# taz.de -- Garnisonkirche in Potsdam: Klamme Kirchenstiftung, große Pläne
> Auf den umstrittenen Turm der Garnisonkirche wollen nicht genug Besucher
> klettern. Die Betreiber fordern nun noch mehr Steuergeld.
(IMG) Bild: Ungewollt und unprofitabel: Proteste gegen den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisionskriche 2024
Ob man daran glaubt oder nicht, die Bibel hält für so einige Situationen
Gleichnisse bereit. „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er
sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze
Vorhaben ausreichen?“, heißt es beispielsweise im Lukasevangelium Kapitel
14. Auch aus kaufmännischer Sicht erscheint das vernünftig.
[1][In Potsdam ist in den vergangenen Jahren der Turm der Garnisonkirche
nachgebaut worden]. Ganz fertig ist man noch nicht. Es fehlt noch die
Turmspitze. Doch ein gutes Jahr nach der Eröffnung des Baus tut sich ein
finanzielles Problem auf: Die Einnahmen aus dem Betrieb reichen nicht, um
einen Kredit der Evangelischen Kirche zurückzuzahlen.
Eigentlich hatten die Bauherren gehofft, dass die Aussichtsplattform in 57
Metern Höhe zum Publikumsmagneten wird. 12 Euro werden ohne Ermäßigung
fällig. Dafür steigt man nicht nur dem Himmel entgegen, sondern auch an den
Ziegeln mit den Namen der Spender vorbei – Angela Merkel zum Beispiel.
Doch am Eingang bilden sich keine Schlangen. Seit der Eröffnung des Turms
Ende August 2024 habe man nur knapp mehr als 45.000 Besucher gezählt, in
diesem Jahr bisher knapp 30.000, räumte Vorstand Peter Leinemann im
November laut Potsdamer Neuesten Nachrichten ein. Erwartet habe man für
2025 aber 60.000 Gäste. Vor dem Baustart hatte ein Stiftungssprecher sogar
mal eine noch höhere Zahl als Ziel genannt.
## Der Hitler-Hindenburg-Händedruck
Da die Tickets die Haupteinnahmequelle sind, dürfte das mangelnde
öffentliche Interesse am Turmbesuch der Hauptgrund für die anhaltenden
Finanzprobleme der Stiftung Garnisonskirche sein. Kritiker sehen sich
bestätigt. In einer Mitteilung des Alternativ-Lernorts Garnisonkirche hieß
es, die Stiftung sei faktisch pleite. Schon vor drei Jahren habe man vor
einem dauerhaften Defizit von über einer halben Million Euro im Jahr für
die Stiftung durch den Betrieb des Turms gewarnt.
Das Original der preußischen Militärkirche, vor dem sich Hitler und
Hindenburg anlässlich der Reichstagseröffnung 1933 die Hände schüttelten,
ist bei einem alliierten Bombenangriff im April 1945 zerstört worden.
[2][Die Reste des Turms ließ die SED 1968 sprengen.] Der Wiederaufbau ist
in der Stadt ein polarisierendes Thema – wegen der Geschichte des Baus,
aber auch, weil der Turm ein weithin sichtbares Zeichen der
Rebarockisierung der Innenstadt darstellt.
Bereits im Frühjahr war bekannt geworden, dass die Stiftung ihre
Kirchenkredite erst zu einem späteren Zeitpunkt bezahlen und zugleich von
der Landeskirche dauerhaft gefördert werden möchte. Wie die Evangelische
Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) mitteilte, zahle
die Stiftung ein Darlehen der Landeskirche von 3,25 Millionen Euro nicht
fristgerecht zurück. Auf Bitten der Stiftung habe die Landeskirche die
Rückzahlung bis Ende April 2025 gestundet. Die Kreditzusage war vor rund
zehn Jahren gemeinsam mit den gesammelten Spenden eine wichtige
Voraussetzung, um Fördermittel einwerben zu können.
Dabei war die Stiftung dann sehr erfolgreich. Der Garnisonkirchturm wird
seit 2017 gebaut. Mehr als die Hälfte der deutlich über 40 Millionen Euro
liegenden Baukosten werden vom Bund finanziert. Die Förderung eines
Sakralbaus aus Mitteln der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters
(CDU) ist in Deutschland einzigartig.
## Die Stiftung will mehr Geld
Nun fleht die Stiftung nach weiteren öffentlichen Geldern. Dem Vernehmen
nach soll es um 300.000 bis 500.000 Euro jährlich gehen. Erneut soll der
Kulturstaatsminister die Schleusen öffnen – inzwischen bekleidet dieses Amt
Wolfram Weimer, der auch mal längere Zeit in Potsdam gelebt hat. In der
Stiftung hofft man auf eine Grundfinanzierung, die Stadt, Land und Bund
gemeinsam bereitstellen.
