# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die Invasion schon wieder vorbei ist
       
       Es ist Mitternacht oder kurz davor, und auf dem Weg ins Bett erfreue ich
       mich noch ein bisschen an den letzten verrinnenden Regentropfen am Fenster.
       Bis mir einfällt, dass draußen Wäsche hängt. In Hausschuhen husche ich ins
       Dunkel des Gartens und halte gleich wieder inne. Irgendwas knackt komisch
       unter der Sohle und schürt ein ungutes Gefühl.
       
       Im trüben Licht des Handys entdecke ich ein Schneckenhaus. Und noch eins.
       Und noch mehr. Knapp 30 Tiere ziehen ihre Schleimspuren über das Pflaster
       und strecken wie in Zeitlupe die Fühler aus. Auf Zehenspitzen wage ich noch
       ein paar Schritte Richtung Rasen, leuchte tiefer ins Dunkel und zucke
       zurück: Inmitten der Schneckenhäuser winden sich auch zwei riesige
       Nacktschnecken. Beide deutlich über zehn Zentimeter lang, glitzern die
       Biester mit schwarzen und gelben Streifen.
       
       Die Wäsche bleibt erst mal, wo sie ist, weil ich zurück ins Haus und an den
       Rechner stolpere. Über einem Bier für den Seelenfrieden googele ich die
       schwarz-gelben Ungetüme. 20 Minuten später bin ich bereit, die Wäsche zu
       holen, mit festeren Schuhen an den Füßen und einer richtigen Taschenlampe
       in der Hand. Allein: Die Schnecken sind verschwunden. Alle, spurlos. Und
       sie waren nie wieder gesehen. Jan-Paul Koopmann
       
       13 Sep 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan-Paul Koopmann
       
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