# taz.de -- +++ taz lab 2025 – der Liveticker +++: Weitermachen in Zeiten multipler Krisen
       
       > Ein debattenreicher Tag jenseits der Empörung endet. Jemand sagte am
       > Morgen: „Am Ende wird mehr gutgegangen als schiefgelaufen sein“ – Recht
       > behielt er.
       
 (IMG) Bild: Parks denen, die sie nutzen – etwa den Gästen des taz labs
       
       19:48 Uhr: Ist da vielleicht auch ein bisschen Erleichterung dabei?
       Sicherlich. Klar ist: Das Motto „Weiter machen“ bleibt aktuell. Bis zum
       nächsten mal!“ (ras)
       
       19:17 Uhr: Das taz lab neigt sich langsam dem Ende zu. Alle, die bis jetzt
       durchgehalten haben, haben sich [1][zur letzten Veranstaltung des Tages]
       vor der Roten Bühne versammelt. Zum Abschluss holt taz lab-Kurator Jan
       Feddersen noch einmal Leute auf die Bühne, „mit denen ich auf der Stelle um
       die Häuser ziehen und auf einer Party Kette rauchen würde“. Er dachte dabei
       an taz-Redakteur Nicholas Potter, Autor Jakob Springfeld, Historikerin
       Hedwig Richter und Journalistin Yelizaveta Landenberger. Das Abschlusspanel
       soll in Zeiten multipler Krisen Mut machen, zum Weitermachen animieren. Mit
       Freude, Hoffnung und Zuversicht! (lv)
       
       19:12 Uhr: Das lief ja wie am Schnürchen! Irgendjemand hat heute früh
       gesagt: „Am Ende des Tages wird mehr gutgegangen als schiefgelaufen sein.“
       Der Satz hat sich bewahrheitet: Bis auf kleine technische Querelen gab
       nichts Empörenswertes zu berichten. Passt! Schließlich ist „Jenseits der
       Empörung“ das Motto des Tages. Und wer doch eine Veranstaltung verpasst
       hat, kann sie sich ja nachher einfach in der Mediathek ansehen. (ras)
       
       19:00 Uhr: Im Besselpark wird es nur langsam ruhiger. Noch ist die Sonne ja
       auch nicht untergegangen! Mal sehen wie es danach aussieht. Keine große
       Party diesmal – aber die Besucher:innen des taz lab werden sich schon
       zu helfen wissen. Der Tresen bleibt schließlich geöffnet. (ras)
       
       18:53 Uhr: „KI ist das, was vor einigen Jahren die Blockchain war: ein
       Hype“. Die Gesellschaft müsse sich nicht mit allem beschäftigen, was in der
       IT gerade in ist, findet Jürgen Geuter, unter der Netzgemeinde besser
       bekannt als „tante“. Er fordert, sich um die echten Probleme in der Welt zu
       kümmern. Das können hungernde Kinder, aber auch prekäre Arbeitsbedingungen
       sein. (tw)
       
       18:31 Uhr: Am 30. April jährt sich zum 50. Mal das Ende des Vietnamkrieges.
       Antikriegsfilme wie „Full Metal Jacket“ ignorieren jedoch die
       vietnamesische Sichtweise auf den Krieg. Dies nehmen Hoang Dang Lanh, Autor
       und Bruder des Schriftstellers Bao Ninh, und Südostasienwissenschaftler
       Gerhard Will im Gespräch [2][„Die Leiden des Kriegs“] zum Anlass, dem
       Publikum auf de taz lab vietnamesische Antikriegsliteratur näher zu
       bringen. Sie lesen aus der Kurzgeschichte „Tosender Sturm“ und eröffnen
       Einblicke in das Innenleben der Prostituierten Suy Nong und ihrer Liebe zum
       melancholischen Vietcong-Soldaten Tuan. (nad)
       
       18:30 Uhr: [3][„Alles KI, oder was?“], fragt Adrian Breitling in seinem
       gleichnamigen Panel. Alle sind sich schnell einig: Der Begriff KI wird gern
       genutzt, weil er schick klingt. Neu ist, dass Neuronale Netze heute
       generischer trainiert sind als ihre Vorgängertechnologien. Sozio-Technologe
       Jürgen Geuter bringt es auf den Punkt: „Menschen verändern die Welt, nicht
       Technik verändert die Welt.“
       
       Trotzdem wirft der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz neue Fragen
       auf, die erörtert werden müssen. „Wir übersehen leicht, wie wir als
       Gesellschaft KI eigentlich einsetzen wollen“, meint Soziologin Alice
       Rombach. Marian Gläser, Gründer des KI-Startups brighter AI, fordert in
       diesem Zusammenhang eine bewusste Auseinandersetzung mit KI-Werkzeugen.
       (tw)
       
       18:27 Uhr: Hunderte Verletzte, Tote und entführte Geiseln – am 7. Oktober
       2023 wurde das israelische Musikfestival Supernova zum Ziel eines
       Terroranschlages der Hamas. taz-Autor Nicholas Potter bezeichnet das
       Massaker als Leerstelle, die seitdem in der Berliner Clubszene geblieben
       ist. „We will dance again“ lautet das Motto der Überlebenden. Aber: [4][Wie
       weitertanzen?] Mit wem? Und ist die Clubszene noch ein sicherer Ort?
       
       Für Party-Promoter Roy Siny war die Berliner Clubszene bis zum
       Nova-Massaker ein Ort der Befreiung – fast schon eine gelebte Utopie. Die
       Sicherheit, mit der er früher auf dem Dancefloor tanzte, sei nun
       verschwunden. Elisabeth Steffen, Pressesprecherin des Berliner Technoclubs
       //: about blank, berichtet von den Veränderungen, die sie seit dem 7.
       Oktober 2023 erlebt. Veranstaltungen unter Polizeischutz habe es früher
       nicht gegeben.
       
       Die queer-jüdische Aktivistin Rosa Jellinek wehrt sich allerdings gegen
       diese „verklärte Sicht“, mit der die Clubszene rückblickend idealisiert
       werde. Differenzen und Diskriminierung habe es schon immer gegeben. (lv)
       
       18:24 Uhr: Nachdem die Journalist*innen den ganzen Tag auf dem taz lab
       bisher vor allem ihrer Arbeit nachgingen, Gespräche führten und
       moderierten, gibt es am kühler werdenden Abend noch einmal Raum für
       Perspektiven von Nachwuchsjournalist:innen.
       
       Im Januar und Februar startete die taz Panter Stiftung das Projekt „Panter
       Jugend 2025“. 26 Nachwuchsjournalist:innen kamen zusammen, um sich
       Gedanken darüber zu machen, in welcher Welt sie leben möchten. Vier von
       ihnen – Wiebke Howestädt, Robert Saar, Luna Afra Evans, Federico Svezia –
       sitzen am Küchentisch des taz labs. Dort sprechen sie mit Gemma Terés
       Arilla, Leiterin der taz Panter Stiftung, und Ole Schulz,
       Projektkoordinator der taz Panter Stiftung, über die politische Lage.
       
