# taz.de -- Neuer Frankfurt-„Tatort“: Wenn der liebe Großvater ein perfektes Doppelleben führt
       
       > Bewegende Szenen im Keller der Vermissten: Die neuen Frankfurt-Ermittler
       > Melika Foroutan und Edin Hasanović sorgen für Spannung und Gefühl.
       
 (IMG) Bild: Die Neuen: Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) im Tatort „Dunkelheit“
       
       Endlich mal was Neues im „Tatort“-Universum. Und das in zweierlei Hinsicht.
       Mit „Dunkelheit“ gibt nicht nur das neue Ermittlerduo aus Frankfurt am Main
       seinen Einstand. Die Krimireihe betritt Neuland: [1][Melika Foroutan] als
       Maryam Azadi und [2][Edin Hasanović] als Hamza Kulina ermitteln in alten,
       ungeklärten Mordfällen.
       
       Zum Auftakt geht es drastisch zu: Opa ist gestorben. Tochter und Enkelin
       müssen eine Garage ausräumen, da unterbricht ein grausamer Fund jäh ihr
       Tun. Die nächste Szene zeigt das Übliche: Die Garage ist nun ein Fundort,
       die Spurensicherung rückt an, Routine halt. Was dann folgt, ist alles
       andere als Dutzendware für einen Sonntagabendkrimi.
       
       Zunächst aber lernen wir die Neuen kennen. Hamza Kulina sitzt bei seiner
       Vorgesetzten. „Das wird ihnen gefallen“, sagt sie, eine spannende Aufgabe
       wären diese alten Fälle. Kulina hat darauf keinen Bock, das sieht man, aber
       er muss, für mindestens einen Monat – da stimmt doch was nicht.
       
       Irgendwie wurde er strafversetzt (warum, klärt sich später auf). Er
       schnappt sich seine Kiste und nimmt den Fahrstuhl – in den Keller. So viel
       Klischee darf sein. Da unten werden nun mal in aller Welt die Cold Cases
       bearbeitet. Man hat aber schon schlimmere Keller gesehen. Wie zuletzt in
       der brillanten britischen Serie [3][„Dept. Q“] (bei Netflix). Und da rückt
       schon Maryam Azad an, telefonierend winkt sie mit dem Finger, mal mitkommen
       …
       
       ## Luftdichte Tonnen
       
       Es wird grausam: Ein Frauenkörper wurde vor etlichen Jahren mit einer Säge
       zertrennt. Der Täter hat Organe entnommen, Zähne gezogen, mit Nägeln eine
       Art Muster in Körperteilen hinterlassen. Sie lagerten in luftdichten
       Tonnen. Das kommt bis auf eine Minisequenz ohne entsprechende Bilder aus.
       Die braucht es auch gar nicht, um den sadistischen Schrecken darzustellen
       und Spannung aufzubauen.
       
       Maryam Azadi und Hamza Kulina arbeiten vor allem mit analogen Akten und
       Köpfchen. Immer, wenn wir die beiden im Keller bei der Arbeit sehen, ist
       das als Kammerspiel inszeniert, das ist toll und nie langweilig. Sie
       identifizieren das Opfer und stellen fest, dass die „Handschrift“ des
       Täters an andere ungelöste Mordfälle erinnert, und kommen so einem
       berüchtigten Serienmörder auf die Spur, dem Main-Ripper. Der „liebe Opa“
       hat also ein perfektes Doppelleben geführt. Krass! Das Wort benutzt Kulina
       öfter.
       
       Ein dramaturgischer Trick treibt die Handlung voran. Weil in drei Tagen
       eine Pressekonferenz zur Lösung dieses einen Falles aus der Vergangenheit
       stattfinden soll, geraten die beiden unter Zeitdruck. Ihnen bleiben drei
       Tage, um alle weiteren möglichen Opfer des Serientäters zu identifizieren.
       Das ist ihnen ein tiefes Bedürfnis, wohl auch aus persönlichen Gründen.
       
       Mehr und mehr Fotos wandern an die Pinnwand. Sie arbeiten akribisch, gehen
       die alten Akten immer wieder durch, fragen bei Zeugen von damals oder den
       Menschen nach, die einen ihrer Lieben verloren haben. Oft müssen sie sich
       dabei fragen, warum damals Hinweisen nicht nachgegangen wurde. Das ist
       emotional aufwühlend, und ja, auch spannend in Szene gesetzt. Selbst das
       Aktenwälzen.
       
       Das gilt ebenso für den Erzählstrang, bei dem es um das Privatleben des aus
       Bosnien-Herzegowina stammenden Ermittlers Kulina geht. Ihn nehmen die
       Ermittlungen immer mehr mit. Die Auflösung ist herzzerreißend. So wie
       andere Szenen. Vor allem jene, in denen die Ermittler den immer noch
       trauernden Angehörigen endlich die Gewissheit überbringen, wer der Täter
       war. Das drückt auf die Tränendrüsen. Nicht nur deshalb eine rundum
       gelungene Premiere.
       
       5 Oct 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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