# taz.de -- Auf Wiedersehen, Sparkasse: Wenn es ums Geld geht
       
       > Unsere Kolumnistin möchte die Bank wechseln. Doch das ist noch viel
       > komplizierter als gedacht. Ein Minidrama in mehreren Akten.
       
 (IMG) Bild: Tschüsssss Sparkasse
       
       Mein bester Freund J. und ich gehen meine Ausgaben durch. Mit einem Mal
       rümpft er die Nase. „Du zahlst jeden Monat 7,90 Euro für dein Girokonto?“,
       fragt er. Ich starre auf den Laptop. Das hatte ich verdrängt. Dabei lande
       ich auch wegen solcher Kostenfresser regelmäßig im Dispo. J. rät mir, zu
       kündigen. Ich muss schlucken. Nicht nur, weil ich faul bin. Es hat auch mit
       Nostalgie zu tun. Immerhin bin ich schon mein ganzes Leben lang bei der
       Sparkasse.
       
       Zur Geburt legten meine Eltern dort [1][ein Sparbuch] für mich an, das ich
       für ein billiges Fahrrad bei Real auflöste. Mit 18 eröffnete ich in der
       Filiale gleich neben der Bäckerei mit dem trockenen Zuckerkuchen mein
       erstes eigenes Konto – und habe es bis heute. Meine Kontonummer ist die
       einzige lange Zahlenfolge, die ich auswendig kann, aber auch sonst kenne
       ich diese Familienkutsche unter den Geldinstituten bestens.
       
       Doch diese meine Sparkasse ist ziemlich in die Jahre gekommen. Das alte
       Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht mehr. Die meisten, die ich
       kenne, sind längst dorthin gegangen, wo es günstiger ist. Dort haben sie
       gleich auch noch ein Tagesgeldkonto [2][und einen ETF-Sparplan.] Ich bin
       also mehr als late to the party, dafür ist jetzt richtig Druck drauf.
       
       Nach kurzer Bedenkzeit entscheide ich mich für die Bank von J. Denn wenn
       der sich auskennt, muss ich mich nicht extra einlesen. Die Frau im
       Videocall wirkt wie ein Roboter. Oder ist sie KI? Unbeholfen wedele ich mit
       meinem Perso vor dem Handybildschirm. Ein paar Tage später habe ich zwar
       ein neues Konto, aber kann mich nicht einloggen. Wie soll man sich bei all
       den Passwörtern und Pins, die per Brief, E-Mail oder SMS verschickt werden,
       auch auskennen? Nachdem ich verstanden habe, was hakt, wundere ich mich, wo
       meine Debitkarte bleibt.
       
       ## Warum ist Gegenwart so anstrengend?
       
       Es vergehen eine Woche, zwei – währenddessen hänge ich in der
       Kundenhotline. Als mir die elektronische Stimme endlich anbietet, mich mit
       eine*r echten Mitarbeiter*in aus Fleisch und Blut zu verbinden, habe
       ich längst in den Resopaltisch gebissen. Aber gerade seien noch alle im
       Gespräch, sagt die Stimme. Warum ist Gegenwart eigentlich so anstrengend?
       Es folgt eine Endlosschleife aus gut gelaunter Klaviermusik. Irgendwann
       gebe ich auf und nuschele: „Mama, Papa, Sparkasse …“
       
       Wobei auch die Filialen der Sparkasse nicht mehr das sind, was sie mal
       waren. Zumindest die in meinem Kiez erinnert inzwischen mehr an einen
       Schlachthof als an ein seriöses Geldinstitut. Die Fliesen haben
       überhandgenommen, dazu im Boden verankerte Sparschweine. „Was willst du?“,
       flüstert eins. Hektisch tippe ich meine Geheimzahl ein. Dann verlangt es
       sie ein zweites Mal. Hä? Aber da klappert auch schon der nächste Kunde mit
       dem Portemonnaie, also tue ich wie geheißen. Und siehe da: Ein viel zu
       dickes Bündel Scheine liegt im Ausgabefach. Habe ich schon wieder einen
       Fehler gemacht? Oder ist das viele Geld die Belohnung dafür, dass ich
       reumütig zurückgekehrt bin?
       
       Irritiert schleppe ich das Bündel nach Hause und begreife erst da, dass mir
       der Automat den Maximalbetrag ausgezahlt hat, weil ich bei der ersten
       Aufforderung nicht den Code, sondern die Summe hätte eingeben müssen. War
       das schon immer so?! Sternchen, Vögel, Rauchwolken. Wieder einzahlen kann
       ich das Geld aber auch nicht, erfahre ich beim nächsten Date mit der
       Telefonhotline. Weil ich bei einer anderen regionalen Sparkasse bin und
       wegen Geldwäsche. Alles klar, Leute, wenn ihr mein Geld partout nicht haben
       wollt, [3][gebe ich es aus.]
       
       31 Aug 2025
       
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