       Federico Svezia, der gerade Abitur macht, schrieb über die ökonomischen
       Auswirkungen von Bürgergeldkürzungen, Robert Saar füllte eine Seite zum
       Thema Migration. Die Migrationsdebatte sei an Unmenschlichkeit nicht zu
       überbieten ergänzt Luna Afra Evans. Obwohl die politische Lage für den
       journalistischen Nachwuchs beunruhigend wirkt, warnt Robert Saar davor, den
       Aufstieg der AfD als Naturgesetz darzustellen: „Wir sind nicht das
       Kaninchen vor der Schlange.“
       
       Auf die Frage im Titel des Panels: [5][„In welcher Welt möchtest du
       leben?“], antwortet Wiebke Howestädt: „Ich möchte in einer Welt leben, in
       der ich aus einer Berechtigung heraus zuversichtlich bin. Das ist, was mir
       gerade ein bisschen fehlt. Weniger Frustration, mehr Zuversicht.“ (lla)
       
       17:50 Uhr: Zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wird es
       heute ernst: Anja Krüger aus der taz-Öwi-Redaktion leitet eine intensive
       Diskussion rund um die Zukunft der Atomkraft in Deutschland. Auf dem
       Podium: Armin Simon, Referent für Atompolitik und Reaktor-Risiken, die
       Technikhistorikerin Anna Veronika Wendland und die Physikerin Oda Becker.
       
       Während die Union in ihrer Wahlkampagne den Slogan „Back to Atom“
       propagierte, wurde die Rückkehr zur Kernenergie in den Koalitionsgesprächen
       nicht konkret angekündigt.
       
       Wird es ein [6][„Comeback der Atomkraft“] geben, oder ist das Thema für
       Deutschland endgültig passé? Diskutiert wird nicht nur über die Risiken
       bestehender Atomkraftwerke, sondern auch über die zentrale Frage: Wohin mit
       dem Atommüll? Was macht Endlagerung sicher? Fest steht: In dieser Runde
       wurde viel Energie freigesetzt – ganz ohne Kernspaltung. (cb)
       
       17:34 Uhr: „Ich möchte nicht überwacht werden. Lasst es!“, ruft der Autor
       Michael Seemann. Dieses Bedürfnis scheint das Publikum zu teilen. Hat es
       eben noch gespannt gelauscht, bricht es nun in tosendem Applaus aus.
       Alternativen zur Datenökonomie mit all ihren Nebeneffekten könnten
       öffentlich-rechtliche, dezentralisierte Plattformen schaffen. Das fordert
       Informatikerin Elina Eickstädt nicht nur als Privatperson, sondern auch als
       Sprecherin des Chaos Computer Clubs. (tw)
       
       17:28 Uhr: „Ob das Internet wirklich so am Arsch ist, wie es manchmal
       scheint“, will taz-Redakteurin Shayna Bhalla im Panel [7][„Von der
       Datenschutzgrundverordnung zur Broligarchie“] von ihren Gäst*innen
       wissen. Diese antworten, dass die Plattformmacht größer werde. Die
       Internetfirmen bauen ihre Monopole immer weiter aus.
       
       Besonders beunruhigt zeigt sich die Runde von den Entwicklungen im Weißen
       Haus. „Die Techunternehmen sitzen wie die Ritter an der Tafelrunde und
       loben ihren König“, findet Medienforscher Michael Seemann. Er warnt vor
       dieser Machtübernahme: „Wenn die Mächte Staat und Plattform verschmelzen,
       werden uns unsere Märkte, unsere Freundschaften und unsere Diskurse
       geklaut.“ Mit Trump an ihrer Seite wenden sich die Techfirmen gegen Europa,
       weil ihnen Datenschutzgesetze nicht passen.
       
       Warum dagegen wenig unternommen wird? Darauf liefert Informatikerin Elina
       Eickstädt eine einfache Antwort: „Netzpolitik ist kein sexy Thema. Damit
       gewinnt man keine Wahlen.“ (tw)
       
       17:23 Uhr: Als „politisches Comeback der absoluten Extraklasse“, beschreibt
       Julian Müller-Kaler, Associate Fellow bei der Deutschen Gesellschaft für
       Auswärtige Politik, die Wiederwahl von Trump. Er stand quasi mit einem Bein
       im Gefängnis und wurde trotzdem von der Mehrheit der amerikanischen
       Bevölkerung gewählt. In anderen Worten: [8][„Das Trumpeltier ist
       ausgebrochen]“. Das Gefährlichste dabei? „Trump ist unberechenbar!“
       
       „Trump hat keine Ahnung, was er da tut. Seine Berater wissen das hingegen
       ganz genau“, fasst Michaela Dudley die bisherige Amtszeit zusammen. Mit
       rosa Mütze und neonpinker Sonnenbrille bringt die Berliner Queerfeministin
       und taz-Kolumnistin Farbe in das sonst eher kahle Studio Mint. Nach kurzer
       Werbeunterbrechung für Dudleys neues Buch fragt taz-Autor Ulrich Gutmair,
       was der Slogan „Make America Great Again“ für die amerikanische
       Gesellschaft und Demokratie bedeutet – und die Diskussion nimmt an Fahrt
       auf. (lv)
       
       17:12 Uhr: Wo steht Indien heute nach Beginn der dritten Amtszeit von
       Narendra Modi? Und wie sieht zivilgesellschaftlicher Widerstand in Modis
       autoritärem Indien aus? Dies diskutieren Sarnath Banerjee, Graphic
       Novelist, Debjani Bhattaryya, Professorin für die Geschichte des
       Antropozäns, Dirk Wiemann, Professor für Englische Literatur und Priyam
       Goswami Choudhury, Postdoktorandin am Institut für Anglistik und
       Amerikanistik in Potsdam mit dem taz-Asienredakteur Sven Hansen im
       Lightning Talk [9][„Indien unter Modi“].
       
       Debjani Bhattaryya unterstreicht, dass Modi es geschafft hat, sich mit
       einem bisher nicht dagewesenen und allumfassenden Personenkult als „Marke
       Indiens“ zu inszenieren. Modi schafft es nach Ansicht Banerjees außerdem
       auf „brilliante Weise, die Hoffnungen und Träume Indiens in einer
       marvel-ähnlichen Weise zu framen“.
       
       Dem gegenüber gelinge es der Opposition momentan noch nicht, ein
       überzeugendes Gegen-Narrativ zu etablieren, obwohl Indien immer noch eine
       pluralistische und diverse Gesellschaft sei. Laut Goswami und Wieman ist
       Indien allerdings immer gut für eine Überraschung.Die Referierenden sind
       sich einig darüber, dass aus dieser Vielfalt überraschend und unerwartet
       eine starke Opposition zu Modis autoritärem Indien entwachsen könnte, wie
       sich schon bei dem monatelangen Protest der Bauern gegen Modis neue
       Preisbestimmungen für landwirtschaftliche Produkte im letzten Jahr zeigte.
       (bsz)
       
       17:04 Uhr: Spannend und persönlich geht es am Küchentisch weiter mit
       [10][„Wann ist ein Migra kein Migra mehr?“]: lab-Kurator Jan Feddersen
       fragt die Anwesenden, was Migration für sie bedeutet. Racha Kirakosian,
       Professorin für Germanistische Mediävistik an der Uni Freiburg, beschreibt
       Migration als „wandernden Begriff“.
       
