# taz.de -- Die Seitenwende der taz: Neuanfänge
       
       > Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das erlebt der Autor T. C.
       > Boyle in den USA jeden Tag und betet um den Segen eines Regimewechsels.
       
 (IMG) Bild: Bei der großen „No Kings“-Demonstration gingen nicht nur Menschen auf die Straße, Portland, USA, am 18. Oktober 2025
       
       Dieser Beitrag ist als einer von zehn exklusiven Beträgen, die die taz von
       deutschen und internationalen Autor*innen für ihre [1][letzte gedruckte
       Werktagsausgabe vom 17. Oktober 2025] bekommen hat. 
       
       Über Neuanfänge schreiben ist ironisch, denn unter den gegenwärtigen
       Umständen hier in Amerika können Neuanfänge nur noch mehr Hass bedeuten.
       Und den weiterhin raketenhaften Anstieg von Ignoranz und Aberglauben. Jeder
       Neuanfang ist hier ein Vorbote der systematischen Aushöhlung unserer
       verfassungsmäßigen Rechte.
       
       Bis Januar war unser Land mit 248 Jahren die am längsten bestehende
       Demokratie der Geschichte, doch seitdem sind wir in die schwarze Nacht der
       Autokratie versunken. Worauf wir uns freuen können? Auf das ständige
       Gefüttertwerden mit Propaganda, während die Welt zu unseren Füßen sich in
       Scheiße verwandelt?
       
       Auf die nächste Pandemie, die uns unter der Voodoo-Herrschaft des
       Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. dezimieren wird, nicht nur hier
       in Amerika, sondern weltweit? Seine Anhänger:innen lassen weder ihre
       Kinder noch ihre Hunde impfen. Wird es als Nächstes also eine
       Tollwut-Pandemie geben? Warum nicht. In den Augen von Kennedys
       Anhänger:innen wird das ein Akt der persönlichen Freiheit sein.
       Wau-wau! Ahwooo!
       
       Unsere Neuanfänge zeigen, dass die „Gewaltenteilung“ nur noch ein Witz ist:
       Die Legislative fürchtet sich vor unserem großen und mächtigen Führer, er
       hat den Obersten Gerichtshof in der Tasche, die Universitäten und die freie
       Presse werden unter fadenscheinigen Vorwänden angegriffen und seine
       Privatarmee patrouilliert durch die Straßen unserer Städte, um uns alle
       unter Kontrolle zu halten.
       
       Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, werden alle grünen Initiativen
       demontiert, sodass der Klimawandel immer größere Zerstörungen und
       Verwerfungen bringt. Er fordert Menschenleben als Preis, während die Natur
       weiter ihrer Ressourcen beraubt wird. Seltene Arten werden so selten, dass
       sie wie Staubkörnchen im Wind davonwehen.
       
       Neuanfänge? Was für ein Witz! Wir können gerade nur weinen, jammern und um
       den Segen eines Regimewechsels beten. Das Problem dabei ist, dass die Zeit
       langsam vergeht, zumindest für uns Normalsterbliche, und wir haben noch
       mehr als drei Jahre mutwilliger Zerstörung und Chaos vor uns. Wird bis
       dahin noch jemand von uns übrig sein? Wird überhaupt etwas übrig sein?
       
       16 Nov 2025
       
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