# taz.de -- das wird: „Patriarchale Gewalt ist ein Männer-Problem“
> Die Tänzer*in Quindell Orton untersucht in einer Performance männliche
> Gewalt
Von Katrin Ullmann
taz: Quindell Orton, warum beschäftigen Sie als Frau sich in Ihrer Lecture
Performance „Making of a Man“ mit Männlichkeit – und nicht mit
Weiblichkeit?
Quindell Orton: Allzu oft werden Geschlecht, geschlechtsspezifische
Machtverhältnisse und geschlechtsspezifische Gewalt als FLINTA-Themen
dargestellt, was allerdings nicht der Fall ist. Diese Perspektive schränkt
den Kampf gegen die Ungleichheit der Geschlechter ein. Ich halte es für
wichtig, zu schauen, wo die Macht genau verortet ist. Ähnlich wie Rassismus
ein Problem der Weißen ist, denke ich, dass Patriarchat auch ein Problem
der Männer und Männlichkeit ist. Aber ich sehe Männlichkeit auch nicht als
etwas, das außerhalb von Frauen liegt, und versuche in meiner Performance
zu hinterfragen, warum Männlichkeit nur als etwas für Männer angesehen
wird. Denn wer definiert das?
taz: Und wie kann ich mir das auf der Bühne vorstellen? Sie sind Tänzerin,
also tanzen und sprechen Sie abwechselnd, oder ähnelt Ihre Performance eher
einem Vortrag?
Orton: Die Aufführung beginnt wie ein TED-Talk, also ein Vortrag, der sich
einen Weg durch Popkultur, Politik und persönliche Interviews bahnt.
Anschließend erkunde und hinterfrage ich die doch ziemlich undichten
Gefäße, die wir für die männliche Identität erschaffen haben. Dafür
verbinde ich Tanz, Video, Spoken Word und Live-Kamera miteinander.
taz: Ist es möglich, Männlichkeit auf der Bühne darzustellen, ohne auf die
gängigen Klischees zurückzugreifen? Und wenn ja, wie?
Orton: Das habe ich mich oft gefragt. Ja, ich denke schon, dass das geht.
Aber ich interessiere mich auch für Klischees, da wir dadurch gemeinsame
Referenzen haben, über die wir sprechen können. Wir können und müssen diese
Klischees hinterfragen und herausfinden, wie sie eigentlich entstehen,
beziehungsweise wie sie konstruiert werden. Ich denke, es geht nicht so
sehr darum, keine Klischees zu haben, sondern darum, für diese andere
Darstellungen zu finden und die Grenzen dieser Bilder zu verwischen.
Klischees sind eine Vereinfachung und Verflachung von jemandem oder etwas,
und ich finde es interessant, die Komplexität und die Überschreitungen
anzuerkennen, die tatsächlich vorhanden sind.
taz: In „Making of a Man“ möchten Sie auch die „verletzlichen Seiten der
Männlichkeit“ zeigen.
Orton: Ich glaube, dass starre Geschlechterrollen alle einschränken und
dass Männlichkeit oft mit Stärke gleichgesetzt wird, was zu Unfähigkeiten
führt, die ihre eigenen Nachteile mit sich bringen. Und das hängt wiederum
mit der vorherigen Frage zusammen: Die verletzliche Seite ist Teil der
Komplexität von Männlichkeit.
taz: Glauben Sie, dass eine Performance wie Ihre in den Köpfen des
Publikums etwas verändern kann?
Orton: Ich hoffe, dass sie zumindest Fragen aufwirft. Dass sie die
Vorstellung hinterfragt, dass Männer so und Frauen so sind, weil es in
ihrer Natur liegt, und dass sie die Über-Identifikation mit einigen dieser
stereotypen Bilder und Verhaltensweisen in Frage stellt. Vielleicht können
wir innerhalb dieser so sehr festgelegten Identitäten mehr Raum schaffen.
taz: Findet auch deshalb nach der Aufführung ein Publikumsgespräch statt?
Orton: Es wird kein formelles Gespräch sein, aber ich werde da sein, um
mich mit den Zuschauer*innen auszutauschen, und ich hoffe, dass die
Leute bleiben, um über diese Themen zu reden.
30 Sep 2025
## AUTOREN
(DIR) Katrin Ullmann
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