       In den USA frage man nicht, ob man eine Emigrationsgeschichte hat, sondern
       welche. Sie schildert den inneren Konflikt zwischen ihrem Drang, in der
       Schule „immer besser als sehr gut“ zu sein, und dem Vorwurf, sie würde die
       „Migra-Karte“ spielen. Zerrin Eren, die als Kind ohne Deutschkenntnisse
       nach Hamburg kam, erinnert sich daran, wie sie versuchte, sich anzupassen.
       Es dauerte lange, bis sie ihre Herkunft als Bereicherung ansah. Murat
       Kayman, Jurist aus Lübeck, betont: „Manchmal braucht es einfach Menschen,
       die einem das neue Zuhause mit Herz zeigen.“ (cb)
       
       16:51 Uhr: Welche Rolle Kinder und Jugendliche in der deutschen Politik
       spielen – und spielen werden – deutete sich bereits im Dezember an. Bei der
       Spendengala „Ein Herz für Kinder“ spendete SPD-Chef Lars Klingbeil 500 Euro
       Spende, Friedrich Merz, Kanzler in spe, gab immerhin 4.000 Euro. Soweit zu
       den Prioritäten in der Politik.
       
       Die Gründe dafür, dass die Politik wenig Herz für Kinder hat, seien
       struktureller Natur, erklärt Soziologe Aladin El-Mafaalani im taz-Gespräch
       [11][„Kein Herz für Kinder“]. Bereits in den 1970er-Jahren wurden Kinder
       wissenschaftlich als strukturelle Außenseiter beschrieben. „Weil sie aber
       so viele waren, musste man sie beachten“, sagt er im Gespräch mit Paulina
       Unfried, Politikwissenschaftlerin und Autorin. „Neu ist, dass sie eine
       Minderheit sind.“ Hinzu komme, dass Eltern als Wahlberechtigte „eine völlig
       bedeutungslose Rolle“ hätten. „Das ist die Erwachsenengruppe, die am
       häufigsten keine deutsche Staatsangehörigkeit hat“, sagt El-Mafaalani.
       
       Die direkten Generationenbeziehungen, zwischen Eltern und Kindern, seien
       gleichzeitig so gut wie nie. Und dann wird es paradox. Denn das sei nicht
       unbedingt positiv, meint El-Mafaalani: „Wie soll man rebellieren gegen
       beschissene Zustände, wenn die eigenen Eltern voll nett sind?“ (lla)
       
       16:47 Uhr: Seit 22 Jahren herrscht Erdogan in der Türkei. Die AKP hat in
       diesem Zeitraum nur eine Wahl verloren, und zwar in Istanbul. Can Dündar,
       Exil-Journalist und Filmemacher, spricht mit taz Redakteurin Derya Türkmen
       zum Thema [12][„Aufruhr in der Türkei“].Die Wahlerfolge der AKP kann Dündar
       leicht erklären: „Wenn du ein Land wie Erdogan führst, ist es ein Leichtes,
       Wahlen zu gewinnen: Verhafte einfach alle deine politischen Gegner.“
       
       Nachdem Erdogan im Jahr 2013 die Gezi-Proteste brutal unterdrückte, dachte
       er, kritische Stimmen hätten aus Angst das Land verlassen. Doch die
       jüngsten Demonstrationen nach der Festnahme des Istanbuler Bürgermeisters
       İmamoğlu zeigen, dass die türkische Zivilgesellschaft nicht verstummt ist.
       
       Moderatorin Derya Türkmen hat die jüngsten Proteste persönlich erlebt. Zwar
       seien die Proteste von Hoffnungslosigkeit geprägt. Doch die Erkenntnis,
       nichts zu verlieren zu haben, verleiht den Menschen Mut. (nad)
       
       16:42 Uhr: Im Orangen Raum des Frizz Forums sprechen die Moderatoren Daniel
       Kubiak und André Knabe mit der iranischen Sängerin und Aktivistin Faravaz
       Farvardin darüber, [13][wie Musik Gesellschaft sichtbar machen kann].
       Farvardin, die aus dem Iran floh, nachdem sie wegen ihrer Musik zu einem
       Jahr Gefängnis verurteilt worden war, lebt heute im Exil in Berlin: „Ich
       bin frei – wenn man Exil Freiheit nennen kann.“ Musik sei für sie ein
       Mittel, Brücken zwischen den Menschen zu bauen: „Ich möchte die Kluft
       zwischen den Menschen verkleinern.“
       
       Im Gespräch geht es auch um die Bewegung „Jin Jiyan Azadi“ und die
       iranische Revolution. Farvardin erklärt, dass Musik Empowerment bedeutet:
       „Singen ist eine Art, sich zu empowern. Sogar Frauen in den Gefängnissen
       Irans tanzen.“ Zum Abschluss spielen sie einen ihrer Songs: Ein Techno-Beat
       mit gemischten Farsi- und Englisch-Texten: „I don't wanna be a taxi driver,
       even if they pay me well, I'd rather go to hell. I don't wanna be a taxi
       driver, I wanna be a bitch in my hometown“. Farvardin schließt mit den
       Worten: „Frauen- und Flinta Probleme sind überall ähnlich. Die
       Gefahrenlevel sind nur unterschiedlich.“ (ab)
       
       16:40 Uhr: Der türkise Küchentisch ist einer der letzten Orte im
       Besselpark, an dem heute in Berlin noch die Sonne scheint. Gerade sitzen
       dort Frauen jeden Alters, die sich fragen, wie sie nach den Wahlen
       Widerstand leisten können. Fast schon schüchtern fragt der einzige Mann, ob
       seine Anwesenheit in Ordnung sei, bevor er sich ans hinterste Ende setzt.
       „Unbedingt“, antwortet Suzan Çakar, Mitbegründerin des Kollektivs We Won’t
       Shut Up! Munich und Leiterin [14][des heutigen Workshops], moderiert von
       taz-Geno-Leitung Lana Wittig. Feminismus sei schließlich für alle da, sagt
       Çakar. Die Frage, was Feminismus und Widerstand überhaupt bedeuten, sorgt
       erst für nachdenkliches Schweigen und schließlich für angeregte
       Diskussionen unter den Teilnehmenden. (lv)
       
       16:02 Uhr: Stehend und sitzend versammeln sich Menschen für das nächste
       Gespräch, moderiert von Lina Eikelmann, um den Küchentisch im Park. Sie
       wollen von Kommunikationswissenschaftlerin Judith Möller und
       Correctiv-Faktencheckerin Sarah Thust wissen: [15][Wie schaffen wir
       Fakten?] Eine Zuhörerin fragt: „Können Live-Faktenchecks bei
       Fernsehtalkshows Wirkung entfalten— und sind sie überhaupt umsetzbar?“
       Möller verweist auf die Forschungslage: „Faktenchecks sind am wirksamsten,
       wenn die Korrektur vor der Falschinformation kommt. Wird erst nachträglich
       korrigiert, entfaltet die Fehlinformation bereits ihre Wirkung.“
       
       Auch Thust mahnt zur Vorsicht: Es sei problematisch, Falschinformationen
       erst im Nachhinein aufzuarbeiten. Gleichzeitig räumt sie ein, dass
       Live-Faktenchecks in der Praxis oft zu aufwendig seien, um flächendeckend
       eingesetzt zu werden. (aho)
       
       15:46 Uhr: Die Veranstaltung [16][„Thank Goodness I'm Queer!“] beginnt
       anders als der Titel vermuten lässt. Taz lab-Redakteurin Nisa Eren
       moderiert das Panel und fragt Jonas Löschau, Ocean Hale Meißner und
       Michaela Dudley, wann es sich für sie das erste Mal richtig gut angefühlt
       hat, queer zu sein. „Vielleicht ja morgen“ antwortet Journalistin und
       Kabarettistin Michaela Dudley. Nach einem Moment Stille sagt sie: „Nein,
       eigentlich immer. Es fühlt sich immer richtig gut an.“ Sie fügt hinzu:
       „Wenn du aus dem Rahmen fällst, hast du mehr Platz – aber auch mehr
       Platzwunden“.
       
