# taz.de -- Gedanken bei Bergtee: Wer krank ist, muss leiden, leisten oder labern
       
       > Kein Lohn mehr für Kranke, dafür soll Weimer fröhlich weiter zwischen
       > Politik und Business umherspringen dürfen. Information-Overload im
       > Krankenbett.
       
 (IMG) Bild: Krank sind zu Zeit viele – von der Deutschen Wirtschaft bis zu den Atemwegen
       
       Krank (Atemwege, Rücken, Seele, Deutschlands Wirtschaft) sind [1][zur Zeit
       viele], aber haben Sie sich schon mal mit heißem Tee den Gaumen so
       verbrannt, dass Sie klangen wie Politiker frühmorgens im
       Deutschlandfunkinterview, deren Zunge noch Anlaufschwierigkeiten hat?
       
       Nicht schön.
       
       Ich hatte diese Woche das Vergnügen und deshalb viel Zeit zum Zuhören. Die
       nicht überraschende Auswertung: Meiden Sie den politischen Betriebslärm,
       wenn Sie Ihre Lymphknoten nicht dazu motivieren wollen, sich auf
       Rekordniveau aufzupumpen.
       
       Da war mal wieder einer dieser Vorschläge aus dem Ministerium für
       [2][verstaubte Ideen]: Wer krank ist, muss leiden. Leiden tut man eh schon
       (siehe oben) und soll deswegen nun zwar nicht gleich am ersten Tag auch
       noch aus dem Job fliegen, aber auch kein Geld mehr kriegen.
       [3][Lohnfortzahlung am 1. Krankheitstag kann weg]. Im
       Wirtschaftsministerium der Frau Reiche sollte man vielleicht mehr Studien
       lesen als nur die, dass Deutsche öfter krankgeschrieben sind als andere
       Nationen. Zum Beispiel [4][solche, die nachweisen, dass Präsentismus und
       Drohungen], die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu streichen, zwar die
       Anwesenheit, bei Weitem aber nicht die Leistung der Mitarbeiter*innen
       erhöhen.
       
       Auf die Idee zu kommen, dass Angestellte besser arbeiten, wenn der
       Unterschied ihres Gehalts zu dem der Chefetagen nicht so eklatant wäre,
       auch dafür gibt es Studien.
       
       ## Vom Sofa zum Tegernsee
       
       Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ist übrigens einer der häufigsten
       Gäste des [5][deutschen Davos], des [6][„Tegernsee-Summits“], des
       [7][Ludwig-Erhard-Gipfels], von dem die Ehefrau des amtierenden Kultur- und
       Medienministers sagt, er sei „[8][die Keimzelle der neuen Bundesregierung“
       gewesen.]
       
       Mein vom Verschleimungs- und Schwachheitszustand sowieso schon stark
       erhöhtes Stöhnbedürfnis nimmt sich zwischen zwei Niesern allen weiteren
       verfügbaren Platz.
       
       Und dann kommt der Bundeskanzler und lässt wissen, dass seinem guten Freund
       vom Tegernsee übel mitgespielt wurde. Alle Vorwürfe gegen Wolfram Weimer
       seien falsch.
       
       Der Vorwurf „Interessenkonflikt“ ist allerdings alles andere als
       ausgeräumt. Der Minister hat ja schon bei Amtsantritt angekündigt, nach
       seinem Ausflug in die Politik wieder zurück ins Business zu gehen. Nach dem
       Motto: kurz rein da, Händeschütteln, Visitenkarten einsammeln, bisschen
       [9][vor Dingen warnen, vor denen man grad so warnt] (KI, Weltuntergang,
       Rechte an der Macht) und dann aber auch schon wieder fast in die Kurve
       einbiegen, auf der das nächste Fest am Tegernsee mit Politprominenz
       vorbereitet wird. Ach ja, Kulturminister ist man ja auch noch, also ja, da
       haben wir ein schönes Streichprogramm zusammengestellt und wenn Sie
       „heute-journal“ oder „tagesthemen“ schauen, dann werden Sie gegen Ende
       immer auch auf eine hübsche Fotoausstellung oder ein tolles Konzert
       hingewiesen. Aber jetzt muss ich wirklich los, tschühüss.
       
       ## Vom Tegernsee in die Ukraine
       
       Die anschwellenden Schleimhäute kriegen keine Ruhe, bis ein Retter im Radio
       spricht. Es ist der Sicherheitsexperte und Politikberater Nico Lange, der
       dem [10][Deutschlandfunk ein Frühmorgeninterview] gibt. Auf die Frage der
       Moderatorin („Schwierige Situation bestmöglich gelöst?“), mit der sie die
       „Kommunikationsleistung“ der Europäer hinsichtlich des
       28-Punkte-Kapitulationsplans für die Ukraine erfragen will, antwortet
       Lange: „Ja, jetzt ist ja nicht alles Kommunikation. Manche in der Politik
       machen den Fehler, zu denken, man könne alles kommunikativ lösen.“
       
       Europas Ukrainepolitik besteht aus Warten: Warten auf einen runden Tisch
       mit Trump, um ihm seine Ideen auszureden. Wir reden ziemlich viel übers
       Reden und wer das darf und wer nicht. Politik ist aber mehr als die Zeit
       zwischen oder die Fortsetzung von Talkshow- oder Gipfelauftritten. Darauf 1
       Liter Bergtee.
       
       30 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-2/krankenstand.html
 (DIR) [2] /Lohnfortzahlung-im-Krankheitsfall/!6057151
 (DIR) [3] https://www.fr.de/wirtschaft/merz-ministerin-will-lohnfortzahlung-am-ersten-krankheitstag-streichen-fuenf-prozent-weniger-lohn-94057295.html
 (DIR) [4] https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/warum-karenztage-und-anwesenheitspraemien-kontraproduktiv-sein-koennen-accg-110738076.html
 (DIR) [5] /Moeglicher-Interessenkonflikt/!6131433
 (DIR) [6] /Weimer-und-die-Tegernsee-Connection/!6128503
 (DIR) [7] /Ludwig-Erhard-Gipfel/!6131665
 (DIR) [8] /Wo-die-Bundeskanzler-wohnen/!6119203
 (DIR) [9] /Ludwig-Erhard-Gipfel/!6132073
 (DIR) [10] https://www.deutschlandfunk.de/kommunikation-rund-um-ukraine-plan-interview-mit-sicherheitsexperte-nico-lange-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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