# taz.de -- Antisemitismus in Berlin: Gewaltvoller und enthemmter
       
       > Die Informationsstelle Rias spricht von einem neuen Ausmaß von
       > Antisemitismus, von Angriffen auf Kinder. Kritik gibt es an der
       > verwendeten Definition.
       
 (IMG) Bild: Kein Zweifel am Antisemitismus: Schmiererei an einer Gedenkstätte in Berlin 2013
       
       Berlin taz | Beschädigung von Schoah-Gedenkstätten, Bedrohungen,
       körperliche Gewalt: Die Zahl antisemitischer Vorfälle hat sich in Berlin im
       vergangenen Jahr verdoppelt. 2.521 von ihnen zählte die [1][Recherche- und
       Informationsstelle Antisemitismus RIAS Berlin]. „Antisemitismus hat in
       Berlin ein neues Ausmaß erreicht“, sagt Julia Kopp, Projektleiterin von
       Rias Berlin, am Dienstag während der Vorstellung des Jahresberichts 2024.
       
       Unter die Vorfälle fallen zwei lebensbedrohliche Angriffe. Auch wurden als
       jüdisch oder israelisch wahrgenommene Menschen auf der Straße geschlagen,
       getreten oder bespuckt. „Antisemitismus ist heute gewaltvoller und
       enthemmter als früher“, sagt Julia Kopp.
       
       Immer öfter seien sogar Bildungsorte betroffen: 2024 zählte Rias mehrere
       körperliche Angriffe auf Schulkinder. „Viele von ihnen werden von ihren
       Mitschülern pauschal für den Nahostkonflikt verantwortlich gemacht“,
       erklärt Alexander Rasumny von der Beratungsstelle bei antisemitischer
       Gewalt Ofek.
       
       Mehr als 70 Prozent aller Vorfälle stehen laut Rias-Bericht im Zusammenhang
       mit „israelbezogenem Antisemitismus“. Dabei geht es beispielsweise um
       Vergleiche der humanitären Situation in Gaza mit dem Holocaust. Auch
       Sticker mit Aufschriften wie „Destroy Zionism“ werden als antisemitisch
       eingeordnet.
       
       ## Streit um Definition
       
       „Die Unterscheidung zwischen einer politischen Haltung zur Situation in
       Palästina und Israel sowie Antisemitismus ist nicht immer einfach“, sagt
       Gil Shohat von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv der taz. Zur
       Einordnung legte die Bundesregierung 2017 die sogenannte IHRA-Definition
       als „handlungsleitend“ fest. Auch Rias Berlin wendet sie an.
       
       „Oft wird die IHRA-Definition jedoch politisch genutzt, um grundsätzlich
       Kritik an Israel zu delegitimieren“, sagt Gil Shohat. Anfang diesen Monats
       [2][bekannte sich die Linkspartei deshalb zur Jerusalemer Erklärung zum
       Antisemitismus (JDA)]. Shohat erklärt, die JDA lege die Grenzen des
       Diskurses weiter aus.
       
       Die meisten jüdischen Organisationen in Deutschland kritisierten die
       Entscheidung der Linken. „Es ist bezeichnend, dass Nichtjuden hier die
       Stimmen der gewählten jüdischen Vertreter ignorieren“, sagte Sigmount
       Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am
       Dienstag.
       
       „Auch die JDA ist mehrheitlich von jüdischen und israelischen
       Wissenschaftler*innen entwickelt worden“, entgegnet Gil Shohat.
       Letztendlich sei den meisten Jüdinnen und Juden die Definition egal, sie
       wollten einfach ein Leben in Sicherheit führen.
       
       Die zuständige Senatorin Cansel Kiziltepe (SPD) zeigte sich von den Zahlen
       erschüttert: „Uns muss alarmieren, wie sehr Jüdinnen und Juden in unserer
       Stadt unter Druck stehen.“
       
       20 May 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klarissa Krause
       
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