       Dieses Ambivalenz zieht sich durch das Gespräch. Im einem Moment erzählen
       die Aktivist*innen von liebevollen und empowernden Erfahrungen, die sie
       im privaten Umfeld machen und im nächsten berichten sie von Morddrohungen
       und Anfeindungen.
       
       Ocean Hale Meißner und Jonas Löschau sprechen über die Lebensrealität
       queerer Menschen auf dem Land in Sachsen. Queerfeindliche Anfeindungen
       steigen und Beratungsangebote gibt es oft nur in der nächstgrößeren Stadt.
       Besonders für junge queere Menschen wollen die Aktivist*innen deshalb
       vor allem eins: weitermachen! (kr)
       
       15:44 Uhr: Auch im Raum befinden sich einige Menschen, die der
       Linken-Abgeordnete Ferat Koçak bereits zu Hause am Küchentisch besucht hat.
       Immer wieder geht ein lautes Klatschen geht durch die Reihen. Viele
       Zuhörer*innen haben Fragen mitgebracht. (tw)
       
       15:43 Uhr: Bei dem, was Hamza Howidy im Talk [17][„Experiences from Gaza“]
       erzählt, schüttelt der Friedensaktivist regelmäßig den Kopf. Er berichtet
       von einer humanitären Notlage, davon, dass „Israel seit über 50 Tagen
       humanitäre Hilfen blockiert.“ Moderiert von Journalistin Anastasia
       Tikhomirova dreht sich der Austausch um das Leben der Zivilbevölkerung im
       Gazastreifen. Howidy protestierte 2023 in Gaza gegen das Hamas-Regime und
       wurde dafür verhaftet. Dann gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Nun
       setzt er sich für diejenigen ein, denen die Flucht nicht gelang. „Wir
       wollen die Hamas nicht als Regierung.“ Sagt er. Außerdem sei er sich
       sicher, dass die isrealische Gewalt, die der Hamas gilt, überwiegend
       Zivilisten trifft, die sich nicht mit der Hamas solidarisieren. (tk)
       
       15:38 Uhr: [18][„Was tun gegen das antifeministische Rollback?“] – Unter
       diesem drängenden Thema versammeln sich die Anwesenden, moderiert von der
       Politikwissenschaftlerin Inken Behrmann und dem Soziologe nValentin Ihßen.
       Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, fast nur Frauen. In einer
       Ecke strickt eine Frau mit Antifa-Hoodie konzentriert weiter, als wäre
       Widerstand längst Alltag.
       
       Rechtsanwältin und Dozentin Asha Hedayati bringt die Wut auf den Punkt:
       „Wer sich trennt, wählt zwischen Gewalt und Armut.“ Ärztin und Aktivistin
       Annika Kreitlow schildert nüchtern: „Schwangerschaftsabbrüche sind in
       Deutschland theoretisch erlaubt, praktisch aber oft nur für die, die Geld
       haben.“ Der neue Koalitionsvertrag, der das „ungeborene Leben besser
       schützen wolle, lasse den Einfluss der Kirche erschreckend deutlich
       spüren“.
       
       Als Hedayati kritisiert, Deutschland habe „die Istanbul-Konvention
       unterschrieben und sechs Jahre lang nichts umgesetzt“, gibt es Applaus.
       Ihre Warnung hallt nach: „Wenn wir mehrfach marginalisierte Menschen unter
       den Bus werfen, verlieren wir am Ende alle.“ Am Ende ein Versprechen: „Wir
       haben aus unserer Position der Unterdrückten gelernt“, sagt Hedayati und
       führt fort: „Wir werden diesen Kampf nicht aufgeben.“ (ab)
       
       15:36 Uhr: Mit den Worten „Wolfsburg: die einzige Stadt in Deutschland, die
       in einem solchen Ausmaß von einem einzigen Konzern abhängig ist“, läutet
       der gebürtige Wolfsburger und Journalist Felix Lee die Diskussion
       [19][„Kulturforum Wolfsburg -(k)eine Stadt wie jede andere?“] ein.
       
       Doch was passiert, wenn dieser Konzern schwächelt? Das Chinageschäft von VW
       läuft schlecht – Lee befürchtet gravierende Folgen für die Stadt. Anita
       Placenti, ebenfalls in Wolfsburg geboren, betont: „Fast jede Familie dort
       hat einen Bezug zu Volkswagen.“ Am Wolfsburger Institut für Zeitgeschichte
       geht sie der Frage auf den Grund, was passieren könnte, wenn das
       industrielle Rückgrat der Stadt bricht.
       
       Moderator Joel Schmidt, auch in Wolfsburg aufgewachsen, sagt: „Die
       Stadtgründung Wolfsburgs ist eine der bedeutendsten Mitteleuropas im 20.
       Jahrhundert.“ Wolfsburg, gegründet von Hitler als „Stadt des KdF-Wagens“,
       ringt bis heute mit dieser Vergangenheit. Doch wie viel kritische Debatte
       gibt es überhaupt? Historiker Manfred Grieger gibt eine ernüchternde
       Antwort: „Der Diskurs in Wolfsburg ist hegemonial von VW überlagert.“ (nad)
       
       15:26 Uhr: Ein zweistelliges Sachsen-Ergebnis bei der Bundestagswahl, das
       erste Direktmandat in einem ehemals westdeutschen Wahlkreis – das sind die
       Themen der Podiumsdiskussion [20][„Haustürwahlkampf oder: Klopfen und
       Stimmen abräumen?“] Die neuesten Erfolge der Linken liegen auch an ihrem
       aktiven Haustürwahlkampf, erzählen die Abgeordneten Nam Duy Nguyen und
       Ferat Koçak auf der Blauen Bühne. „Man muss zu den Menschen gehen und nicht
       darauf warten, dass sie zu einem an den Wahlkampfstand kommen“, so Koçak.
       Nguyen stimmt zu: „Viel passiert links und rechts vom Parlament.“ Er ist
       seit Oktober Mitglied des Sächsischen Landtags. Mit den Menschen hat er
       über Themen wie Miete, Mobilität und steigende Preise gesprochen.
       
