# taz.de -- Forschungsstandort Deutschland: Fixiert auf Technik
       
       > Rollback für die deutsche Innovationspolitik. Beteiligung der
       > Zivilgesellschaft an der Wissenschaftspolitik ist zurückgedrängt.
       
 (IMG) Bild: Rollback-Model: Dorothee Baer (CSU), Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, am 16.7.2025
       
       Im Bundesforschungsministerium von CSU-Ministerin [1][Dorothee Bär] gibt es
       jetzt eine Art digitaler Leitwarte, mit der sich die aktuellen
       Entwicklungen in der deutschen Wissenschaft in Echtzeit verfolgen lassen.
       „360-Grad Hightech-Monitoring“ nennt sich das Tool, das ein zentraler
       Bestandteil der neuen „Hightech-Agenda“ ist, die in der kommenden Woche vom
       Bundeskabinett verabschiedet werden soll.
       
       „Wir führen darin existierende Datensätze zusammen und schaffen somit einen
       einheitlichen und einfachen Zugang zu allen relevanten Informationen des
       deutschen Forschungs-, Technologie- und Innovationsstandorts im
       internationalen Vergleich“, wird das „digitale Dashboard“ beschrieben.
       
       Das KI-Gimmick ist auch ein passendes Symbol für den Rollback, der für die
       deutsche Innovationspolitik auf Bundesebene gerade eingeläutet wird. War
       noch die „Zukunftsstrategie Forschung und Innovation“ der Ampelkoalition
       darauf ausgerichtet, große gesellschaftliche Herausforderungen über
       wissenschaftliche „Missionen“ zu bewältigen, so schlägt die neue Agenda
       einen rein Technologie-fixierten Weg ein. Sechs Schlüsseltechnologien,
       darunter k[2][ünstliche Intelligenz] (KI) und Quantentechnologie, sollen in
       Deutschland so gepusht werden, dass die wirtschaftliche
       Wettbewerbsfähigkeit einen ordentlichen Sprung nach vorn macht.
       
       „Mit einer KI-Offensive wollen wir bis 2030 zehn Prozent unserer
       Wirtschaftsleistung KI-basiert erwirtschaften“, wird als ein Ziel
       angegeben. Ordentlich Geld – nämlich 5,5 Milliarden Euro – ist dafür im
       Sondervermögen Infrastruktur für diese Legislaturperiode vorhanden. Die
       Technologie-Zentriertheit und -Gläubigkeit erinnert an die frühen 70er
       Jahre, als die SPD das Bundesforschungsministerium übernahm und darin einen
       wirkungsvollen Hebel zur Modernisierung Deutschlands sah.
       
       Die Fortschritte der letzten Jahre, als etwa die zivilgesellschaftliche
       Plattform „Forschungswende“ für eine stärkere Beteiligung der Gesellschaft
       an der Wissenschaftspolitik stritt, sind perdu. In der neuen
       Hightech-Agenda, die ganz nach bayerischen CSU-Vorbild gestrickt ist,
       kommen gesellschaftliche Themen nur am Rande vor. „Es geht darum, die
       Dynamik der [3][Mensch-Maschine-Interaktion] besser zu erfassen“, heißt es
       in der Agenda.
       
       Die digitale Transformation der Geistes- und Sozialwissenschaften hat Fahrt
       aufgenommen. „In der ganzen disziplinären Breite der Geistes-, Kultur- und
       Sozialwissenschaften werden inzwischen mit computergestützten Verfahren
       neue Methoden und Forschungsfragen vorangetrieben“, wird konstatiert.
       Immerhin ist ab 2026 auch der Aufbau einer „Dateninfrastruktur zur
       Extremismusbekämpfung“ geplant.
       
       17 Jul 2025
       
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