Bei der Landeskirche selbst hatte die Stiftung zuvor einen Korb bekommen.
Der Garnisonkirchenstiftung sei mit „klarer Deutlichkeit“ gesagt worden,
dass die in diesem Jahr gewährten Mittel von bis zu 950.000 Euro aus dem
kirchlichen Krisenfonds die letzte Zuwendung sein müssten, hatte Bischof
Christian Stäblein bei der Herbsttagung der Landessynode in Berlin gesagt.
Erforderlich seien ein Betriebskonzept für den 2024 eröffneten Turm, das
sich selbst finanziere – oder eine „Exitstrategie“. Stäblein selbst sitzt
qua Amt im Kuratorium der Stiftung.
Aus der Stadtkasse dürfte auch nichts zu holen sein. Über die Jahre gab es
mehrere Stadtverordnetenbeschlüsse gegen eine finanzielle Beteiligung und
im Jahr 2013 sogar ein erfolgreiches Bürgerbegehren. Zudem steht die Stadt
nach einigen fetten Jahren derzeit vor einer [3][Haushaltskrise und muss
einen zweistelligen Millionenbeitrag einsparen.] Kämmerer Burkhard Exner
(SPD) hat eine Förderung des Garnisonkirchturms schon mal ausgeschlossen.
Ganz fertig ist der Turm ohnehin nicht. Seit dem Sommer wird an der
Turmhaube gearbeitet. Im Jahr 2026 soll sie neben dem Turm zusammengesetzt
werden und anschließend mit einem Kran auf den Turmstumpf gehoben werden.
Das Geld dafür kommt laut Stiftung aus zweckgebundenen Bundes- und
Spendengeldern.
## Hoffnung für das benachbarte Kreativhaus
Die Puristen des Wiederaufbaus hatten bereits im Sommer eine schlechte
Nachricht erhalten. Für ein mögliches Kirchenschiff wird die Stiftung
Garnisonkirche nämlich kein Geld vom Bund erhalten. Das ging aus der
Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Potsdamer
Bundestagsabgeordneten Isabelle Vandre (Linke) hervor. „Die Bereitstellung
weiterer Bundesmittel, insbesondere für den Bau eines Kirchenschiffs, ist
nicht vorgesehen“, hieß es darin.
Letzteres verschafft auch den Fürsprecher:innen für einen Erhalt des
benachbarten Kreativhauses Luft. In das ehemalige Verwaltungsgebäude eines
Rechenzentrums aus den 1970er-Jahren waren 2015 mehr als 200 Künstler und
Kreative eingezogen. Sie haben dort ihre Arbeitsräume, es finden auch
Veranstaltungen statt. Eigentlich handelte es sich um ein Provisorium, mit
dem der Mangel an geeigneten Räumen überbrückt werden sollte. Doch der Bau
steht zum Teil auf einem Grundstück der Wiederaufbaustiftung und sollte
eigentlich für den Wiederaufbau des Kirchenschiffs weichen.
Nun forciert die Stadtpolitik jedoch den Erhalt. Nach Beschluss der
Stadtverordneten soll der Bebauungsplan für das Areal geändert werden.
Während der gültige Plan bislang den vollständigen Abriss des
Rechenzentrums vorsieht, soll jetzt ein teilweiser Erhalt möglich werden.
Angestrebt wird ein Sonderbau für eine kulturelle, soziokreative und
gemeinnützige Nutzung.
Anschließend müssten noch die Sanierungsziele geändert werden, denn der
Standort befindet sich in einem Sanierungsgebiet. Allerdings gibt es ein
paar Bedingungen. Eine davon ist, dass die Wiederaufbaustimmung der
Weiternutzung ihres Grundstücks zustimmen müsste. Der Ausgang ist bisher
offen. Eine andere Bedingung ist ein Konzept für die Sanierung des
Kreativhauses und die nötige Finanzierung. Denn jahrelang hatte der
städtische Sanierungsträger in Erwartung des Abrisses kaum in das Haus
investiert.
Im Sommer hatten die Nutzer ihr Konzept vorgelegt. Es sieht eine
schrittweise Modernisierung vor, die teilweise aus höheren Mieten und
teilweise durch eigene Arbeitsleistung getragen werden soll. Ein von der
Stadt beauftragtes Gutachten hatte zuletzt keine ausreichende finanzielle
Basis attestiert. Im neuen Jahr sollen die Stadtverordneten erneut beraten.
29 Dec 2025
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