       Koçak möchte weitermachen. „Du bist ja fast ein Popstar in Neukölln“, sagt
       taz lab-Redakteurin Wilma Johannssen zu ihm. Er gibt zu: „Am Ende von so
       einem Gespräch sagen die Menschen oft: Du bist einer von uns.“ (tw)
       
       15:15 Uhr: Das Gespräch von Jan Feddersen und Peter Unfried mit Daniel
       Cohn-Bendit wird zum Monolog des 80-Jährigen. Zur Begründung der
       außenpolitischen Bestrebungen der USA sagt er: „Die einzige potenzielle
       Kraft gegen ihren Imperialismus ist Europa!“ Den Linken attestiert er ein
       Verständnis der nationalen Wirtschaft, darüber hinaus fehle dieses jedoch,
       Wagenknecht sei die „absurde Spitze“ dieses Phänomens. Am Ende der
       intensiven Veranstaltung gibt es Standing Ovations. (fh)
       
       15:06 Uhr: Das Publikum hängt Daniel Cohn-Bendit an den Lippen. Der
       80-Jährige redet frei von Schubladendenken, bringt das Publikum der Roten
       Bühne immer zum Lachen. Für ihn ist klar: „Die meisten Menschen wollen
       nicht immer Politik machen, sie wollen leben!“ Es geht dann aber doch nur
       um Politik, auch um den Umgang mit der CDU und darum, weshalb die Grünen
       Wahlniederlagen einstecken mussten. „Weil Habeck das CDU Programm gepusht
       hat“ findet ein Zwischenrufer, „Unsinn“, entgegnet [21][Cohn-Bendit]
       schroff. (fh)
       
       14:56 Uhr: Auch drei Jahre nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine
       werben viele Linke für einen vermeintlichen Frieden mit Russland – und
       verweigern der Ukraine das Recht auf Selbstverteidigung. [22][Woher stammt
       dieses verzerrte Ukrainebild westlicher Linker?] Diese in linken Kreisen
       äußerst sensible Frage diskutiert die Journalistin Yelizaveta Landenberger
       mit Kateryna Mishchenko, Mitautorin des Sammelbandes „Aus dem Nebel des
       Krieges: Die Gegenwart der Ukraine“, sowie mit Timm Graßmann, Autor von
       „Marx gegen Moskau“.
       
       Mishchenko sieht vor allem psychologische Gründe: „Verharmlosung entsteht
       aus Angst: Viele fürchten, selbst Opfer Russlands zu werden. Deshalb
       verdrängen sie das Leid der tatsächlichen Opfer und solidarisieren sich
       unbewusst mit dem Aggressor“. Graßmann verweist auf ideologische
       Kontinuitäten: Schon im 19. Jahrhundert kritisierten Linke Marx’
       propolnische und antirussische Haltung. Bis heute wird Russland fälschlich
       als Gegengewicht zum Kapitalismus verklärt, obwohl diese Annahme längst
       überholt sei, so der Autor. (aho)
       
       14:49 Uhr: Freundschaftlich beginnt das
       [23][Vierfünftel-Jahrhundertgespräch] mit taz-lab-Kurator Jan Feddersen,
       taz-Chefreporter Peter Unfried und Publizist Daniel Cohn-Bendit.
       
       Cohn-Bendit bezeichnet sich als „Kind der Freiheit“, erzählt, dass er
       während der Landung der Alliierten in der Normandie gezeugt wurde. Schnell
       zieht er eine direkte Verbindung zum Krieg zwischen der Ukraine und
       Russland. Dabei kritisiert er die „knappe Militärunterstützung für die
       angegriffene Ukraine“. „Sie werden bombardiert und wir haben den Luxus,
       darüber zu sinnieren“, sagt er. Zur Innenpolitik sagt er: „Der
       gefährlichste Politiker in Deutschland ist Jens Spahn“. Ihm wirft
       Cohn-Bendit vor, mit einer Koalition mit der AfD zu liebäugeln. Dann
       spricht der 80-Jährige das Thema Nahost an, bezeichnet sich als „Azionist“,
       nicht als Zionist oder Antizionist. (fh)
       
       14:45 Uhr: Wie geht es weiter in Syrien nach dem Sturz von Baschar al-Assad
       im Dezember 2024? Für die Journalistinnen Sawsan Hussein Qaddour, Avin
       Youssef und Nawar Al Mir Ali mit einer Menge Arbeit. Im Studio Rosa
       diskutieren sie unter dem Titel [24][„Optimismus im Chaos zwischen Damaskus
       und Quamishli“] mit Journalistin Julia Völcker über die Schwierigkeiten
       journalistischer Arbeit in Syrien – gerade für Frauen.
       
       Um die Pressefreiheit sei es weiterhin schlecht bestellt, erklärt Youssef.
       Es sei weiterhin beschwerlich, an Informationen zu gelangen. Al Mir Ali
       berichtet von den Vor- und Nachteilen, bei der aktuellen Übergangsregierung
       eine journalistische Lizenz zu beantragen. Wer sich den offiziellen
       Strukturen hingebe, bekomme vor allem vorgefertigte Antworten, berichtet
       Qaddour. Die Gelegenheit, nachzufragen hätten Journalist:innen in ihrer
       Heimat nicht. (abr)
       
       14:41 Uhr: „Wir müssen wieder offener in Debatten gehen“, fordert
       Politikwissenschaftlerin Dr. Julia Reuschenbach im Gespräch mit
       taz-Redakteurin Ruth Lang Fuentes. Im öffentlichen Diskurs würden oft
       Feindbilder konstruiert, andere Meinungen von vornherein delegitimiert.
       Aber öffentliche Debatten würden nur funktionieren, wenn man einander
       zuhört – das gilt von rechts wie von links, erklärt die
       Politikwissenschaftlerin. „Ich muss da nicht zustimmen, aber ich muss das
       erstmal aushalten“, so Reuschenbach. Gelinge das nicht, könnten Menschen
       das Gefühl entwickeln, dass sie sich zu bestimmten Themen nicht mehr äußern
       können.
       
       Mit Blick auf die Politik sagt die Wissenschaftlerin: „Debatten brauchen
       Spielregeln. Populistische Parteien halten sich nicht daran.“ Bei Themen
       wie Migration und Bürgergeld sei die Debatte so aufgeladen, dass einzelne
       Meinungen oft untergingen. (tw)
       
       14:26 Uhr: „Über soziale Bedingungen zu schweigen, die Gesundheit
       bestimmen, finde ich dumm. Aber mir ist klar, dass das ein System angreift,
       das umverteilt und zwar von unten nach oben“ erklärt Olivier David, Autor
       von „Keine Aufstiegsgeschichte“, [25][auf der Podcastbühne] auf die Frage
       von Miriam Davoudvandi, ob Therapie sinnvoll ist und wie mit psychischen
       Problemen vor allem in der lohnabhängigen Klasse umgegangen werden kann.
       (neh)
       
       14:20 Uhr: Für ihn begannen die Probleme der Ampel-Koalition mit dem
       Karlsruher Urteil, das die Ausgaben der Bundesregierung für den Klima- und
       Transformationsfonds als verfassungswidrig einordnete. Wolfgang Schmidt –
       noch Chef des Bundeskanzleramtes – sieht trotzdem Positives darin, dass er
       bald seine Stelle verliert.
       
