# taz.de -- Meduza-Auswahl 17. – 23. Juli: Der neue russische Stil – Bart und Militärhemd
       
       > Das Aussehen kann die Loyalität zum Staat ausdrücken, das legt zumindest
       > ein Trend unter russischen Beamten nahe. Meduza erklärt das Phänomen.
       
 (IMG) Bild: Einst ein Milchbubi, heute mit Bart und Multicam: Stabchef Maxim Oreschkin
       
       Das [1][russisch]- und [2][englischsprachige] Portal Meduza zählt zu den
       wichtigsten unabhängigen russischen Medien. [3][Im Januar 2023 wurde Meduza
       in Russland komplett verboten]. Doch Meduza erhebt weiterhin seine Stimme
       gegen den Krieg – aus dem Exil. Die taz präsentiert seit 1. März 2023 unter
       taz.de/meduza immer mittwochs in einer wöchentlichen Auswahl, worüber
       Meduza aktuell berichtet. Das Projekt wird von der [4][taz Panter Stiftung]
       gefördert. 
       
       In der Zeit vom 17. – 23. Juli 2025 berichtete Meduza unter anderem über
       folgende Themen:
       
       ## Ideologie in Russland: Mit Hingabe für den Staat
       
       Sergej Karaganow ist einer der prominentesten Politikwissenschaftler
       Russlands – und Gründungsmitglied eines Debattenclubs, an dem Staatschef
       Wladimir Putin seit mehr als zwei Jahrzehnten regelmäßig teilnimmt. In
       einem aktuellen Bericht zu „den ideologischen Grundlagen Russlands als
       Zivilisationsstaat“ argumentiert Karaganow für die Einführung einer
       Staatsideologie und die Indoktrinierung der Bürgerinnen und Bürger von
       Kindesbeinen an. Er beschreibt Russland als ein „Reich asiatischer
       Prägung“, das am besten durch eine „Führungsdemokratie“ mit autokratischen
       Zügen regiert wird. Und die Russen als ein „gottesfürchtiges Volk“, das in
       der Lage ist, die Menschheit vor dem „Konsumkult“ zu retten. Im Zentrum von
       Karaganovs Ideologie steht die Hingabe an den Staat und seinen Führer.
       [5][Meduza berichtet auf Englisch.]
       
       ## Militärgericht gegen humanitäre Helferin
       
       Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine 2022 engagiert sich die im
       russischen Belgorod lebende Nadezhda Rossinskaya für ukrainische
       Geflüchtete. Doch innerhalb weniger Monate führten ihre Bemühungen zu
       Drohungen und Druck seitens der russischen Behörden. Schließlich musste sie
       das Land zeitweise verlassen.
       
       Ende Juni 2025 verurteilte ein Moskauer Militärgericht sie zu 22 Jahren
       Haft und einer Geldstrafe von 320.000 Rubel (4.100 US-Dollar) wegen
       Hochverrats, „Unterstützung terroristischer Aktivitäten“ und „öffentlicher
       Aufrufe zu Handlungen, die die territoriale Integrität des Landes
       gefährden“. Das unabhängige Journalistenkollektiv Bereg veröffentlichte
       kürzlich einen ausführlichen Beitrag über das Verfahren gegen Rossinskaja.
       [6][Meduza publiziert eine gekürzte englische Übersetzung.]
       
       ## Wie russische Beamte ihre Loyalität zum Staat ausdrücken
       
       Der Kreml verlangt von russischen Beamten absolute Loyalität. Und die
       zeigen sie auch durch ihren Style: Die wichtigsten Elemente des neuen
       „patriotischen Stils“ sind Bärte, Kokoschniks, eine traditionelle russische
       Kopfbedeckung für Frauen, und das Gymnastjorka, ein aus strapazierfähigem
       Gewebe bestehendes Uniformoberteil im Geiste der Stalinzeit. [7][Meduza
       berichtet auf Russisch über das Phänome]n.
       
       Ein Beispiel: Der stellvertretende Stabschef des russischen Präsidialamts
       Maxim Oreschkin trat stets ohne Bart, stattdessen gepflegt glattrasiert,
       auf. Doch im Jahr 2022 änderte sich sein Stil: Er ließ sich einen Bart
       wachsen. Denn – so ein Bekannter Oreschkins zu Meduza – ein Bart gelte nun
       als russisch.
       
