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       > Die Kirche St. Elisabeth in Berlin-Mitte dient heute als Filmkulisse,
       > Kongressraum und Konzertsaal. Das Konzept gelingt sogar ohne öffentliche
       > Gelder
       
 (IMG) Bild: Auch Ausstellungen finden in St. Elisabeth statt, hier eine Installation des Konzeptkünstlers Tim Otto Roth
       
       Lange Zeit stand dort, wo Isabel Schubert nun schnellen Schrittes die
       Treppe hinaufgeht und durch einen Säulengang schreitet, eine komplett
       zugewucherte Kirchenruine. Eine einigermaßen berühmte sogar. Karl Friedrich
       Schinkel errichtete hier in der Berliner Invalidenstraße zwischen 1832 und
       1835 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. die Kirche
       St. Elisabeth. Damals befand sich hier nicht Berlin-Mitte, sondern die
       Rosenthaler Vorstadt, „ein armes Arbeiterviertel am Rande Berlins, in dem
       die Menschen meist in prekären Verhältnissen lebten“, wie Isabel Schubert
       erklärt. „Der König wollte die ärmeren Stadtviertel aufwerten und hat ‚zur
       moralischen Erhebung der Verhältnisse‘ – wie er es nannte – vier Kirchen in
       den Vorstädten errichten lassen.“ Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Elisabeth
       dann zerstört, bis in die neunziger Jahre rottete die Ruine vor sich hin –
       ehe eine Kulturkirche an diesem Ort entstand.
       
       Isabel Schubert ist Kulturmanagerin und arbeitet seit 2006 für das Kultur
       Büro Elisabeth (KBE), das aus der einstigen Kirche den heutigen
       Veranstaltungsort gemacht hat. Schubert hat das Projekt fast von Beginn an
       begleitet, ist heute dessen künstlerische Leiterin. Die 50-Jährige führt
       nun hinein ins Innere der Kirche mit ihrer prächtigen hohen Decke und der
       runden Apsis, dem ehemaligen Altarraum, der heute oft als Bühne dient. Im
       Jahr 1990 fing man an, die Kirchenruine Stück für Stück wiederherzustellen,
       im Jahr 2003 begann die kontinuierliche Nutzung für Kulturveranstaltungen.
       Der vor einigen Jahren verstorbene Architekt Klaus Block, der viele
       Kirchensanierungen und -umbauten in Berlin begleitet hat, ließ unter
       anderem die Fassade und das Dach erneuern; seine Pläne werden bis heute
       realisiert. Aktuell werden zwei Seitenemporen, die Teil der
       Dachkonstruktion sind, ausfahrbar gemacht, sodass sie als weitere
       Bühnenfläche genutzt werden können.
       
       Die ständige Erweiterung ist Konzept beim Kultur Büro Elisabeth. Gleich
       mehrere kirchliche Orte – darunter die angrenzende Villa Elisabeth, die
       Sophienkirche und die Zionskirche – bespielt die Initiative. Die meisten
       Veranstaltungen finden allerdings in den beiden „Haupthäusern“, St.
       Elisabeth und der Villa Elisabeth, statt. Zwölf Mitarbeiter stemmen um die
       hundert Veranstaltungen im Jahr, davon etwa 50 im kuratierten
       Konzertprogramm. Das Festival Tanz im August ist zum Beispiel jährlicher
       Gast, Orchester, Chöre und Ensembles der Freien Szene Berlins geben
       Konzerte. All das gelingt dem KBE-Team ohne dauerhafte öffentliche
       Förderung; refinanziert werden die Kulturveranstaltungen unter anderem
       durch Vermietung an Firmen, für Filmdrehs, Werbeevents oder Kongresse.
       
       Schubert legt Wert darauf, dass das Kultur Büro Elisabeth den religiösen
       Hintergrund der Gebäude mitdenkt. „Bei der Kuration achte ich darauf, dass
       die Veranstaltungen mit der Würde des Ortes zusammenpassen“, sagt sie.
       „Wenn die Kirche etwa nur als Kulisse zur Provokation dienen soll, lehnen
       wir Projekte eher ab. Dafür entwickelt man mit der Zeit ein Gespür.“
       
       Die Architektur des Gebäudes wirkt dabei fast überwältigend, man blickt zur
       über 13 Meter hohen Decke auf, die alten Klinkersteine der Seitenwände
       gehen über in das moderne Glasdach, das den Raum mit Licht durchflutet. Der
       Besucherraum hat 315 Quadratmeter, ohne jegliche Bänke darin kommt er einem
       sehr weit vor. Rechts und links neben dem einstigen Altarraum an der Front
       ragen die ehemaligen Sakristeien wie Türme auf. Der alte Schinkel scheint
       hier mit dem neuen Block organisch zusammengewachsen zu sein.
       
       „Man spürt, dass von Kirchengebäuden eine ungeheure Kraft ausgehen kann“,
       sagt Schubert, während sie weiter durch den Raum streift. „Einzig auf die
       praktische Nutzung zu setzen und den spirituellen Charakter außen vor zu
       lassen, funktioniert daher nicht. Man muss alle Aspekte zusammendenken.“
       Für sie bedeutet das auch, die Geschichte dieses Ortes mitzuerzählen. In
       der NS-Zeit sei dies eine sehr braune Kirchengemeinde gewesen, dominiert
       von den Deutschen Christen. Schubert hat auf dem Außengelände zu dieser
       Epoche einen Info-Point errichtet; auch auf der Website kann man die
       NS-Geschichte der Kirche nachlesen.
       
       Die Arbeit des Kultur Büros Elisabeth lässt sich mit den Worten Karl
       Schefflers zum Zustand Berlins Anfang des 20. Jahrhunderts treffend
       beschreiben: „verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein“. Es wurden
       weiter neue Orte erschlossen, vor drei Jahren hat das KBE das Friedhofscafé
       Lisbeth eröffnet, einen Begegnungs- und Kulturort, der insbesondere den
       Themen Abschied, Übergang und Trauer Raum gibt. Und in Zukunft sollen die
       Haupthäuser mit einer Geothermie-Anlage ausgestattet werden und endlich
       eine vernünftige Heizung bekommen. Nachhaltigkeit ist dabei ein Stichwort,
       das Isabel Schubert wichtig ist, das sie aber auch in dem Sinne definiert,
       „wie etwas nachwirkt“. Sie sagt: „Wenn man in so einem Raum ein tolles,
       schönes Erlebnis hatte, dann kann man das auch als nachhaltig bezeichnen.“
       Dass diese Kathedrale in Berlin-Mitte für solche Erfahrungen wie geschaffen
       ist, weiß jeder, der sie mal besucht hat. Jens Uthoff
       
       10 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jens Uthoff
       
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