# taz.de -- KulturbeutelAndreas Rüttenauer: Irgendwo fährt immer ein Lionel Messi vor
       
       Irgendwas mit [1][Messi] ist immer. Der alternde argentinische Weltmeister
       schafft es beinahe täglich mit irgendeiner Nachricht auf die Sportportale
       dieser Welt. Er selbst trägt dazu oft nicht einmal etwas bei. Gerade läuft
       eine Diskussion darüber, ob der norwegische Stürmer [2][Erling Haaland]
       ähnlich gut wie [3][Cristiano Ronaldo] oder Lionel Messi sei. Sein Trainer
       bei Manchester City, [4][Pep Guardiola], hatte das gesagt. Die Reaktion des
       Norwegers ist natürlich wieder eine Meldung wert. Nein, nein, niemand könne
       den beiden das Wasser reichen. Natürlich meldet sich dann Ronaldo aus
       Saudi-Arabien zu Wort und merkt an, dass Messi nur deshalb als der Beste
       aller Zeiten bezeichnet werde, weil der den Weltmeistertitel gewonnen habe.
       
       Derweil veröffentlichte die [5][Major League Soccer], welche Gehälter in
       der Liga gezahlt werden. 20 Millionen US-Dollar im Jahr kassiert der
       38-jährige Messi demnach bei Inter Miami. Im deutschen Medien war zu lesen,
       dass das 14-mal so viel sei wie [6][Thomas Müller] in Vancouver. Bevor sich
       die ersten Menschen Sorgen machen, ob Müller noch genug Futter für die
       Pferde auf seinem Gestüt in Otterfing beschaffen kann: Nächstes Jahr gibt’s
       viel mehr Geld für Müller in der Liga.
       
       Noch was mit Messi? Klar, er hat seinen Vertrag mit Inter Miami bis 2028
       verlängert. Am Wochenende sollte er tunlichst gegen Nashville gewinnen,
       sonst ist sein Klub schon raus aus dem Play-off-Rennen um die
       Meisterschaft. Und dann war noch von seinem Auftritt bei einem
       Businessforum in Miami die Rede, wo er neben US-Präsident Donald Trump,
       Amazon-Chef Jeff Bezos und seinem argentinischen Präsidenten Javier Milei
       einen Auftritt haben sollte.
       
       Das Geschäft, das der angolanische Fußballverband mit dem argentinischen
       abgeschlossen hat, darf an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben. 14
       Millionen US-Dollar sollen [7][die Angolaner gezahlt haben], um in der
       anstehenden Länderspielpause Lionel Messi bei einem Freundschaftsspiel im
       eigenen Land begrüßen zu dürfen. Die Partie soll Teil der Feierlichkeiten
       zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Angolas sein. Soll der Auftritt Messis
       dort die Bevölkerung befrieden, deren Proteste im Juli gewaltsam
       niedergeschlagen worden waren? Mehr als ein Drittel der Bevölkerung im
       ölreichen Angola lebt der Weltbank zufolge von weniger als 2,15 US-Dollar
       im Monat.
       
       Die werden sich jedenfalls kein Ticket für das Spiel in Luanda leisten
       können. Aber gewiss gibt es in Angola etliche fußballbegeisterte Kinder und
       Jugendliche, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Teil dieses großen
       Fußballbusiness zu werden. Die zahlreichen rosa Trikots von Inter Miami,
       die auch hierzulande von Kindern zur Schau getragen werden, zeigen, welch
       Faszination von der Person Messi ausgeht.
       
       Im rosa Design des Retortenklubs, der erst seit 2020 in der MLS spielt,
       kommt auch die Erzählung daher, die der Berliner Autor Michael Kröchert für
       die fußballerische „Ikonen“-Reihe des Verlags Voland & Quist verfasst hat.
       [8][„Messi – Dreams Pequeña“] heißt die Geschichte über einen Jungen aus
       Berlin, der als hochbegabter Fußballer im Leistungszentrum des PSV
       Eindhoven spielt. Doch er wächst nicht. So wie einst dem jugendlichen Messi
       werden ihm Hormone verabreicht, um das Wachstum zu unterstützen. Als die
       Therapie nicht anschlägt, macht sich der begabte Jago mit seinem Onkel auf
       den Weg nach Miami, um sich dort einer in Europa verbotenen
       Hormonbehandlung zu unterziehen. Eine feine Geschichte ist das – über
       jugendliche Fußballerträume und die Frage, was es in einem Jugendlichen
       wohl anrichtet, wenn sie enttäuscht werden. Am Ende der Erzählung fährt in
       Miami ein großes Auto an einen Trainingsplatz, auf dem der Junge kickt.
       Sitzt etwa Messi drin? Macht er dem Jungen weiter Hoffnung? Man weiß nicht
       recht, ob man Jago das wünschen soll.
       
       6 Nov 2025
       
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 (DIR) [8] https://www.voland-quist.de/werke/messi-dreams-pequena/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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