(IMG) Bild: Wenigstens das: Die Betroffenen von sexuellem Missbrauch durch Vertretern der katholischen Kirche sollen entschädigt werden
Die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche in Spanien werden
entschädigt. Darauf einigten sich die spanische Linksregierung unter dem
[1][Sozialisten Pedro Sánchez] und die Bischofskonferenz. Vertreter beider
Seiten unterzeichneten am Donnerstag einen entsprechenden Plan. Dies gilt
für Fälle, in denen ein Rechtsweg aufgrund der Verjährung oder des Todes
des Täters nicht mehr möglich ist.
Kirche und Staat folgen damit einer Empfehlung des spanischen Ombudsmanns
für Bürgerrechte, Ángel Gabilondo. Dieser wird die Anzeigen, die bei ihm
eingehen, prüfen und dann die endgültige Entscheidung treffen, ob die
[2][katholische Kirche] und Ordensgemeinschaften im konkreten Fall in
Rechenschaft gezogen werden oder nicht.
Die Kirche müsste die Opfer dann finanziell entschädigen. Der Betrag ist
von der Einkommensteuer befreit. Die Vereinbarung wurde von Justizminister
Félix Bolaños, dem Präsidenten der Spanischen Bischofskonferenz, Luis
Argüello, und dem Präsidenten der Spanischen Ordenskonferenz, Jesús Díaz
Sariego, unterzeichnet.
In einer Studie aus dem Jahr 2022 geht Ombudsmann Gabilondo davon aus, dass
[3][Spanien] die größte Missbrauchsquote durch Geistliche weltweit
aufweist. Eine groß angelegte Umfrage ergab, dass 1,13 Prozent der heutigen
Erwachsenen im religiösen Umfeld Missbrauch erfahren haben.
## Missbrauchsfälle seien „gerichtlich schwer aufzuarbeiten“
Die Kirche stelle sich mit der Unterzeichnung des Planes „einer
historischen und moralischen Schuld“ gegenüber den Missbrauchsopfern,
erklärte Bolaños bei der Unterzeichnung. Der Justizminister sprach von
„Hunderten von Missbrauchsopfern innerhalb der Kirche“, deren Fälle
aufgrund ihrer individuellen Merkmale „besonders schwer gerichtlich
aufzuarbeiten“ seien, da der Missbrauch in vielen Fällen Jahrzehnte
zurückliege und die Verjährungsfrist in den meisten Fällen abgelaufen sei.
Die Vereinbarung gilt erst einmal für ein Jahr, kann aber, falls nötig, um
weitere zwei Jahre verlängert werden. Jetzt ist es an den Opfern, das
Verfahren einzuleiten. Sie müssen sich an eine eigens im Justizministerium
eingerichtete Stelle wenden. Dort erhalten sie „unter Gewährleistung
umfassender Vertraulichkeit Unterstützung“ und Hilfe bei der Einreichung
ihres Antrags.
Diese Stelle legt dann einen Lösungsvorschlag vor und setzt die
Entschädigungssumme fest. Neben finanzieller Wiedergutmachung ist auch eine
psychologische Wiedergutmachung vorgesehen. Sie sieht eine kostenlose
Behandlung der Opfer – und wenn nötig ihrer Angehörigen – durch Fachkräfte
vor.
Der unterzeichnete Plan bietet all denjenigen eine Möglichkeit auf
Entschädigung, die sich nicht an eine kircheninterne Kommission (Priva)
wenden wollen. Bei dieser gingen 89 Anträge auf Entschädigung ein – 32
davon sind Missbrauchsfälle in unterschiedlichen Diözesen und 57 richten
sich an Ordensgemeinschaften. Insgesamt wurden von der Kirche selbst bisher
39 Opfer anerkannt, die bis zu 100.000 Euro finanzielle Wiedergutmachung
erhielten.
9 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rechter-Sieg-bei-Spaniens-Regionalwahlen/!6140758
(DIR) [2] /Verletzung-religioeser-Werte-in-Spanien/!5937956
(DIR) [3] /Monarchie-in-Spanien/!6135325
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
## TAGS
(DIR) Spanien
(DIR) Kirche
(DIR) Missbrauch
(DIR) sexueller Missbrauch
(DIR) Wiedergutmachung
(DIR) Kindesmissbrauch
(DIR) sexueller Missbrauch
(DIR) Gemeinschaft
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Studie im Bistum Passau: Priester haben 672 Kinder und Jugendliche missbraucht
Die Universität Passau hat Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum erforscht
und 154 Beschuldigte ermittelt. Nun ist die Studie öffentlich.
(DIR) Kommission zu sexualisierter Gewalt: Katholische Kirche mauert bei der Aufarbeitung
Die Bistümer Hildesheim, Osnabrück und Hamburg geben Daten zu sexuellen
Übergriffen nicht heraus. Das ist das zentrale Problem für die Aufklärer.
(DIR) Ordensgemeinschaft in Frankreich: Totgeschwiegene sexuelle Gewalt
Opfer sexualisierter Gewalt einer internationalen
ökumenischen Gemeinschaft kritisieren das Gedenken an deren
ermordeten Gründer als Farce.