       Auf die Frage des taz-Parlamentsbüro-Korrrspondenten Stefan Reinecke, ob
       ihm die Macht, die er seit 2021 hatte, fehlen wird, antwortet er prompt:
       „Ich glaube nicht. Es gibt auch ein Gefühl der Erleichterung.“
       
       [26][„Wie war denn Olaf Scholz als Chef?“], will Anna Lehmann, Leiterin des
       taz-Parlamentsbüros im Talk „Ohne ihn – ein Gespräch mit Wolfgang Schmidt“
       wissen. Schmidt fand Scholz schon immer „inspirierend“. Skeptische Blicke
       der ModeratorInnen und im Publikum, die Schmidt in Erklärungsnot bringen.
       „Es gibt einen viel inspirierteren Olaf, als das, was man öffentlich
       sieht.“ Schmidt kennt seinen Chef seit mehr als zwanzig Jahren. (tk)
       
       14:15 Uhr: Der vergangene Donnerstag markiert den 110. Jahrestag des
       Genozids an den Armenier:innen. Um des Völkermordes zu gedenken,
       veranstaltet das Maxim Gorki Theater Festival. Dabei gehe es nicht nur um
       armenische Geschichte, sondern auch um „Übersetzungsarbeit für andere
       Konfliktregionen und -felder“, sagt Intendantin Shermin Langhoff. Auf der
       gelben Bühne stellen Langhoff und Anahit Bagradjans, Autorin und Kuratorin,
       im Gespräch mit Tigran Petrosyan, Leiter der Osteuropa-Projekte der taz
       Panter Stiftung, das Festival [27][„100 + 10 – Armenian Allegories“] vor.
       
       Über die Bedeutung des Festivals für sie als armenische Autorin sagt
       Bagradjans: „Als Kind der Diaspora bin ich unsichtbar aufgewachsen.“ Die
       Sichtbarkeit armenischer Stimmen und Perspektiven, in ihrer Vielfalt, sei
       gerade in Berlin für sie bewegend. „Viele Wege des Völkermords führen in
       diese Stadt, sagt sie. (lla)
       
       13:57 Uhr: Die Rote Bühne füllt sich. Der Talk [28][„Aus den
       Maschinenräumen der Macht“] steht bevor. Ricarda Lang,
       Bundestagsabgeordnete der Grünen, ist zu Gast, Kersten Augustin aus der
       taz-Inlandsredaktion moderiert. Zum Einstieg ein Spiel: „Ampel oder neue
       Regierung?“ Beim Thema Digitalisierung lacht der Saal. Lang wird ernst: Sie
       habe geglaubt, bei der FDP sei Digitalisierung gut aufgehoben. „Das fand
       ich sehr enttäuschend“, sagt sie. Applaus.
       
       Dann kritisiert sie Olaf Scholz: Statt eigener Ideen habe er nur Merkel
       imitiert. „Wacht auf“, fordert Lang, „nur wer Veränderungen anspricht, kann
       die neue Welt gestalten.“ Hinter den Kulissen ging es oft chaotisch zu:
       Beim 9-Euro-Ticket fiel die Entscheidung morgens um halb sechs.
       „Kollektiver Wahnsinn kann manchmal Gutes schaffen.“
       
       Über Humor sagt sie: „Man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen.“ Gerade
       Grüne müssten lernen, Moral ohne moralischen Zeigefinger zu vertreten. Über
       Friedrich Merz: „Im direkten Gespräch keine Spur von Chauvinismus – aber er
       erkennt Fettnäpfchen schon aus der Ferne.“
       
       Lang wünscht sich von den Grünen mehr Konfliktfähigkeit. „Wir dürfen nicht
       nur Meinungen abbilden, sondern müssen welche bilden.“ Die Klimakrise könne
       Bewegungen schwächen, warnt sie, und kritisiert eine Gesellschaft, die „für
       extrem Reiche perfekt, für normale Menschen aber würdelos“ sei. Freiheit
       müsse gegen die Broligarchie verteidigt werden. (ab)
       
       13:55 Uhr: In dem Panel „[29][Was können wir von der SPD erwarten, Frau
       Esken?]“ geht es um den Koalitionsvertrag. Auf Nachfrage von [30][Anna
       Lehmann], Leiterin des taz-Parlamentsbüros, nach der Begeisterung der
       SPD-Basis auf das Papier, räumt die SPD-Parteivorsitzende ein, dass es
       nicht „SPD pur“ sei. Aber der Kompromiss sei zustimmungsfähig. Alles
       alternativlos also? Ein „hässliches Wort, aber ja“, gesteht sie ein.
       
       Der vielleicht größte Streitpunkt zwischen der SPD und CDU/CSU noch vor
       Beginn der Koalition ist die Frage, ob der Mindestlohn auf 15 Euro
       angehoben wird. Lehmann legt den Finger in die Wunde, denn noch ist
       ungeklärt, ob die SPD ihr Wahlkampfversprechen einhalten kann. Die sonst
       souverän wirkende Esken stutzt etwas herum. Der unabhängigen
       Mindestlohnkommission, welche im Juni einen Vorschlag machen soll, könne
       man vertrauen. (fh)
       
       13:50 Uhr: „TikTok ist meine absolute Lieblingsapp – vor allem, weil mir
       der Algorithmus extrem passenden Content ausspielt. Trotzdem bekomme ich
       immer wieder Inhalte der AfD angezeigt“, erzählt Moderatorin Shayna Bhalla.
       „Das liegt nicht an den persönlichen Interessen, sondern an der Plattform
       selbst“, weiß Theresia Crone, Mitgründerin der Kampagne #ReclaimTikTok.
       Diese Initiative will demokratische Parteien auf TikTok sichtbarer machen –
       eine Plattform, die derzeit stark von der AfD dominiert wird. Warum ist die
       AfD auf TikTok so erfolgreich, und was kann das demokratische Spektrum
       dagegen tun? Darüber diskutiert taz-Redakteurin Bhalla bei der
       Veranstaltung [31][„Ein Jahr #ReclaimTikTok – was hat’s gebracht?“] mit
       Aktivistin Theresia Crone, TikToker Anthony Moriss und Journalist Simon
       Hurtz – auf der sonnigen Dachterrasse der Lila Bühne.
       
       Hurtz kritisiert das in den Medien weit verbreitete Narrativ, die AfD hätte
       TikTok einfach besser verstanden: „Die AfD war nicht erfolgreich, weil sie
       TikTok perfekt bespielt hat, sondern weil sie schlicht die Ersten waren.
       Aktivität lohnt sich – aber man muss sie auch wirklich angehen.“ Crone
       stimmt zu: Besonders effektiv sei die AfD, weil sie besser vernetzt sei als
       demokratische Parteien. „Copy und Paste – gleiche Bilder, gleiche Texte –
       würden innerhalb des rechten Netzwerks massenhaft verbreitet. Qualität
       spiele dabei kaum eine Rolle, es gehe um Masse. Doch was nun? Reicht es,
       wenn demokratische Parteien aktiver werden und sich besser vernetzen? Hurtz
       ist skeptisch: TikTok komplett zurückzuerobern sei unrealistisch – aber ein
       starkes Gegengewicht zu schaffen, das wäre bereits ein großer Gewinn. (aho)
       
       13:28 Uhr: Sozialpsychologe Harald Welzer und taz-FUTURZWEI-Chefredakteur
       Peter Unfried wollen Tacheles reden. Zumindest haben sie das für die
       Podiumsdiskussion „Weitermachen ist vorbei“ verpflichtet. Welzer fühlt sich
       verpflichtet und bittet „uns Gute“ zunächst, tapfer zu bleiben. Ein
       Weitermachen könne es dennoch nicht geben, da wir systemisch am Ende seien.
       Er bezieht sich „auf die radikal-absolute Zerstörung der Lebenswelt“ durch
       den Klimawandel. Gerade bei Linken und NGOs gebe es noch die Idee eines
       „Business as usual“. Daran habe ihn das taz lab-Motto erinnert. Der Wandel
       finde aber auf der anderen Seite des politischen Spektrums statt, bei den
       Rechten und der AfD. Autsch. (bsz)
       
       13:32 Uhr: Eigentlich wollte er noch mehr Exil-JournalistInnen auf die
       Bühne holen, doch die Sicherheitslage ließe das nicht zu. So eröffnet
       Tigran Petrosyan, Leiter des Osteuropaprojektes der taz-Panther Stiftung
       den Talk [32][„Unser Fenster nach Russland„.] Pressefreiheit, Widerstand
       und das journalistische Handwerk unter dem totalitären Kreml-Staat sind
       zentrale Themen.
       
