# taz.de -- Protest gegen Polizeigewalt in Kenia: Die Regierung online kritisieren ist lebensgefährlich
       
       > Wieder ist in Kenia ein Online-Aktivist in Polizeigewahrsam ums Leben
       > gekommen. Ein Jahr nach blutigen Unruhen nimmt die staatliche Härte
       > erneut zu.
       
 (IMG) Bild: Demonstranten reagieren auf den Tod des kenianischen Bloggers Albert Ojwang, der in Polizeigewahrsam starb, in Nairobi, 9. 6. 2025
       
       Kampala taz | „Hört auf, uns umzubringen!“, steht auf einem Plakat, das
       Demonstranten in Kenias Hauptstadt Nairobi hochhalten. „Stoppt das Töten
       durch Polizeikräfte“, steht auf einem anderen. Wieder einmal ist in Kenia
       ein Onlineaktivist in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen. Albert Omondi
       Ojwang, 31 Jahre alt, Lehrer von Beruf, wurde am vergangenen Freitag in
       seiner Heimatstadt Homa Bay im Westen des Landes verhaftet, weil er online
       Kritik an Vize-Polizeichef Eliud Lagat geübt haben soll. [1][Er überlebte
       das nicht.]
       
       Ojwang wurde am Samstag nach Nairobi transportiert und in eine Zelle in der
       zentralen Polizeistation gebracht. Laut Kenias Polizeisprecher soll er in
       seiner Zelle den Kopf „gegen die Wand geschlagen“ haben. Er sei daraufhin
       ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo nur noch sein Tod festgestellt
       werden konnte. Seine Angehörigen hingegen beschuldigen die Polizei, ihn
       getötet zu haben. Sein Körper weise schwere Verletzungen auf, auch an
       Schultern und Händen, so der Anwalt der Familie, Julius Juma.
       
       Albert Ojwang ist nicht der erste Onlineaktivist, der jüngst in Kenia
       verhaftet wurde. Fast genau ein Jahr nach landesweiten [2][Massenprotesten
       der sogenannten „Generation Z“] gegen ein neues Haushaltsgesetz mit
       kontroversen Steuererhöhungen, bei denen über 50 Menschen von der Polizei
       getötet wurden, sind zahlreiche Onlineaktivisten, Blogger und
       IT-Spezialisten, die damals die Proteste online befeuerten, verhaftet
       worden – oder gar spurlos verschwunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt
       gegen sie auf Basis des Gesetzes gegen Computermissbrauch und Cyber-Crime
       aus dem Jahr 2018. Zu den darin genannten Straftaten fällt auch die Nutzung
       von falschen Identitäten online und die Beleidigung von Amtsträgern in
       sozialen Medien.
       
       Vergangene Woche wurde [3][die Softwareentwicklerin Rose Njeri verhaftet].
       Sie hatte einen Link zu einer Erklärseite über das Haushaltsgesetz
       gepostet. Kenias Parlament debattiert derzeit das Budget für das
       Haushaltsjahr 2025/2026, wieder sind Steuererhöhungen im Gespräch. Der
       kenianische Staat steckt in einer tiefen Schuldenfalle. Steuererhöhungen
       sind aus Sicht der Regierung von Präsident William Ruto unumgänglich, um
       die Verschuldung nicht noch weiter zu erhöhen.
       
       Bereits vergangene Woche protestierten Jugendliche vor der zentralen
       Polizeistation in Nairobi wegen der Verhaftung von Njeri, Mutter von zwei
       Kleinkindern. Am Wochenende versammelten sich nun hunderte Demonstranten
       zunächst vor der Leichenhalle des Krankenhauses, in welcher Ojwangs Leiche
       obduziert werden soll. Sie marschierten dann aber zur Polizeizentrale. Die
       Obduktion wurde deswegen vertagt und fand erst am Montag statt. Immerhin,
       Kenias Polizei hat interne Ermittlungen angestrengt und die zuständigen
       Beamten suspendiert.
       
       10 Jun 2025
       
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 (DIR) [2] /Massenproteste-in-Kenia/!6019071
 (DIR) [3] https://x.com/LarryMadowo/status/1929839739118784610
       
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