# taz.de -- Jasmin Ramadan Einfach gesagt: Schaf, Aszendent Milchshake
Habt ihr schon Pläne für den Sommer?“, fragt die Frau ihre Freunde beim
Lunch im Flora-Park. „Eskapismus!“, sagt eine andere. –„Realitätsflucht in
Sandalen?“
„Wohin?“, fragt ein Typ. – „Dahin, wo in meinem Kopf kein Alarm angeht.“ –
„Ins Land der seligen Möglichkeiten.“ „Was macht man da?“ –„Sich täglich
die Haare färben.“
Hab’gelesen, die Haarfarbe des Sommers sei Milkshake Blond! Cremig Weiß wie
Vanilleeis.“
„Klingt klassistisch.“„Aquarellmalerei könnte helfen abzudriften.“ –
„Kindlich, banal vergnüglich.“ – „Kindheit ist nicht banal.“ – „Im besten
Fall schon, oder?“
„Durftet ihr nach der Schule fernsehen?“ – „Klar, Brülltalkshows am
laufenden Band, meine Eltern haben gearbeitet und ich hab’bei Ofenbaguette
Leuten zugesehen, die ihren Hass performten.“
„Vielleicht der Grundstein für alles heute.“ – „Der moralische Abgrund als
Unterhaltungsformat.“ – „Vorhang auf für die Weltbühne.“ –„Ganz ohne
anstachelnde Moderation.“ – „Narzisstische Motoren laufen von selbst.“
„Wollten wir nicht über Nagellack sprechen?“ – „Haarfarben.“ – „Der
Nagellacktrend der Stunde ist zartes Rosa.“ – „Perfekt zu Milkshake Blond.“
– „In a Barbie World.“ – „Gibt es eigentlich Armee-Barbie?“
„Ich guck’Leuten beim Binge Eating zu, um mich von der Weltlage
abzulenken.“ –„Was essen die?“ – „Alles, von Chicken Wings bis vegan.“
„Dann lieber Astrologie, hier steht, drei Sternzeichen schaffen im Sommer
den großen Durchbruch!“ „Mit was?“ – „Steht da nicht.“ – „Und: Diese drei
Sternzeichnen sind jemandem begegnet, der ihr ganzes Leben verändern wird.“
„Welches Sternzeichen hat Merz?“ – „Warte … 11. November.“ –„Trump? – „14.
Juni.“ – „Fuck, wie meine Mutter, Zwilling!“ – „Und was heißt das?“ – „Dass
meine Mutter und Trump … ähm.“
„Gemeinsamkeiten?“ – „Beide färben sich die Haare!“ – „Elon Musk: 28.
Juni!“ – „Ein Krebs, eigentlich nette Leute.“
„Hier steht Skorpione haben ein turbulentes Jahr, Höhen, Tiefen, eine neue
Liebe, wenn sie auf Risiko gehen und das Bauchgefühl Akzente setzen
lassen.“
„Wer ist denn Skorpion?“ – „Merz!“ – „Vielleicht könnte er sich den
mittleren Haarrest Milkshake Blond färben.“ – „Warum?“ – „Um Akzente zu
setzen.“ – „Ach, schön, der eskapistische Lunch mit euch.“
„War nicht im Grunde die Happiness darüber eskapistisch, dass Merz bei
Trump so chillig auf Buddy gemacht hat.“
„Alle so: Er mag ihn, wir sind gerettet.“ – „Gefallsucht frisst Ratio.“ –
„Die Presse war hingerissen.“ – „Das habe er gut gemacht!“ – „Wie beim
eigenen Kind in der ersten Karatestunde.“
„Trump vergleicht ja auch gern mit Kindern.“ – „Die sich kloppen.“ – „Seine
Welt eben.“ – „Und jetzt hat er ganz viele Kinder nach L. A. geschickt,
damit die sich mit anderen Kindern raufen.“ –„Ich lese diesen Sommer
einfach nur Kinderbücher.“
„Man könnte auch Drogen nehmen.“ – „Fällt das unter Eskapismus?“ – „Ein
Flamencokurs wäre gesünder.“ – „Wieso Flamenco?“ – „Da kann man mit dem Fuß
aufstampfen und ein ernstes Gesicht machen.“
„Vielleicht lerne ich ein Instrument, so ganz befreit, also eins, dass
keinen Eindruck macht.“ – „Panflöte?“ – „Gute Idee, dazu einen
Hirtenworkshop.“ – „In den Bergen gibt es sicher kein Internet.“ –„Nur
milchshakeblonde Schafe.“
13 Jun 2025
## AUTOREN
(DIR) Jasmin Ramadan
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