# taz.de -- Deutsche auch dabei: Archaisch gut
       
       > Kabaddi ist ein Spiel zwischen Ringen und Fangen für zwei Teams à sieben
       > Spielerinnen. In Bangladesch findet gerade die WM der Frauen statt.
       
 (IMG) Bild: Viele Bilder gibt es nicht vom Kabaddi. Hier eins aus dem Iran, 2023
       
       Die Schlagzeilen aus Bangladesch drehen sich vor allem um Politik. Doch in
       den vergangenen Tagen rückte der Sport ins Rampenlicht: Denn in der
       Hauptstadt Dhaka fand die 2. Kabaddi-Weltmeisterschaft der Frauen statt.
       Das Turnier, ausgetragen vom 17. bis 24. November, markierte nicht nur das
       Ende einer 13-jährigen Pause, sondern auch einen Meilenstein für den Sport.
       [1][Kabaddi], eine Mischung aus Fangen und Ringen, bei der zwei Teams (mit
       sieben Personen) gegeneinander antreten, ist vor allem in Süd- und
       Vorderasien populär.
       
       Vor Turnierbeginn wurde es dann doch kurzzeitig politisch: Bangladeschs
       Interimsregierungschef [2][Muhammad Yunus] begrüßte die Spielerinnen und
       enthüllte den Siegerpokal. Das Eröffnungsspiel gewann mit Heimvorteil im
       Rücken Bangladesch vergangenen Montag im Shaheed-Suhrawardy-Stadion gegen
       Uganda mit 42:22. Auch im Vorrundenspiel gegen Thailand siegte das Team mit
       40:31 und sicherte sich so den Einzug ins Halbfinale – und die erste
       Medaille in dieser Disziplin. Sportberater Asif Mahmud Shojib Bhuiyan
       betonte, man wolle den Sportlerinnen gezielt Chancen eröffnen, die ihnen
       bisher fehlten.
       
       Doch Bangladesch steht ein starker Gegner gegenüber: Titelverteidiger
       Indien, der 2012 bei der Heim-WM in Patna triumphierte. Damals traten 16
       Teams an. Dieses Jahr sind es elf. Wohl wegen der angespannten Lage in
       Bangladesch sagten Argentinien, die Niederlande, Südkorea und Japan ihre
       Teilnahme ab. Das Land befindet sich derzeit noch im Umbruch: Im August
       2024 wurde die langjährige Premierministerin gestürzt und für im Februar
       stehen Neuwahlen an. Die T20-Cricket-Weltmeisterschaft 2024 der Frauen
       wurde deshalb in die Vereinigten Arabischen Emirate verlegt. Immerhin, die
       Kabaddi-WM konnte stattfinden.
       
       Die Absagen zeigen jedoch, dass Frauen-Kabaddi international noch im Aufbau
       steckt. Der Sport, der vor etwa 4.000 Jahren im Süden Indiens entstand,
       wirkt archaisch, ist aber nach Cricket die zweitbeliebteste Disziplin in
       Indien – und ähnlich populär in Bangladesch. Indien und Iran dominieren
       traditionell, doch Taiwan hat in den letzten Jahren aufgeholt. Seit 1990
       gehört Kabaddi auch zu den Medaillensportarten der Asienspiele, bei Olympia
       war es erstmals 1936.
       
       ## Deutschland verlor
       
       Die diesjährige WM ist die erste, die außerhalb Indiens stattfindet. Eine
       weitere Premiere: Erstmals nahm ein deutsches Team teil. Die Mannschaft,
       die mit neun Spielerinnen aus Frankfurt anreiste, gilt als Amateurteam. In
       Deutschland ist Kabaddi kaum bekannt. Überraschend war aber, dass nur
       wenige Spielerinnen des deutschen Teams – im Gegensatz zu den Trainern –
       aus der südasiatischen Diaspora stammen. Am Dienstag verlor Deutschland
       sein erstes Spiel gegen Bangladesch. Am Donnerstag folgten Niederlagen
       gegen Uganda und Indien, das mit seiner Intensität beeindruckte. Am Freitag
       schied das Team nach einer weiteren Niederlage gegen Thailand aus.
       Niedergeschlagen wirkten die Spielerinnen nicht: „Wir haben viel von den
       anderen Teams gelernt“, sagten sie der taz.
       
       Deutschland spielte in Gruppe A mit Indien, Bangladesch, Thailand und
       Uganda – eine schwere Auslosung. In Gruppe B traten Iran, Taiwan, Nepal,
       Polen, Sansibar und Kenia gegeneinander an.
       
       Dass die WM überhaupt in Bangladesch stattfand, ist bemerkenswert.
       Ursprünglich sollte sie im indischen Bihar ausgetragen werden, dann in
       Hyderabad. Nach mehreren Verschiebungen wurde Dhaka zum Austragungsort.
       Auch kulturell gewinnt Kabaddi an Sichtbarkeit: Im Oktober veröffentlichte
       Netflix den indischen Kabaddi-Film „Bison Kaalamaadan“, der überraschend
       erfolgreich war und zeigt, wie emotional aufgeladen der Volkssport in
       Südasien ist.
       
       Am Montag steht in Dhaka das Finale an. [3][Am Sonntag trat] Indien als
       Favorit gegen den Iran an, während Bangladesch gegen Taiwan spielte und vom
       historischen Titel träumt. Ein Sieg wäre für die Gastgeberinnen mehr als
       sportlicher Erfolg: ein Zeichen der Stärke nach Monaten der Krise. Und für
       Deutschland? Vielleicht ist es der Anfang einer Geschichte, in der ein
       jahrtausendealter Volkssport eine neue Heimat findet.
       
       23 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.olympics.com/en/news/kabaddi-rules-regulations-how-to-play
 (DIR) [2] https://x.com/ChiefAdviserGoB/status/1990015674350248172
 (DIR) [3] https://www.olympics.com/en/news/women-kabaddi-world-cup-2025-results-scores-standings-points-table?utm_source=chatgpt.com
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
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