# taz.de -- Bergwandern: Es ist viel los in den Alpen!
       
       > Georg Pawlata ist Wanderführer, Kartograf und Veranstalter. Seine neue
       > Vier-Länder-Alpenüberquerung soll abseits überfüllter Alpenwege führen.
       
 (IMG) Bild: Im Gemsteltal hängen Wolken: Impressionen von einer Bergwanderung über die Hintere Gemstelalpe
       
       Wir starten im Kleinwalsertal. Das weite Hochtal auf 1.000 Metern Höhe wird
       von 36 Gipfeln überragt. Mit über 130 Pistenkilometern, modernen
       Liftanlagen und abwechslungsreichen Abfahrten für alle Schwierigkeitsgrade
       ist das Tal ein winterliches Ski-Eldorado. Aber im Frühjahr, wenn die Sonne
       auf über 1.000 Höhenmeter noch nicht so sticht, ist es ein guter
       Ausgangspunkt für Alpenüberquerungen.
       
       Wir überqueren die Berge in Richtung Lech über den Koblatpass. In der
       Hinteren Gemstelhütte begrüßt der muntere Wirt jeden ohne Ansehen mit Bub
       oder Madel. Die Buttermilch aus eigener Herstellung schmeckt hervorragend,
       der Heidelbeerquark auch. Das Kleinwalsertal ist eine österreichische
       Enklave, die für Österreicher nur mit dem Auto umständlich über Deutschland
       erreichbar ist. Oder eben über die Berge wie mit unserem Wanderführer Georg
       Pawlata auf seiner neu entworfenen Vier-Länder-Alpenüberquerung: Sie führt
       von Oberstdorf in Deutschland über Vorarlberg in Österreich und das Engadin
       im Schweizer Kanton Graubünden bis in den Vinschgau in Italien.
       
       Der durchtrainierte 51-jährige Innsbrucker, studierter Geograf, Bergfex,
       Wanderführer, ist auch ein Wege-Trüffelschwein. Seine neueste Verbindung
       ist die [1][Vier-Länder-Alpenüberquerung]. Die Wege sind leicht bis
       mittelschwer. „Als Geograf kenne ich mich gut mit Kartografie aus und kann
       solche Strecken planen“, sagt Pawlata. Eine Wanderverbindung, die vier
       Länder einbezieht, habe ihn gereizt. „Ich habe vor 20 Jahren begonnen, für
       Tourismusverbände und die Tirol Werbung Weitwanderwege zu konzipieren und
       hatte dann vor 15 Jahren die Idee, selbst eine Route zu entwerfen. Und das
       war die Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing, die mittlerweile
       10.000 Leute jedes Jahr gehen. Dadurch hat allerdings die Lebens- und
       Wanderqualität gelitten“, konstatiert Pawlata.
       
       Hinzu käme, dass der Tourismus am Tegernsee oder im Zillertal „seit Corona
       unglaublich stark gestiegen“ sei. „Die Wege wurden teilweise verbreitert,
       sodass viele Fahrradfahrer dazukamen. Da ist einfach alles überlaufen, um
       nicht zu sagen Massentourismus. Und da war mir klar, das will ich nicht
       mehr haben.“
       
       ## Täglich 13 Kilometer
       
       96 Kilometer Luftlinie und vier Länder umfasst seine neue Tour. „Mit der
       Gruppe laufe ich das in sechs Tagen. Jeder Tag so 13 Kilometer“, sagt
       Pawlata. „Zwischendrin gibt es dann Strecken, die man nicht zu Fuß macht,
       weil sie nicht so attraktiv sind. Da nimmt man Bus oder Bahn.“ Dazu kommt
       immer Gepäcktransport. „Am ersten Tag braucht der Gepäcktransport zum
       Beispiel zwei Stunden, um von Oberstdorf nach Lech in Vorarlberg zu kommen.
       Luftlinie geht man da eigentlich nur zehn Kilometer über die Berge. Mit dem
       Auto sind es hingegen 150 Kilometer“.
       
       Pawlata will veranschaulichen, welche schroffe Grenze die Berge sind und
       dass man oftmals viel schneller, vor allem aber näher über die Berge
       wandert, als mit dem Auto weitläufig um sie herum zu fahren. Diese
       Erfahrung gelte für die ganze Strecke, meint Pawlata. „Das ist auch bei der
       letzten Etappe ins Vinschgau so. Mit dem Auto muss man außen herum über den
       Pass fahren. Unsere Tour geht gerade mal 15 Kilometer.“
       
       Entlang der rund 70 Kilometer langen Gesamtstrecke, die wir in einigen
       Teilstücken erwandern, zeigt sich die Vielfalt der Alpenregionen. Unsere
       Wanderung am ersten Tag startet im Kleinwalsertal und führt durch das
       Gemsteltal vorbei an bewirtschafteten Almen zum Koblatpass (2.054 m) an die
       österreichisch–deutsche Grenze und von hier ins Lechtal auf der Tiroler
       Seite des Dreiländerecks Bayern-Tirol-Vorarlberg.
       
