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       ## Wer war zuerst da? Die Kolleg:innen oder das Schoko-Ei?
       
       Am Anfang dieser Woche lag morgens ein Schokobon auf meinem Schreibtisch.
       Ohne Notiz. Auf keinem anderen Tisch in Sichtweite lag ein solches kleines
       Schokoei. Seltsam, denn ich war am Tag zuvor eine der letzten, die das Büro
       verließ, und am Morgen die erste, die wieder da war (das harte Schicksal
       einer Nachrichtenchefin, ich bitte um Mitleid).
       
       Es bleibt also ein schmales Zeitfenster, in dem nur wenige Kolleg:innen
       hier waren. Und nach meinem Wissen niemand, der mir einfach so ein
       Schokobon gönnen würde. Das Plastikpapier knistert, während ich das
       Schokobon skeptisch zwischen den Fingern rolle. Vincent aus dem sechsten
       Stock bringt mir manchmal Schokolade vorbei – die mit Earl Grey, weil die
       dort oben keiner mag. Das ist wirklich nett, aber führt mich zum nächsten
       Punkt: Wie armselig ist bitte ein einzelnes Schokobon? Wenn mir jemand eine
       Freude machen wollte, hätte die Person doch eine Tafel Schokolade
       hingelegt. Oder wenigstens einen Schokoriegel. Aber ein einziges Schokobon?
       Das ist keine Geste. Das ist eine Provokation!
       
       Und dann auch noch ohne Notiz. Wahrscheinlich wusste die anonyme Person,
       dass mich dieses Rätsel den halben Tag beschäftigen und von der Arbeit
       ablenken würde. Es bleibt nur ein Schluss: Das Ziel war, mich zu
       irritieren. Als die Schokolade in meinem Mund schmilzt, muss ich trotzdem
       ein bisschen lächeln.
       
       Alexandra Hilpert
       
       26 Jun 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexandra Hilpert
       
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