# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn an der Schranke was zu erleben ist
Was ist schneller, die Schranke am Pulverhofsweg oder der Umweg zum Tunnel,
frage ich mich stets, wenn ich mit dem Rad auf dem Heimweg bin. An diesem
Abend hab ich Pech. Zwar geht die Schranke gerade hoch, lässt aber nur vier
Autos durch und senkt sich schon wieder, als ich mit dem Rad ankomme. Also
gut. Warten an der Stange im Dunkeln. Nach links und rechts schauen nach
Lichtern des nächsten Zugs. Langweilig ist das. Da erscheinen gegenüber
drei Jungs in Winterjacken und beugen sich über ihre Schranke, halten sich
daran fest.
„Hey, was habt ihr vor?“, rufe ich rüber. Als Zuggast kenne ich Durchsagen
von spielenden Kindern im Gleis.
„Wir hängen uns dran“, sagt der Kleinste. „Echt? Das ist gefährlich“, gebe
ich zurück. „Nein, das machen wir nicht“, beruhigt mich der Älteste. „Sind
ja nicht lebensmüde.“
So warten wir, Aug in Aug. Der Zug rauscht durch. Die Schranken gehen
wieder hoch. Nur die eine gegenüber nicht, tatsächlich klammern sich zwei
Jungs an ihr fest. Sie ächzt, schafft nur einen Meter. Der Kleinste hängt
mit den Füßen in der Luft. Da hupt ein Auto. Sofort lassen sie los und
gehen. Kaija Kutter
22 Nov 2025
## AUTOREN
(DIR) Kaija Kutter
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