       „Seit dem Beginn des Angriffskrieges ist es für JournalistInnen deutlich
       schwieriger für Journalisten geworden. Es haben mehr als 1.500 Kollegen das
       Land verlassen.„, das ist sich Exil-Journalist und Aktivist Sergey Medvedev
       sicher. Er selbst traue sich spätestens seit Februar 2022 nicht mehr in
       seine russische Heimat. (tk)
       
       13:00 Uhr: „Gerade ist das Ende der globalen liberalen Weltordnung“, sagt
       Außenpolitik-Experte Carlo Masala. Er ist live zugeschaltet aus Lima – um 6
       Uhr morgens Ortszeit, nur um mit uns [33][über die neue Weltlage zu
       sprechen]. Deutschland müsse sich auf neue Zeiten einstellen, so sein
       Fazit. Unter der schlagfertigen, elegant-humorvollen Moderation von Jan
       Feddersen (taz) und Barbara Junge (taz-Chefredakteurin) diskutieren Masala,
       Marc Saxer (Geostratege und Autor) die Frage: Was bedeutet die Zeitenwende?
       
       Masala warnt: Russland könnte ab 2028/2030 wieder militärisch angreifen –
       auch einen NATO-Staat. Europa müsse deswegen wehrhaft werden. Auf
       Feddersens Frage, was das mit uns zu tun habe, erinnert Masala daran, dass
       Deutschland lange politisch und ökonomisch vom Schutz der liberalen
       Weltordnung profitiert habe – „unser Erfolgsmodell war das Schmarotzertum“.
       Diese Ära gehe nun zu Ende. Demokratie sei verletzlich – ihre Verteidigung
       im Inneren ebenso wichtig wie äußere Sicherheit. Junge fragt: „Und jetzt?“
       Saxer mahnt: Deutschland bewege sich zwar in der Sache, strategisch aber
       immer noch zu langsam. Es gelte, die Illusion der alten Weltordnung
       aufzugeben und eine neue Zukunft zu entwerfen. (cb)
       
       12:51 Uhr: „Es ist fast unmöglich, Eintrittspreise unter 20 Euro
       anzubieten“, klagt DJ und Clubveranstalter Miran Nolden. Die Inflation
       treffe nicht nur Clubbetreiber, die Mieten und Gagen stemmen müssen,
       sondern auch das Publikum, dessen Kaufkraft deutlich gesunken sei. „[34][Wo
       ist Platz zum Tanzen?]“– vor allem für subkulturelle Clubkultur, die nicht
       von Großinvestoren getragen wird, werde es zunehmend schwer.
       
       Emiko Gejic, Vorstandsmitglied und Pressesprecherin der Berliner
       Clubcommission, sowie Christian Goiny, Sprecher für Clubkultur der CDU in
       Berlin, diskutieren auf der blauen Bühne. Moderiert wird das Gespräch von
       taz-Redakteur Moritz Martin. „Unser Ziel ist es, die Vielfalt zu bewahren –
       dazu gehören auch jüngere Kollektive, die nicht über viele Ressourcen
       verfügen“, erklärt Gejic. Nolden, der ein nicht-profitorientiertes
       DIY-Projekt leitet, betont, dass es insbesondere Vereinfachungen bei
       Förderanträgen für kleine Kollektive brauche, da diesen häufig Ressourcen
       und Know-how fehlen, um öffentliche Gelder zu beantragen. Goiny zeigt sich
       optimistisch, dass eine politische Lösung gefunden werden kann. (aho)
       
       12:50 Uhr: „Europa kann sich nicht von der Ukraine zurückziehen“, sagt
       Ulrike Herrmann. Die taz-Wirtschaftskorrespondentin diskutiert mit
       Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff unter der Moderation von Ulrike
       Winkelmann, Chefredakteurin der taz, die Frage: [35][Wie weiter mit
       Russland?]
       
       Deitelhoff verurteilt den „Friedensplan“ von Donald Trump als vage und
       russlandfreundlich: Er sichere der Ukraine wenig und sehe Gebietsverluste
       vor. Dass Russland sich auf wirkliche Verhandlungen einlassen könnte, hält
       sie für unwahrscheinlich – der Druck sei schlicht zu gering. Europa müsse
       militärisches und politisches Durchhaltevermögen zeigen, auch ohne die USA.
       
       Herrmann betont: „Ein Kollaps der Ukraine hätte massive Folgen für den
       Westen, auch migrationspolitisch. Um die Verteidigungsfähigkeit der EU
       langfristig zu sichern, sei ein gesamteuropäisches Investitionsprogramm
       nötig, von dem alle Mitgliedstaaten profitieren könnten.“ Laut Herrmann
       müsse die europäische Rüstungs- und Munitionsproduktion massiv hochgefahren
       werden. Deutschland werde etwa durch Programme wie die Fertigung von
       Leopard-Panzern auch wirtschaftlich profitieren.
       
       Deitelhoff warnt vor dem weiterhin bestehenden Dilemma: Wie lange noch und
       in welchem Ausmaß die USA an der Unterstützung Europas festhalten bleibt
       ungewiss. (cb)
       
       12:44 Uhr: Im Studio Mint wird es ernst: Mohamed Amjahid (Journalist),
       Markus Textor (Wissenschaftler), Jan-Denis Wulff (BKA-Kommissar und
       Grünen-Politiker) und Patricia Nubi (Polizeioberrätin) [36][diskutieren
       über Polizei und Rassismus]. Nathan Pulver (taz) moderiert.
       
       Polizeigewalt und Racial Profiling seien keine Einzelprobleme, erklärt
       Amjahid, sondern Alltagserfahrung vieler. Wulff spricht von seiner
       Doppelrolle als grüner Polizist: icht alle Kolleg:innen seien
       konservativ oder schlimmer. Nubi gesteht Rassismus bei der Polizei ein.
       Aber: Nicht jeder deckt jeden.
       
       Zwischendurch fliegen die Bälle zwischen Politik und Polizei hin und her.
       Oldenburg? Kein Einzelfall, mahnt Amjahid. Medien übernähmen oft unkritisch
       Polizeimeldungen, echte Aufklärung bleibe aus. Wulff fordert Transparenz,
       warnt aber: Man dürfe das ganze Problem nicht allein bei der Polizei
       abladen. Bubi erklärt: Wichtiger als Parteistreits sei es, ehrlich über
       Rassismus zu reden – und zu fragen, warum so viele Menschen Angst vor der
       Polizei haben.
       
