# taz.de -- Sehr zähe Fortschritte
       
       > Im Frauenfußball wird es trotz Boom Müttern nicht gerade leicht gemacht
       
       Fußballerinnen, die während ihrer Profikarriere schwanger wurden, bleiben
       auch im umsatzstärksten deutschen Frauensport eine besondere Spezies.
       Statistiken dazu werden nicht geführt. Aber mehr als eine Hand braucht es
       nicht, um die bekannten Namen aufzuzählen.
       
       Die einstige Nationaltorhüterin Almuth Schult, die drei Kinder während
       ihrer aktiven Zeit zur Welt brachte, ist gewiss die Prominenteste, auch
       weil sie sich bis heute für bessere Bedingungen starkmacht. Sie
       thematisierte deutlich die Probleme, mit denen sie als Mutter in der
       Bundesliga konfrontiert war. Und sie berichtete davon, wie viel einfacher
       es ihr in den USA gemacht wurde, nachdem sie in Europa keine Angebote mehr
       erhielt.
       
       Vorschriften der National Women’s Soccer League sorgen für ein hohes Maß
       an Absicherung für Mütter. Kinderbetreuung und zusätzliche Reisekosten
       müssen selbstverständlich von den Vereinen bezahlt werden. Der Deutsche
       Fußball-Bund übernahm im Dezember 2024 zumindest die im Vergleich zur NWSL
       etwas bescheideneren Fifa-Standards zum Mutterschutz in seinen Statuten
       auf. 14 Wochen Mutterschutz sind dort unter anderem für die
       Profifußballerinnen garantiert.
       
       Für die Wiedereingliederung in den Profikader gibt es jedoch keine
       Vorschriften. Die Fußballerinnen sind auf das Entgegenkommen ihrer Vereine
       angewiesen. Wer Glück hat, ist bei einem fortschrittlichen Arbeitgeber
       angestellt. Die TSG Hoffenheim beispielsweise führte als erste deutscher
       Verein im Mai 2025 die Regelung ein, dass die Fußballerinnen bei einer
       Schwangerschaft ihren Vertrag einseitig bei gleichbleibenden Konditionen um
       ein Jahr verlängern können. Noch ist in der Liga kein Verein diesem
       Beispiel gefolgt. Schult fordert mehr verbindliche ligaweite Regeln in
       diese Richtung und führt die schleppende Entwicklung unter anderem darauf
       zurück, dass es an einer Gewerkschaft, einer Interessenvertretung der
       Spielerinnen, fehlt.
       
       Fußballerinnen, die nach einer Schwangerschaft zurückkehren, sind nach wie
       vor alles andere als selbstverständlich. Als Melanie Leupholz bei der WM
       2023 in Australien zum Einsatz kam und ihrem acht Monate alten Sohn samt
       einer vom DFB bezahlten Nanny dabei hatte, stand Letzteres mehr als alles
       andere im Fokus der Berichterstattung.
       
       Tabea Sellner (ehemals Wasmuth), eine andere deutsche Nationalspielerin,
       feierte nach ihrer Schwangerschaft im September 2024 ein furioses Comeback
       beim VfL Wolfsburg mit einem Treffer nach ihrer Einwechslung. Am Saisonende
       beendete sie allerdings im Alter von nur 28 Jahren ihre Karriere. Sie
       begründete ihre Entscheidung mit „einem Bauchgefühl“ und kündigte an, ins
       „normale Berufsleben“ einsteigen zu wollen. Und in einem Interview auf der
       Vereinswebsite erklärte sie: „Ich hoffe sehr, dass sich die Bedingungen im
       deutschen Frauenfußball in dieser Hinsicht noch weiter verbessern und mehr
       Verantwortliche sehen, dass die Rückkehr auf den Platz möglich ist.“
       Johannes Kopp
       
       10 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA