# taz.de -- Nach der Papstwahl im Vatikan: Wieder kein Italiener
       
       > Papst Leo XIV., Robert Francis Prevost aus Chicago, versteht sich in der
       > Tradition seines Vorgängers Franziskus. Dennoch dürfte sich einiges
       > ändern.
       
 (IMG) Bild: Hat wenigstens italienische Wurzeln: der neu gewählte Papst Leo XIV
       
       Rom taz | Wenigstens die italienischen Zeitungen wissen genau, wie das
       Konklave gelaufen ist. Darf man dem Corriere della Sera glauben, dann hatte
       erst der heiße Favorit, der Italiener und bisherige Kardinalstaatssekretär
       Pietro Parolin die Nase vorn. Er hatte angeblich im ersten Wahlgang 49
       Stimmen auf sich vereinigt, während Robert Francis Prevost 38 erhielt. Dann
       aber habe sich das Blatt gewendet.
       
       Wieder also kein Italiener. Doch die Medien des Landes trösten sich damit,
       dass der Neue, der aus Chicago stammt, wenigstens italienische Wurzeln habe
       – auch wenn er selbst bloß den französischen Vater, die spanische Mutter
       erwähnte.
       
       Leo XIV. – diesen Papstnamen wählte Prevost – dürfte diese Frage gerade
       jetzt nicht weiter beschäftigen. Der Mann hat genug zu tun. Am Abend nach
       der Wahl stand erst einmal das gemeinsame Abendessen mit seinen
       Kardinalskollegen an, und am Freitagmorgen feierte Leo mit dem kompletten
       Kardinalskollegium inklusive den nicht wahlberechtigten über 80-Jährigen
       eine erste Messe in der Sixtinischen Kapelle. Am Sonntag dann wird er das
       Mariengebet „Regina Caeli“ von der Benediktionsloggia des Petersdoms
       sprechen.
       
       Dann dürften sich wieder Tausende Menschen auf dem Petersplatz versammeln,
       ebenso wie bei der voraussichtlich nächste Woche stattfindenden
       Inthronisationsmesse, bei der Leo ganz offiziell als Nachfolger Petri
       eingesetzt wird. Dass er sich auch als Nachfolger seines Vorgängers
       Franziskus versteht, hatte Prevost schon in seiner Rede unmittelbar nach
       der Wahl deutlich gemacht: Nur ihn erwähnte er, nicht aber etwa dessen
       Vorgänger Ratzinger oder Wojtyla.
       
       ## Glamour und Social Media
       
       Dennoch dürfte sich unter Leo XIV. einiges ändern gegenüber Franziskus.
       Wenigstens ein wenig Glamour ist zurück: Als er sich den Gläubigen
       präsentierte, trug er wieder den roten Schulterumhang ebenso wie den
       prächtig mit den Petrusschlüsseln bestickten Schal, auf die Bergoglio
       verzichtet hatte, und anstatt des simplen silbernen trug er ein goldenes
       Kreuz am Hals.
       
       Auch die Ära der eher bescheidenen Motorisierung dürfte jetzt enden.
       Während Franziskus sich im FIAT 500L kutschieren ließ, kam schon am ersten
       Abend der Amtszeit Leos ein ordentlicher VW-SUV zum Einsatz.
       
       Mit dem fuhr er in sein bisheriges römisches Domizil: Als Kurienkardinal
       hatte er im Palazzo del Sant’Uffizio gleich neben dem Petersdom seine
       Wohnstätte. Seine Ankunft dort, die Begrüßung durch eine Gruppe Gläubiger,
       wurde sofort von einem der Anwesenden per Handy verewigt. Ein Mädchen hält
       ihm ein Buch hin, bittet um ein Autogramm, und Leo gibt zurück, „die alte
       Unterschrift“ gelte ja nun nicht mehr, um sogleich kokett zu fragen,
       „welchen Tag haben wir heute?“, ach ja, der 8. Mai, ach ja, der Tag der
       Papstwahl.
       
       Nicht nur der Papst findet sich anscheinend in der Welt der Sozialen Medien
       gut zurecht, auch der Vatikan ist ganz offiziell mit Video-Posts dabei.
       Kaum war Prevost gewählt, bekam er in der Sixtinischen Kapelle kräftigen
       Applaus der Kardinäle, und – früher undenkbar – ein Kameramann filmte die
       Szene, ebenso wie das stille und einsame Gebet, zu dem sich der frisch
       Gewählte gleich darauf in einer Nachbarkapelle zurückzog.
       
       9 May 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
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