# taz.de -- Augsburgs Trainer Sandro Wagner: „Ich liebe diese Liga“
       
       > Nach einem erfolgreichen Ligaeinstand wartet auf den Trainer vom FC
       > Augsburg am Samstag mit dem FC Bayern gleich eine ganz besondere Aufgabe.
       
 (IMG) Bild: Sandro Wagner (l.) und seine Jungs: Jubel nach dem dritten Treffer der Augsburger beim SC Freiburg
       
       Der erste Nachmittag als Trainer einer Bundesligamannschaft war anstrengend
       gewesen für Sandro Wagner. In einem erst etwas kürzeren und dann noch mal
       sehr langen Zug leerte der neue Chefcoach des [1][FC Augsburg] im
       Presseraum des Freiburger Stadions die mitgebrachte Wasserflasche. Die
       stellte er anschließend ordentlich neben sich auf den Boden – ehe er in
       einem ersten Statement erklärte, er wisse gar nicht, was er großartig sagen
       solle. So perplex war der 37-Jährige über sein gelungenes Debüt im neuen
       Job.
       
       Das unerwartete 3:1 beim Vorjahresfünften hat Mut gemacht für die
       anstehende zweite Ligapartie – die dem FCA gleich das nationale
       Nonplusultra beschert. Die Bayern gastieren am frühen Samstagabend in der
       Arena im Süden der Universitätsstadt. Für Augsburg ist es das erste
       Top-Spiel seit über zehn Jahren, samstags um 18.30 Uhr. Und das dirigiert
       seitens der Gastgeber ein Übungsleiter, der in München geboren ist, beim
       [2][FC Bayern] sämtliche Jugendmannschaften durchlief, für dessen
       Reserveteam er 44 Spiele absolvierte und nach zehnjähriger Abstinenz von
       seiner Heimatstadt noch mal für zwölf Monate beim deutschen Rekordmeister
       anheuerte.
       
       Während seiner aktiven Zeit war Wagner, in einer Sozialwohnungssiedlung in
       München-Sendling aufgewachsen, für seine ausgeprägte Meinungsfreude und
       Eigenwilligkeit bekannt. Seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft unter
       Bundestrainer [3][Joachim Löw] im Mai 2018 etwa kommentierte er forsch:
       „Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und
       direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam
       zusammenpasse.“ Und über Wagners Zeit im Regionalligateam des FC Bayern
       zwischen 2006 und 2008 plauderte kürzlich dessen damaliger Coach
       [4][Hermann Gerland].
       
       „Wenn ich gesagt hab, ‚schieß eine lange Ecke‘, hat er mir eine kurze
       geschossen. Und dann hab ich irgendwann gesagt: ‚So geht das nicht‘“,
       erzählte der langjährige Assistent von Münchner Trainergrößen wie Pep
       Guardiola, Jupp Heynckes oder [5][Hansi Flick] im „ZDF-Sportstudio“. „Ich
       hab damals nicht kapiert, was du mir eintrichtern wolltest. In den letzten
       Jahren hab ich dann verstanden, was du wolltest“, retournierte Wagner
       seinen einstigen Übungsleiter brav. Jetzt, wo er mittlerweile selbst fünf
       Jahre als Coach in Unterhaching und beim DFB, zuletzt als Assistent von
       Bundestrainer [6][Julian Nagelsmann], Erfahrungen gesammelt hat.
       
       ## Große Mutation nach Abpfiff
       
       Bei seiner Erstligapremiere als Bankchef agierte der frühere Stürmer am
       Spielfeldrand so impulsiv, wie man das von ihm gewohnt ist. Als der
       Traumstart in der frischen Anstellung dann amtlich war, mutierte Wagner
       jedoch zu einem zurückhaltenden, fast scheuen Wesen.
       
       Auf dem Podium mit seinem Freiburger Kollegen Julian Schuster zum Beispiel
       vergaß er nicht, dessen jüngste Auszeichnung als „Trainer des Jahres“ zu
       erwähnen und versicherte im Namen seines Teams: „Wir sind schon sehr
       demütig und wissen, dass im Lauf eines Spiels auch beim Gegner Dinge
       angepasst werden.“ Überhaupt versicherte der achtmalige Nationalspieler
       (fünf Tore): „Erst mal bin ich wirklich sehr dankbar, dass ich wieder Teil
       dieser Bundesliga sein kann.“ Denn: „Ich liebe diese Liga.“
       
       Zu dieser formvollendeten Bescheidenheit passte, dass Wagner sich für seine
       Verwarnung in der Nachspielzeit entschuldigte und Besserung gelobte. Zudem
       versicherte der Mann, der dem grauen Bundesligastandort Augsburg gerade ein
       wenig Glamour verleiht, er spiele bei den Schwaben „nicht den Zampano“. Und
       seinem Vorgänger Jess Thorup dankte er ausdrücklich für die gute Basis, die
       der Däne ihm hinterlassen habe.
       
       Doch Sandro Wagner wäre nicht Sandro Wagner, hätte er nicht schon
       mitgeteilt, felsenfest davon überzeugt zu sein, langfristig als Trainer
       erfolgreicher zu sein als als Spieler. Der 1,94 Meter große Coach ist
       durstig nach Erfolgen. Das gilt auch und vor allem für das anstehende
       Gipfeltreffen mit seinem Ex-Klub.
       
       „Es hört sich zwar blöd an, aber Bayern wird für uns ein normales
       Bundesligaspiel“, behauptet Wagner, der in Augsburg „sehr viel vor“ hat und
       den Klub in dieser Saison zunächst in den Übergangsbereich zwischen oberer
       und unterer Tabellenhälfte führen will. In Bezug auf den besonderen
       Stellenwert, den die große Samstagabendbühne für den Verein hat, merkte der
       neue Coach dann aber noch an: „Das werden wir schon reinklopfen in die
       Jungs.“
       
       30 Aug 2025
       
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