# taz.de -- Friedensverhandlungen mit Hamas: Viele Fragen offen bei Geisel-Deal
       
       > Seit Montag verhandeln Unterhändler mit der Hamas in Kairo über ein
       > Friedensabkommen. Donald Trump sieht sich dem Nobelpreis nahe.
       
 (IMG) Bild: Während verhandelt wird: Rauch steigt nach einer israelischen Militäroffensive in Gaza-Stadt auf, 6. Oktober 2025
       
       Der Deal ist noch nicht vollzogen, da ist bereits von Nobelpreis die Rede.
       Das Forum der Geiselangehörigen schickte am Montagmorgen einen Brief an das
       norwegische Nobelkomitee. Darin baten sie, US-Präsident Donald Trump für
       die Auszeichnung in Betracht zu ziehen. „Zum ersten Mal seit Monaten, haben
       wir Hoffnung, dass unser Albtraum bald vorbei sein wird“, schreiben sie
       darin.
       
       Hoffnung – denn Gewissheit fehlt: Ob die Verhandlungen zwischen Israel und
       der Hamas, [1][vermittelt durch die USA] und Ägypten, Erfolg haben, bleibt
       unklar. Die Erwartungen sind hoch – seitens der Geiselfamilien, aber auch
       von Palästinensern. US-Präsident Donald Trump scheint sich seiner Sache
       recht sicher zu sein: „sehr erfolgreich“ nannte er die bisherigen Gespräche
       in den Sozialen Medien, und hielt die verhandelnden Parteien an, sich
       „schnell zu bewegen“.
       
       An diesem Montag gehen die Verhandlungen in Ägypten weiter. Für die Hamas
       ist unter anderem Khalil al-Hayya zugegen, den Israel Mitte September bei
       einem Luftangriff in der katarischen Kapitale Doha versuchte auszuschalten.
       Nach Angaben des katarischen Mediums AlJazeera nehmen an den Verhandlungen
       an diesem Montag weder israelische noch US-amerikanische Gesandte teil.
       Stattdessen soll sich die Hamas mit Vermittlern zusammensetzen, und
       erarbeiten, wie die erste Phase des [2][Waffenruhe-Geisel-Deals]
       vonstattengehen soll.
       
       Denn dieselbe Problematik, die jede Verhandlungen in den vergangenen beiden
       Jahren erschwert hat, bleibt: Wenn die Hamas und der Palästinensische
       Islamische Dschihad einmal alle [3][Geiseln] freigelassen haben, fehlt
       ihnen das Druckmittel gegen Israel. Und im Friedensplan von Trump sollen –
       Stand jetzt – alle israelischen Geiseln auf einmal freigelassen werden.
       
       Bis zu diesem Zeitpunkt soll sich das israelische Militär aber nur wenig
       von seinen bisherigen Positionen im Gazastreifen zurückgezogen haben. Sie
       stünden also weiter tief in palästinensischen Gebiet. Würde das israelische
       Militär in diesem Fall tatsächlich auf eine Wiederaufnahme der Angriffe
       verzichten? Oder die Waffenruhe aufkündigen, so wie sie es im vergangenen
       Frühling bereits taten? Damals scheiterten die Verhandlungen zu einer
       Verlängerung der Waffenruhe, nachdem ein großer Teil der Geiseln bereits
       freigekommen war.
       
       Weitere Bruchlinien sind: Welche [4][Häftlinge sollen aus israelischen
       Gefängnissen] freikommen? Die Hamas soll nach Angaben der Times of Israel
       die Freilassung „besonders berüchtigter Terroristen“ fordern. Darunter soll
       etwa Marwan Barghouthi sein, der seit Jahren für seine Beteiligung an der
       Planung von Terrorangriffen hinter Gittern sitzt. Eine Freilassung hatte
       Israel bereits mehrfach abgelehnt.
       
       Auch die Entwaffnung der Hamas, auf der Israels Regierung besteht, bleibt
       ungeklärt – besonders, da Israels Militär wohl auch nach einem Deal noch in
       Gaza bleiben würde. Diese Frage beschäftigt auch die arabischen Vermittler.
       So erklärte ein ehemaliger Diplomat aus Ägypten gegenüber AlJazeera: „Wir
       können nicht über die Entwaffnung der Hamas sprechen, während Israel den
       Abzug seiner Truppen aus Gaza verzögert“.
       
       Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz: Wer vertraut wem, und wie
       weit? Warum sollte Israel seine Truppen abziehen, wenn die Hamas weiter
       bewaffnet ist? Warum sollte die Hamas die Waffen abgeben, wenn das
       israelische Militär weiter im Gazastreifen steht?
       
       Hier kommt die internationale Gemeinschaft ins Spiel, allen voran die USA.
       Können sie auch Israels Regierung dazu bewegen, sich an einen Deal zu
       halten?
       
       Nach Bericht des US-Portals Axios soll die Stimmung zwischen Trump und
       Netanjahu durchaus angespannt sein. So soll Trump in einem Telefongespräch
       über die Antwort der Hamas auf den Trump-Plan zu Netanjahu gesagt haben:
       „Ich weiß nicht, warum du immer so verdammt negativ bist. Das ist ein Sieg.
       Ergreif ihn“.
       
       6 Oct 2025
       
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