       ## Wieviel Einfluss hat Russland noch im Südkaukasus?
       
       Russland verliere an Einfluss im Südkaukasus, sagt der rennomierte
       Russland- und Südkaukasus-Experte Thomas de Waal im Interview: „Die Länder
       haben Beziehungen in der ganzen Welt geknüpft. Aserbaidschans engster
       Verbündeter ist die Türkei, Georgien hatte bis vor kurzem starke
       europäische Beziehungen, und Armenien ist mit Frankreich verbündet.
       Russland ist nur noch ein Akteur unter vielen“. Er erklärt weiter:
       „Russland profitiert nicht wirklich von einem bilateralen Friedensabkommen
       zwischen Armenien und Aserbaidschan. Es ist daher zu erwarten, dass
       Russland irgendwann versuchen wird, die Möglichkeit eines Abkommens zu
       verhindern, und auf seiner Beteiligung an der Lösung des Konflikts bestehen
       wird“.
       
       [8][Das ganze Interview mit de Waal veröffentlicht Meduza auf Russisch.]
       
       23 Jul 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://meduza.io
 (DIR) [2] https://meduza.io/en
 (DIR) [3] /Russische-Medien-im-Exil/!5911767
 (DIR) [4] /!v=4269299f-23bb-40f2-a4ea-2b1b1ae40192/
 (DIR) [5] https://meduza.io/en/feature/2025/07/19/god-bearing-people-to-save-us-from-consumerism
 (DIR) [6] https://meduza.io/en/feature/2025/07/18/i-could-snap-your-neck-like-a-chicken-s
 (DIR) [7] https://meduza.io/feature/2025/07/21/kremlevskie-ideologi-otrastili-borody-a-chinovnitsy-nadeli-kokoshniki-i-dazhe-kamuflyazh-iz-payetok
 (DIR) [8] https://meduza.io/feature/2025/07/22/azerbaydzhan-unizhaet-rossiyu-armeniya-stremitsya-v-es-poluchaetsya-kreml-poteryal-vsyakoe-vliyanie-na-kavkaze
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tigran Petrosyan
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Russland
 (DIR) Bart
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
 (DIR) Unser Fenster nach Russland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Meduza-Auswahl 7. – 13. August: Was wird Putin bei den Verhandlungen in Alaska anbieten?
       
       Die diplomatischen Bemühungen des Kremls und die wachsende Repression im
       Land könnten auf ein Ende des Ukraine-Krieges hindeuten, analysiert Meduza.
       
 (DIR) Meduza-Auswahl 31. Juli – 6. August: Depressiv im „Dorf des militärischen Ruhmes“
       
       Jeder zweite Mann aus Sedanka kämpft in der Ukraine. Statt beschworenen
       Heldentums beschreiben Journalisten einen Ort, wo es schlicht ums Überleben
       geht.
       
 (DIR) Meduza-Auswahl 24. – 30. Juli: Russland will Kindern im Netz Drohnensteuerung nahebringen
       
       Auf der russischen Onlineplattform „Bärenhöhle“ sollen Kinder spielerisch
       Fähigkeiten als Drohnenpilot entwickeln. In der Schule gibt es dafür
       Pluspunkte.
       
 (DIR) Meduza-Auswahl 26. Juni – 2. Juli: Aus der Kriegsgefangenschaft direkt wieder an die Front
       
       Russland und die Ukraine tauschten Gefangene aus. Moskau schickte die
       Freigelassenen offenbar sofort in den Krieg zurück. Dagegen regt sich
       Widerstand.
       
 (DIR) Meduza-Auswahl 12. – 18. Juni: Was Israel von Russlands Kriegsführung gelernt hat
       
       Russland hat in der Ukraine keine Lufthoheit, das führt zu einer Art
       Pattsituation zwischen Angreifer und Verteidiger. Israel will das im Krieg
       mit Iran verhindern.
       
 (DIR) Meduza-Auswahl 1. – 7. Mai: Die einflussreichsten Rechtsextremen Russlands
       
       Die rechtsextreme Gruppe „Russische Gemeinschaft“ führt Razzien gegen
       Migrant:innen durch und rüstet russische Soldaten in der Ukraine aus.
       Meduza porträtiert sie.