# taz.de -- „Journalismus ist wie ein Seiltanz“
       
       > Wenn Journalist*innen mit Opfern von staatlicher und krimineller
       > Gewalt arbeiten, wird es oft zur Belastung. Todesdrohungen und Mobbing
       > sind in Venezuela Alltag
       
 (IMG) Bild: Ronna Rísquez, aus Venezuela, wurde für ihr Medienportal Connectas am 18. Juni mit dem König-von-Spanien-Preis für Pressefreiheit ausgezeichnet
       
       taz: Warum haben Sie sich für das Auszeitprogramm beworben? 
       
       Ronna Rísquez: Ich arbeite seit 25 Jahren in einem Land, Venezuela, in dem
       Journalist*innen verfolgt werden. Von Pressefreiheit kann keine Rede
       sein, es herrscht Zensur, Medien werden dichtgemacht. Journalisten
       riskieren Haft, wenn ihre Berichte der Regierung nicht gefallen.
       
       taz: Es gibt den sogenannten Hass-Paragrafen gegen kritische Berichte … 
       
       Rísquez: Journalismus in Venezuela ist wie ein Seiltanz. Das ist belastend,
       vor allem für Journalistinnen wie mich, die mit Opfern von staatlicher und
       krimineller Gewalt arbeiten. Ich war einfach müde, ich brauchte eine Pause.
       
       taz: Sie haben 2023 ein Buch über eine kriminelle Bande geschrieben … 
       
       Rísquez: Das Buch hat einen enormen Skandal ausgelöst, bis hin zu
       US-Präsident Donald Trump, der den Namen der Bande benutzt hat, um
       venezolanische Einwanderer zu kriminalisieren. Aber ich sehe es als meine
       Aufgabe an, die Wahrheit herauszufinden und darüber zu schreiben.
       
       taz: Was haben Sie herausgefunden? 
       
       Rísquez: Ich beschreibe die Geschichte und den Charakter dieser Bande, ihre
       Arbeitsweise. Sie entstand in einem Gefängnis, das sie bald kontrollierte
       und in eine kleine Stadt umwandelte. Später machte sich die Gruppe auch in
       Chile, Peru und Ecuador breit. Sie verdient ihr Geld mit Menschen- und
       Drogenhandel, Auftragsmord, Raub, Erpressung und so weiter. Außerdem habe
       ich allgemein über die wachsende Kriminalität in Venezuela geschrieben.
       
       taz: Wie hat denn die Mafia auf Ihr Buch reagiert und wie die Regierung? 
       
       Rísquez: Mir wurde in sozialen Medien mit dem Tode gedroht, nicht direkt,
       sondern über Verwandte. Ziel war vor allem mein Sohn, der damals 16 Jahre
       alt war. Die Polizei hat ermittelt, aber bislang ohne Ergebnis. Die Quelle
       der Drohungen bleibt bis heute unbekannt. Vor Kurzem haben mir
       regierungsnahe Medien vorgeworfen, durch die Veröffentlichung meines Buches
       Unruhen verursacht zu haben.
       
       taz: Hat die Regierung selbst etwas unternommen? 
       
       Rísquez: Es gab Razzien im Gefängnis, gleichzeitig hat sie die Existenz
       dieser Mafiagruppe abgestritten.
       
       taz: Wie haben Sie die Auszeit bislang genutzt? 
       
       Rísquez: Sie ist Gelegenheit, in Ruhe und Sicherheit zu sein und außerdem
       neue journalistische Arbeitsweisen kennenzulernen. Ich lade meine Batterien
       auf. Journalismus ist schließlich ein Pfeiler der Demokratie, und die
       müssen wir verteidigen.
       
       21 Jun 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Lorenz
       
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