# taz.de -- Wieder Spannung in der Hauptstadt
       
       > Seit Mittwochvormittag fließt der Strom in Berlin wieder – einen Tag
       > früher als angekündigt. Doch wer wirklich für den Brandanschlag
       > verantwortlich ist, bleibt unklar. Inzwischen kursieren drei
       > widersprüchliche Bekennerschreiben einer „Vulkangruppe“
       
 (IMG) Bild: Die Brandstelle: eine Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal
       
       Von Konrad Litschko
       
       Nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall nach einem Brandanschlag im
       Berliner Südwesten ist die Stromversorgung am Mittwoch wieder hergestellt.
       Seit 14.10 Uhr gebe es wieder eine Vollversorgung, sagte die für Energie
       zuständige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Nachmittag in
       Berlin. Am Vormittag lief die Versorgung zunächst schrittweise an,
       Zehntausende Haushalte waren zuvor seit Samstag ohne Strom gewesen.
       Ursprünglich wurde damit gerechnet, dass die Reparaturen noch bis
       Donnerstag andauern würden. 
       
       Die Frage nach der Verantwortung für den Brandanschlag wird derweil
       verworrener. Mittlerweile kursieren drei sich zum Teil widersprechende
       Schreiben einer „Vulkangruppe“. Die Absender:innen hatten sich zunächst
       am Samstag gegenüber vier Medien, darunter der taz, zu dem Brandanschlag
       bekannt – tags darauf auch über die linke Onlineplattform Indymedia. Am
       Dienstagabend wurde ein weiteres Schreiben einer „Vulkangruppe“
       veröffentlicht als „Richtigstellung“, nachdem über eine Russland-Sabotage
       spekuliert worden war. In einem dritten, in der Folgenacht publizierten
       Schreiben, behaupten die Autor:innen nun, sie seien die ursprüngliche
       „Vulkangruppe“ und hätten mit den Anschlägen der vergangenen Jahre nichts
       zu tun.
       
       Im zweiten Schreiben vom Dienstagabend weisen die mutmaßlichen Verursacher
       zurück, dass die Tat eine „False-Flag-Aktion“ eines ausländischen Akteurs
       war. Wegen der teils sperrigen Satzkonstruktionen des ersten
       Bekennerschreibens und fehlerhafter Namensschreibweisen war spekuliert
       worden, ob das Pamphlet ursprünglich auf Russisch verfasst und der Anschlag
       eine getarnte russische Sabotage und Teil des hybriden Kriegs des Kremls
       gewesen sein könnte.
       
       Man melde sich erneut zu Wort, da vieles aus der ersten Erklärung „bewusst
       missverstanden oder verzerrt wurde“, heißt es in der neuen Stellungnahme.
       „Kursierende Unterstellungen“, dass der Anschlag die Tat eines
       ausländischen Staates war, die dieser nur als linksextrem vorgab, weise man
       klar zurück. „Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die
       eigene Ohnmacht zu kaschieren“, heißt es im Schreiben. „Dass Menschen hier
       vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins
       Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden.“ Also werde ein äußerer Feind
       konstruiert, so heißt es weiter. „Das ist bequem, entlastet und verschiebt
       die Debatte.“
       
       Die Autor*innen betonen, ihre Motive seien „weder geheim noch neu“. Sie
       gründeten auf der jahrelangen Erfahrung „mit leerem Klimadiskurs,
       symbolischer Politik und einer Energieversorgung, die auf Zerstörung
       basiert“. Und weiter: „Wer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage
       müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der
       Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren.“
       
       Zudem verteidigen die Autor*innen den Anschlag. Die Aktion habe sich
       nicht gegen Menschen gerichtet, sondern „gegen eine Infrastruktur, die
       tagtäglich Menschen, Umwelt und Zukunft zerstört“, schreiben sie. Man sehe
       zwar die Belastung „insbesondere für Alte, Kranke, Kinder“ durch den
       Stromausfall. Dies sei aber das Resultat einer profitorientierten
       Zentralisierung der kritischen Infrastruktur. „Wir werden uns nicht von
       moralischer Empörung beeindrucken lassen, die nur dann laut wird, wenn
       Eigentum betroffen ist.“
       
