# taz.de -- herzensort: Ganz außen am Meer
Nördlich von Kiel ragt ein Zipfel Land in die Ostsee. Der grün-weiße Bülker
Leuchtturm steht dort, neben dem Klärwerk, aber das riecht man nur bei
Westwind. Silberpappeln säumen den Weg, der bis zur Spitze führt, vorbei an
der Mole mit den Anglern. Vorne weitet sich der Blick, raus aus der Kieler
Förde, hinaus aufs offene Meer.
Wir waren oft dort mit den Eltern. An sonnigen Tagen mit Ostwind, wenn das
Wasser so herrlich gegen die Steine und auf den Strand kracht.
Austernfischer gibt es, und Möwen mit ihrem Geschrei.
An ruhigen Abenden, wenn sich der Himmel in Pastelltönen färbt, die auf
jeder Postkarte kitschig aussehen, in echt aber wunderschön. Gerne auch bei
Sturm. Dann brechen die Wellen bis über die Straße, die zum Parkplatz
führt. Beim Laufen kann man sich schräg in den Wind legen, er zerrt und
rüttelt an einem herum. Selbst zurück im Auto ist seine Kraft noch zu
spüren. Es tut gut, sich durchpusten zu lassen, ganz außen am Meer.
Inzwischen sind die Eltern gestorben. In ihrem Haus leben andere. Wir
wollen trotzdem wiederkommen. Antje Lang-Lendorff
10 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Antje Lang-Lendorff
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