# taz.de -- Serie „Take the Money and Run“: Glitzerkleid und Finanzbetrug
> Die ZDFneo-Serie „Take the Money and Run“ erzählt den realen Fall einer
> der größten Finanzbetrügerinnen aller Zeiten: Dr. Ruja Ignatova.
(IMG) Bild: Ruja Ignatova (Nilam Farooq, l.) lässt sich von einer Maklerin (Chiara Tomei) ihre neue Yacht zeigen
Jetzt reich werden oder es für immer bereuen – das verspricht Nilam Farooq
in ihrer Rolle als Dr. Ruja Ignatova in Glitzerkleid und mit wallendem Haar
in der ZDFneo-Serie „Take the Money and Run“ ihrem Publikum. Das
Versprechen ist so verlockend, dass in den Jahren 2014 bis 2017 3,5
Millionen Menschen weltweit ihr Geld in die von Ignatova gegründete
[1][Fake-Kryptowährung OneCoin], die sich als Finanzbetrug mit
Schneeballsystem herausstellte, investierten.
Die [2][seit 2017 verschwundene Ignatova] ist eine der zehn meistgesuchten
Personen des FBI und eine gebürtig aus Bulgarien stammende Deutsche, die
mit einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung in Koblenz
Rechtswissenschaft studierte. Dokumentarisch wurde sie vielfach beleuchtet,
nun zeigt ZDFneo das Vorgehen der Betrügerin in semifiktionaler Weise.
Die Entscheidung, Ignatova selbst aus dem Off die Erzählstimme zu
überlassen und sich so in spekulativer Weise ihrer Gefühlswelt zu nähern,
ist mutig und funktioniert mal besser, mal schlechter; Sätze wie „Ihr nennt
es Betrug, ich nenne es Freiheit“ vernebeln das Innenleben einer der
größten Finanzbetrügerinnen aller Zeiten mitunter zu einem seichten
Selbsthilfetagebucheintrag.
Die Serie erzählt vorwiegend chronologisch vom schnellen Aufstieg und der
Verkaufsmasche [3][der angeblichen Kryptowährung] bis zur internationalen
Fahndung durch Europol und das Abtauchen Ignatovas. Unnötige Längen und
Wiederholungen hätten deutlich gestrafft werden müssen.
Rückblenden in die Kindheit zeichnen außerdem eine überdeutliche
Psychologisierung der Hauptfigur: einen, so suggeriert es die Serie,
linearen Zusammenhang zwischen der Migrationserfahrung Ignatovas und einer
Mutter, die ihr stets das Mantra „Nimm dir, was du kriegen kannst“
einbläut, und der Geldgier der erwachsenen Betrügerin – hier hätte der
Zuschauerschaft zugetraut werden können, das weibliche Böse auch ohne
traurige Kindheit aushalten zu können.
Die Serie unter der Regie von Christiane Balthasar und Florian Schott ist
dann wirklich stark, wenn sie die Perspektive der Opfer des Betrugs zeigt:
die Augen der Menschen, die ihr Erspartes im Vertrauen in die
Heilsbringerin Ignatova in OneCoin investiert haben und fassungslos auf ihr
Handy starren, als der Betrug auffliegt.
Dass OneCoin taktisch bis heute mit leicht abgeändertem Image die ärmsten
Regionen der Welt anwirbt und gezielt Menschen ohne Finanzwissen anspricht,
benennt die Serie sprachlich durchaus. Die hauptsächliche Konzentration auf
der Perspektive Ignatovas produziert aber eine Bildsprache, die anderes
erzählt. Besonders deutlich wird das an der rein fiktiven Schlussszene:
Ignatova – nun umoperiert – serviert ihrer Tochter unerkannt als Kellnerin
Essen und sagt, sie solle eine genauso starke Frau werden wie ihre Mutter,
die letzte Kameraperspektive zeigt ihre traurigen Augen.
Ignatovas Narrativ wird unkorrigiert ins Zentrum des letzten Bildes
gerückt, die Bildsprache legt Empathie mit ihr nahe. Von den biografischen
Katastrophen der um ihr Geld Betrogenen bleibt am Ende wenig im Gedächtnis
– ein Perspektivfehler, den die Serie hätte vermeiden müssen.
5 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marie-Sofia Trautmann
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