       Ob der Text tatsächlich von der „Vulkangruppe“ stammt, lässt sich nicht
       final überprüfen – zumal am Mittwochmorgen auf Indymedia ein weiteres
       Schreiben einer angeblichen „Vulkan“-Ursprungsgruppe auftauchte, die sich
       von der Aktion distanzierte. Man sei die Gruppe von 2011 gewesen, heißt es
       in dem Schreiben. Auch ob das stimmt, lässt sich nicht sicher sagen. Im
       Jahr 2011 aber gab es tatsächlich den ersten Brandanschlag in Berlin auf
       einen Kabelschacht am Bahnhof Ostkreuz, zu dem sich eine Gruppe namens „Das
       Grollen des Eyjafjallajökull“ bekannte, nach einem zuvor ausgebrochenen
       isländischen Vulkan. Danach war es in und um Berlin zu knapp einem Dutzend
       weiterer Brandanschläge gekommen, zu denen sich „Vulkangruppen“ bekannten.
       
       In dem aktuellen Schreiben der vermeintlichen Ursprungsgruppe heißt es
       jetzt, 2011 seien die Ziele „Bundeswehreinsätze, deutsche Kriegsbeteiligung
       und Waffenexporte“ gewesen. „Infrastruktur war für uns kein Selbstzweck und
       kein Spielfeld, sondern Symbol und Träger militärischer Gewalt nach außen.“
       Nun aber werde der Gruppenname „in einen Zusammenhang gestellt, den wir
       nicht tragen“. Es werde eine Gruppenkontinuität behauptet, die es nicht
       gebe. „Die Texte und Aktionen der letzten Jahre stammen nicht von uns. Sie
       widersprechen dem, wofür wir standen und warum wir überhaupt gehandelt
       haben.“
       
       Der ursprüngliche Ansatz sei defensiv angelegt gewesen, behaupten die
       Autor*innen. „Wir wollten Unterbrechung, nicht Eskalation. Störung von
       Normalität, nicht ihre Zerstörung.“ Mit dem Angriff Russlands auf die
       Ukraine habe sich der Kontext aber „grundlegend verschoben“. Ab da wurde
       jede Sabotage zu einer „allgemeinen Destabilisierung“ und zu einer Aktion,
       „die leicht und falsch instrumentalisiert werden“ könne. Deshalb habe man
       von diesen Aktionen „Abstand genommen“, aus Verantwortung. „Weil wir nicht
       Teil einer Dynamik sein wollten, in der Kritik an Militarismus mit der
       faktischen Schwächung von Gesellschaften zusammenfällt.“
       
       Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu dem Brandanschlag
       übernommen – wegen des Verdachts der Mitgliedschaft einer terroristischen
       Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der
       Störung öffentlicher Betriebe. Zu den beiden neuen
       „Vulkangruppen“-Schreiben erklärte eine Sprecherin auf taz-Anfrage nur,
       deren Authentizität werde noch geprüft. Ansonsten liefen die Ermittlungen.
       
       Die Berliner Polizei hatte zuvor das ursprüngliche Bekennerschreiben der
       „Vulkangruppe“ für authentisch erklärt. Der Berliner Verfassungsschutz
       hatte schon bei acht früheren Bekennerschreiben der Gruppe Ähnlichkeiten in
       Aufbau und Stil gesehen – und geht deshalb von einem zumindest
       „(teil-)identischen Autorenkreis“ der „Vulkangruppe“ aus. Andere
       Sicherheitsbehörden wollten die Russlandspur zunächst nicht völlig
       ausschließen, sahen aber auch keine konkreten Hinweise dafür. Auch eine
       Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte am Mittwoch, man habe keine
       Erkenntnisse zu einer Beteiligung Russlands.
       
       Um die Tatverdächtigen zu finden, werten Ermittler derzeit Spuren am
       Tatort, Zeug*innenaussagen und Hunderte Stunden Videomaterial aus,
       unter anderem aus U-Bahnen. Die Bundesanwaltschaft hatte bereits bei dem
       früheren Anschlag der „Vulkangruppe“ im Frühjahr 2024 auf die Stromzufuhr
       zum Tesla-Werk im Brandenburger Grünheide die Ermittlungen übernommen.
       Tatverdächtige aber konnten nicht ermittelt werden – wie bisher bei keinem
       der „Vulkangruppen“-Anschläge.
       
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       8 Jan 2026
       
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