# taz.de -- Aufarbeitung in Syrien: UN-Geld soll an Firma mit Nähe zu Assad-Regime geflossen sein
       
       > Dokumente zeigen: Die Vereinten Nationen zahlten einer kontroversen
       > syrischen Sicherheitsfirma jahrelang Millionen. Dabei war sie als
       > „Hochrisiko“ eingestuft.
       
 (IMG) Bild: Ein Porträt des ehemaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in einer Militärbasis in Damaskus
       
       taz | Eine dubiöse Firma in Damaskus mit engen Verbindungen zum ehemaligen
       Regime soll seit 2014 elf Millionen Dollar von den Vereinten Nationen
       erhalten haben – zu diesem Vorwurf kommt ein Bericht von 25 internationalen
       Medien, angeführt vom Internationalen Netzwerk investigativer Journalisten
       (ICIJ). Das umfangreiche Dossier stützt sich auf Beweise aus anonym
       gehaltenen Quellen, die das Chaos der ersten Tage nach dem Fall Assads
       nutzten, um in Besitz von wichtigen Dokumenten zu gelangen oder diese zu
       sichern, ehe sie vernichtet werden konnten.
       
       Das Sicherheitsunternehmen „Shorouk for Protection, Guarding and Security
       Services“ soll demnach mitten im Bürgerkrieg von den Vereinten Nationen
       angeheuert worden sein, um die Büros der Organisation und ihrer
       verschiedenen Agenturen auf syrischem Boden zu schützen. Dass
       Nichtregierungsorganisationen einheimische Firmen unter Vertrag stellen, um
       die Sicherheit ihrer Mitarbeiter*innen bei der Arbeit in
       Konfliktgebieten zu garantieren, ist nicht ungewöhnlich.
       
       Problematisch ist in diesem Fall, dass sich Shorouk laut den Dokumenten
       insgeheim im Besitz des syrischen Nachrichtendienstes befand. Dieser war
       für Ausspähen, [1][Folter und Tötung unzähliger Dissident*innen] in den
       Jahren des Regimes von [2][Präsident Baschar al-Assad] verantwortlich.
       
       Im Jahr 2022 sollen mehrere Nichtregierungsorganisationen, unter anderem
       Human Rights Watch, die Vereinten Nationen vor den Verbindungen zwischen
       der Firma und den syrischen Sicherheitsdiensten gewarnt haben. Doch die
       Aufträge liefen weiter. Aus E-Mails und persönlichen Notizen geht hervor,
       dass der damalige Außenminister Faisal Mekdad Druck machte, damit die Firma
       seine Verträge behielt – denn diese sollte die UN-Mitarbeiter*innen
       ausspionieren.
       
       ## UN: Umfeld komplex, Auswahl extrem begrenzt
       
       Mit den Vorwürfen vom ICIJ konfrontiert, verneinte der Geschäftsführer des
       Unternehmens, Wael al-Haou, dass syrische Institutionen die Firma besaßen.
       Er und zwei weitere Männer seien die einzigen Eigentümer. Doch Dokumente
       sollen zeigen, dass er einen Teil des Unternehmensgewinns [3][an den
       Nachrichtendienst] weiterleitete.
       
       Mehr als 130 Verträge haben die Vereinten Nationen demnach zwischen 2014
       und 2024 mit der Firma unterschrieben. Die Mitarbeit besteht weiterhin.
       
       Auf Nachfrage der taz schreiben die Vereinten Nationen, man habe eine
       „erhöhte, angemessene Sorgfalt“ bei der Wahl der Firma gelten lassen.
       Beweise für einen Besitz durch das Regime habe es damals nicht gegeben.
       Gleichwohl sei das Umfeld komplex gewesen und die Auswahl extrem begrenzt.
       Lediglich zwei Unternehmen standen zur Verfügung, beide als „Hochrisiko“
       eingestuft. Auch die andere Firma hatte [4][Verbindungen zu Assad], das war
       wohl bekannt.
       
       ## In Wahrheit unter Kontrolle der Regierung
       
       Dem ICIJ soll das syrische Team der Vereinten Nationen außerdem gesagt
       haben, es habe keine Erkenntnisse darüber, dass Assads Offiziere Kontakt zu
       Teammitgliedern wegen Shorouk aufgenommen hätten. Genauso wenig bekannt
       seien Versuche durch Shorouk, die UN-Mitarbeiter*innen auszuspähen.
       
       Aus einigen Notizen wird klar, dass der Nachrichtendienst versucht hat, die
       Verbindungen zwischen der Firma und dem Regime vor den Vereinten Nationen
       zu verheimlichen. Gängige Praxis war damals, dass private Bürger*innen
       Firmen unter ihren Namen registrierten, die jedoch in Wahrheit unter
       totaler Kontrolle von Regierungsbeamten standen.
       
       5 Dec 2025
       
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