       Wir durchqueren zunächst eine Karstlandschaft, die anfangs noch grün und
       abwechslungsreich ist, was sich immer höher auf Schlangenknöterich oder
       Silberdisteln reduziert und auf 2.000 Metern Höhe karg und schwieriger zu
       gehen wird. Endstation ist Lech, wo der touristische Winterboom noch nicht
       angefangen hat und gähnende Leere in den Restaurants herrscht.
       
       Unsere zweite Etappe führt durch ein Hochtal den Lech entlang in Richtung
       Schweiz und weiter über das Stierlochjoch knapp über 2.000 Metern Seehöhe
       in das Klostertal. Von dort geht die dritte Etappe durch eine von der
       letzten Eiszeit geprägte Landschaft mit kleinen Seen und Gletscherschliffen
       hinüber zum Montafon und über das Schlappiner Joch auf 2.201 Metern vom
       österreichischen Bundesland Vorarlberg in den schweizerischen Kanton
       Graubünden. Es ist der vierte Tag unserer Wanderung. Das gleichmäßige Gehen
       hat sich in der Gruppe eingeschliffen, es wird leichter, und
       abwechslungsreiche Bergpanoramen entschädigen für Muskelkrämpfe.
       
       ## Gibt es nicht schon genug Wege über die Alpen?
       
       Die rätoromanischen Bergsteigerdörfer auf der fünften Etappe wie Ardez oder
       Guarda mit ihren alten, kunstvoll verzierten Häusern und traditionsreichen
       Kurorten wie Scuol, mit ihren saftigen, blumenreichen Almen auf sonnigen
       Bergrücken sind eine idyllische Wegstrecke.
       
       Unsere sechste und letzte Etappe führt nach Italien in den Vinschgau. Von
       S-charl, einem kleinen Schweizer Bergdorf auf 1.800 Metern Höhe, geht es
       über das Münstertal nach Taufers in Italien. Etwa zwei Drittel des
       u-förmigen Tales liegen in der Schweiz, der Rest in Südtirol. Es ist eine
       abwechslungsreiche, ungewöhnliche Tour, die Pawlata ausgearbeitet hat. Aber
       gibt es nicht schon genug Wege über die Alpen? Soll nun alles vermarktet
       werden?
       
       „Natürlich trage ich zur touristischen Angebotsentwicklung bei. Aber ich
       will keinen Massentourismus. Bei uns gehen jeden Tag zwischen zehn und 30
       Leute los. Und die fallen eigentlich gar nicht auf.“ Er biete mit der neuen
       Tour eine Alternative zu bestimmten Routen, wie zum Beispiel dem
       Europäischen Fernwanderweg E5, der von Oberstdorf nach Meran über die Alpen
       führt. „Seit Corona ist viel los in den Alpen. Die Berghütten am Weg sind
       teils überfüllt“, bekräftigt er. „Ich liebe die Berge nach wie vor. Meine
       Eltern haben mich schon mit sechs Jahren auf Skitour mitgenommen und wir
       sind in den Bergen aufgewachsen“. Er wolle ein anspruchsvolles,
       nachhaltiges Produkt anbieten, auch was die Unterkunft betrifft. Dazu
       gehöre auch der tägliche Gepäcktransport. Und Wandertourismus sei etwas
       sehr Nachhaltiges. „Am besten natürlich, wenn man mit dem Zug anreisen
       würde“, sagt Pawlata.
       
       Wandern habe das Großvaterimage abgelegt. Es sei auch für 25-Jährige hip,
       die Wanderschuhe anzuziehen und in die Berge zu gehen. „Das war vor 15
       Jahren noch nicht so! Das hat sich wirklich geändert in relativ kurzer
       Zeit.“ Das zeige auch die Mode, findet er. „Auch in der Großstadt laufen
       die Leute in Patagonia-Klamotten und North Face oder wie sie alle heißen
       herum.“
       
       22 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.die-alpenueberquerung.com
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Edith Kresta
       
       ## TAGS
       
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 (DIR) Wandern
       
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