# taz.de -- Hoch die Tassen
       
       > Stammtische sind keine Möbelstücke, sondern gesellschaftliche Rituale.
       > Eine Bildwelt auf der Suche nach den Abwesenden
       
       Fotos Volker SchrankText Jan-Paul Koopmann
       
       Den besten Ruf hat er nun nicht, der Stammtisch. Zumindest meint es selten
       freundlich, wer von „Stammtischgerede“ spricht. Man meint damit: laut,
       unterkomplex und tendenziell rechts. Auch wenn man natürlich irgendwie
       weiß, dass alle möglichen Gruppen und Menschen solche Rituale pflegen.
       
       In der Stammtisch-Serie von Fotograf Volker Schrank kommen die Menschen gar
       nicht erst vor. Auch Ort und Zeit lässt er bewusst außen vor. Seine
       Aufnahmen zeigen blitzblank polierte Tische und gerade gerückte Stühle.
       Einzig die unvermeidbaren Wimpel der jeweiligen Gruppen geben einen Hinweis
       auf ihren Sinn und Zweck.
       
       Was die Bilder aber verblüffenderweise eben doch einfangen, ist ein
       Stimmungsbild der Abwesenden – als wären hier gut gelaunte Geister
       versammelt zum emsigen Diskurs, zum Lachen und einander „Prost!“ sagen.
       
       Volker Schrank fängt ein, wie Ort und Geschehen, soziales Miteinander und
       Inhaltliches zusammenfallen: gekittet selbstredend auch durch Vorurteil der
       Betrachtenden, aber doch auch mit einer Erkenntnis, die man allzu oft unter
       den … Tisch fallen lässt: Dass Gedanken, Gesellschaft und Politik einen Ort
       haben – haben müssen, damit sie überhaupt stattfinden können. Und die sind
       weder beliebig nach austauschbar. Selbst wenn die Gasthäuser, Kneipen und
       Schankstuben in Volker Schranks Reise einander doch verblüffend ähnlich
       sehen.
       
       Der Bildband „Stammtische“ von Volker Schrank ist im Deutschen Kunstverlag
       (DKV) erschienen.
       
       27 Dec 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan-Paul Koopmann
       
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