# taz.de -- Massive russische Luftangriffe: Wieder um den Schlaf gebracht
       
       > Die ukrainische Hauptstadt Kyjiw wird in der Nacht erneut mit russischen
       > Drohnen und Raketen angegriffen. Wieder gibt es Tote und Verletzte.
       
 (IMG) Bild: Wohnhaus in Kyjiw nach einem russischen Angriff in der Nacht zu Dienstag
       
       Kyjiw taz | Dicke Rauchschwaden hängen am Dienstagvormittag über der
       ukrainischen Hauptstadt. Erneut ist Kyjiw von Drohnen angegriffen worden.
       315 russische Drohnen und sieben Raketen, so berichten ukrainische Medien,
       seien auf die Ukraine in der Nacht zum Dienstag abgefeuert worden.
       Besonders betroffen waren Kyjiw und Odessa.
       
       Bei dem Angriff, so die Ukrajinska Prawda unter Berufung auf die lokale
       Militäradministration und Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko, seien eine
       Frau getötet und sechs Personen verletzt worden. Betroffen, so die
       Militäradministration des Gebietes Kyjiw, waren acht Rayons der Stadt. Es
       entstand großer Sachschaden – an Autos, Büroräumen, Lagerhallen sowie
       bewohnten und unbewohnten Häusern, berichtet die Militärverwaltung von
       Kyjiw. In Odessa, so das Portal strana.news, seien in der Nacht zum
       Dienstag durch einen russischen Angriff zwei Personen getötet und neun
       weitere verletzt worden.
       
       Wieder einmal waren es vor allem vier Geräusche, die die Bewohner von Kyjiw
       in dieser Nacht um den Schlaf brachten. Meistens fängt es nach Mitternacht
       mit dem leisen Surren eines Kleinmotors an, das sich wie ein Moped anhört.
       Nicht umsonst nennt man in den ukrainischen Telegram-Kanälen Drohnen
       Mopeds.
       
       Dem folgt meist Maschinengewehrfeuer mobiler Einheiten von Militärs, die
       die Drohnen versuchen abzuschießen. Mitunter wird auch aus schweren
       Kanonen, offenbar Luftabwehr, auf die Drohnen geschossen. Wenn die Drohne
       nicht abgeschossen werden konnte, ist eine Explosion zu hören – ein dumpfes
       Donnern in der Ferne oder ein Krach in der Nähe, der die Fensterscheiben
       erzittern lässt.
       
       ## Gebete in der Nacht
       
       Mehrere Stunden waren in der Nacht zu Dienstag immer wieder Einschläge,
       Maschinengewehrfeuer und Luftabwehrraketen zu hören. Niemand schläft in den
       Stunden nach Mitternacht. In den Wohnhäusern öffnen sich immer wieder die
       Türen, Nachbarn erzählen, was sie auf Telegram erfahren haben. Irgendwo in
       einer Nachbarwohnung liest eine Frau die neusten Nachrichten der
       ukrainischen Telegram-Kanäle vor, aus einer anderen Wohnung hört man eine
       Frau beten.
       
       „Wieder eine schlaflose Nacht“ kommentierte Katarína Mathernová,
       Botschafterin der EU in der Ukraine, die nächtlichen Angriffe. In
       unmittelbarer Umgebung der EU-Vertretung, so Mathernová, sei ein Gebäude
       von Drohnen angegriffen worden. In einem Post auf X veröffentlichte sie
       Fotos von Löscheinsätzen der Feuerwehr.
       
       „Wieder war es sehr laut“, berichtet der in Odessa lebende Bildhauer
       Michael Reva am Telefon. „Drohnen haben eine Geburtsklinik angegriffen und
       Häuser, in denen alte Menschen leben. Russland beschießt Krankenhäuser und
       Wohnhäuser. Dann sagen sie auch noch, dass sie uns lieben. Was für ein
       Zynismus.“
       
       Glücklicherweise, so Gennadi Truchanow, Bürgermeister von Odessa, sei
       niemand verletzt worden. „Aber allein die Tatsache, dass eine Einrichtung,
       in der Leben geboren wird, angegriffen wurde, entsetzt in ihrer
       Grausamkeit“, schreibt Truchanow auf dem Portal strana.news.
       
       ## Inakzeptable Forderungen
       
       Auch ukrainische Drohnenangriffe auf das russische Grenzgebiet Belgorod
       gehen weiter. Dabei, so berichtet der Gouverneur Wjatschelaw Gladkow auf
       Telegram, sei am Montag ein 8-jähriger Junge verletzt worden. Bei einem
       ukrainischen Angriff auf eine Tankstelle in Belgorod seien ein Mensch
       getötet und vier weitere verletzt worden.
       
       [1][Wenig Bewegung gibt es beim Verhandlungsprozess]. Die russische Seite
       habe bei den Verhandlungen in der Türkei eine Liste inakzeptabler
       Forderungen vorgelegt, zitiert das Portal censor.net den ukrainischen
       Außenminister Andrij Syhiba. Das zeige erneut, dass es wichtig sei, [2][den
       Druck auf Russland und alle, die Russland in diesem Krieg unterstützten, zu
       verstärken].
       
       Das russische Portal lenta.ru zitiert Wladimir Medinski, Leiter der
       russischen Delegation bei den jüngsten russisch-ukrainischen Verhandlungen
       in Istanbul, mit den Worten, russische Bürger würden sich ein härteres
       Vorgehen gegen die Ukraine, einschließlich Einsätzen der
       Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die größten ukrainischen Städte,
       wünschen.
       
       10 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Bernhard Clasen
       
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