# taz.de -- Die Wahrheit: Der Pilger
       
       > Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die geneigte
       > Leserschaft an einem Poem über einen glücklichen Latscher erfreuen.
       
       Das Herbergsbett erzittert 
       
       vor fremdem Schnarch-Radau. 
       
       Der Pilger lechzt verbittert 
       
       nach Schlaf im fahlen Grau. 
       
       O Pilger, nutz die Frühe. 
       
       Und schraub dich in die Höh. 
       
       Es lohnt die große Mühe, 
       
       tut auch das Kreuz noch weh. 
       
       Ergreif ihn nun, den Stecken. 
       
       Von mir aus auch den Stab. 
       
       Die Glieder sollst du strecken 
       
       und setzen dich in Trab. 
       
       Nee. Trab ist übertrieben. 
       
       Egal. Nun hatsch dahin. 
       
       Du wirst es bald schon lieben. 
       
       Begreifst des Pilgerns Sinn. 
       
       Und merkst, wie alles Sorgen 
       
       sich schrittweis’ niederlegt.
       
       Für heute. Und auch morgen. 
       
       Solang der Weg dich trägt. 
       
       Auf Schusters Rappen reite 
       
       und schreite frisch fürbass. 
       
       Da vorne liegt die Weite. 
       
       Von hinten wird es nass. 
       
       Und lass dich nicht beirren. 
       
       Du gehst dich schließlich frei. 
       
       Falls plötzlich Fragen schwirren: 
       
       Was soll die Latscherei? 
       
       Wo krieg ich was zu essen? 
       
       Wann geht der nächste Bus? 
       
       Das musst du schnell vergessen. 
       
       Nur setzen Fuß vor Fuß. 
       
       Bei Steigung zügig streben, 
       
       als gingst du himmelwärts. 
       
       In dir das starke Beben? 
       
       Da pumpert nur dein Herz. 
       
       Lass deine Blicke schweifen. 
       
       So herrlich grünt der Klee. 
       
       Lass Freude in dir reifen. 
       
       Die Blase reift am Zeh. 
       
       Und bist du angekommen, 
       
       dann herrscht das Hochgefühl. 
       
       Obwohl. Du merkst beklommen, 
       
       wie es sich rasch verkühlt. 
       
       Das Ziel ist fad am Ende. 
       
       Der Weg: Er war dein Glück. 
       
       Da machste halt ne Wende 
       
       und pilgerst gleich zurück.
       
       19 Jun 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Holger Paetz
       
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