       Ist Überforderung verantwortlich? Für Wulff ein strukturelles – für Amjahid
       ein Mindset-Problem. Bodycams, die regelmäßig ausblieben, seien dabei nur
       ein Symptom. Reformen? Ja, bitte. Aber nicht mit Diversity-Postern und
       schönen Worten, fordert Amjahid. Echte Veränderungen brauchen unabhängige
       Stellen – und ein neues Verständnis davon, was es heißt, Macht
       verantwortungsvoll auszuüben. (ab)
       
       12:30 Uhr: Mit taz-Kurator Jan Feddersen diskutiert Historikerin Hedwig
       Richter in dem Lightning Talk: [37][„Klimakrise? Handelt jetzt!“] darüber,
       was gelungene Klimapolitik ausmacht. Richter bedauert, dass keine Regierung
       Klimapolitik mutig auch gegen mehrheitliche Widerstände durchsetzt, so wie
       zum Beispiel Lincoln das Wahlrecht für Schwarze in den USA trotz Widerstand
       eingeführte. Ihrer Meinung nach führt eine taktische Politik, die auf
       Mehrheiten schielt, weder dazu, Rechtextreme in Schach zu halten, noch
       dazu, notwendige Antworten auf die Klimakrise zu finden.
       
       Laut Richter würde eine gute Klimapolitik einerseits zu Einschränkungen für
       alle führen, andererseits aber auch zu mehr persönlicher Freiheit. Laut der
       Historikerin wüssten das schon all jene, die sich dazu entschieden haben,
       auf das tägliche Schnitzel zu verzichten und dies dann nicht nur als
       Einschränkung erlebten. (bsz)
       
       12.37 Uhr: Das Podcaststudio füllt sich, sogar in den Fensterbänken sitzen
       Menschen und lauschen der Live-Aufnahme von „Readers Gonna Read“. In ihrem
       Podcast, der bis vor kurzem noch [38][„My PoC Bookshelf“] hieß, führt Host
       Georgina Fakunmoju Zuhörer*innen durch ihr Bücherregal. Im Fokus stehen
       dabei Werke von Autor*innen of Color.
       
       Mit dabei ist Ta-Som Helena Yun. Sie erzählt, dass es schon immer ihr Traum
       war, in einer alten Turnhalle zu leben. Weil eine kaufen, teuer ist, hat
       sie die Turnhalle kurzerhand zum Spielort ihres ersten Romans „Oh Sunny“
       gemacht und sich so ihren Traum erfüllt. Mit sanfter Stimme liest sie einen
       Auszug vor. Es geht um das „Sich finden“ zwischen deutscher- und
       koreanischer Kultur, die Aufarbeitung von Geschichte und den Druck, den
       Kinder von migrantisierten Eltern spüren. „Eigentlich wollte ich Sunny beim
       Lesen die ganze Zeit in den Arm nehmen“ fasst Host Georgina Fakunmoju ihr
       Gefühl der Protagonistin gegenüber zusammen. (kr)
       
       12:34 Uhr: Die Sport-Redaktion versammelt sich in der schönsten Location
       der taz: Hoch über den Dächern lesen Alina Schwermer und Elke Wittich aus
       ihrer [39][taz-Kolumne „Erste Frauen“] vor. Es geht um die schnellste
       Athletin Gambias, die vielleicht erste Sportfotografin und andere
       Pionierinnen im Sport – und um die patriarchal geprägte Branche. Dabei wird
       deutlich: Sport öffnet Türen. „Frauen haben im Sport früh eine
       Eigenständigkeit bekommen, die ihnen ermöglicht hat, zu rebellieren“,
       stellt Wittich fest. Moderiert wird die Veranstaltung von taz-Redakteur
       Martin Krauss. (tw)
       
       12:12 Uhr: Er flüchtete im Jahr 2015 aus Syrien nach Deutschland, lernte
       die deutsche Sprache, absolvierte eine Ausbildung und jetzt ist er
       Bürgermeister der kleinen Gemeinde am Schwarzwald. „Wenn ich sagen würde,
       dass die Menschen dort links-grün eingestellt sind, wäre das eine ganz
       steile These. Sie sind eher konservativ. Politisch ist es dort schwarz wie
       die Nacht“, sagt [40][Ryyan Alshebl] über das schwäbische Ostelheim, wo er
       dennoch an der politischen Spitze ist.
       
       Mit seiner Migrations- und Erfolgsgeschichte sorgt er im sonst eher
       konservativen politischen Süden der Bundesrepublik für frischen,
       progressiven Wind. Moderiert wird das Gespräch von Kontext-Redakteur Minh
       Schredle. (tk)
       
       12:11 Uhr: Während in Italien Papst Franziskus beigesetzt wird, der sich zu
       Lebzeiten stets um Frieden auf der Welt bemühte, erfolglos, diskutieren die
       Autoren Ole Nymoen und Steffen Kopetzky über die [41][„Grundfrage des
       Krieges“]. Ganz so voll wie auf dem Petersplatz ist es vor der gelben Bühne
       nicht, als Journalist Daniel Sagradov fragt „Möchten wir kriegstüchtig
       werden? Wenn ja, warum und vor allem wofür? Und wenn nein, warum eigentlich
       nicht?“
       
       „Es ist völlig egal, warum ich nicht für mein Land kämpfen will“, sagt
       Nymoen mit kontrollierter Gestik. Danach führt er seine persönliche
       Entscheidung aus: „Ich habe keine Lust, auf Menschen zu schießen, von denen
       mich nichts unterscheidet außer der Pass.“ Ihm wäre deshalb auch eine
       Kapitulation lieber, als tot zu sein. Kopetzky lehnt sich vor und kontert:
       „Deine Kritik an der Ukraine besteht darin, dass sie noch existiert.“
       
       Die USA und Russland würden die europäische Einigung als Gegner betrachten,
       meint Kopetzky, deshalb brauche es gemeinsame eruopäische Streitkräfte, die
       europäischer Werte verteidigten. Nymoen kann angesichts nationalistischer
       und rechter Regierungen die Werte der europäischen Union nicht mehr
       erkennen. Die Liberalität sieht er „mehr von innen als von außen bedroht“.
       (lla)
       
       11:58 Uhr: „Was war denn jetzt eigentlich das Problem?“ Diese einfache
       Frage von taz-Chefreporter Peter Unfried, bezogen auf das Scheitern der
       Ampel-Koalition bringt Robert Habeck zum Nachdenken. „In der Ampel zu sein
       hat sich wirklich wie Elend angefühlt – und sich das von außen anzusehen
       hat sich wahrscheinlich nicht besser angefühlt“, sagt der Noch-Vizekanzler.
       
       Gelächter vor der roten Bühne. Dann liefert Habeck eine inhaltliche Antwort
       nach: „Wenn Olaf Scholz Christian Lindner nicht zum Finanzminister gemacht
       hätte, hätte das Bündnis wahrscheinlich überlebt“. Mit der FDP habe es von
       Anfang an keinen Kompromiss in Sachen Finanz- und Wirtschaftspolitik geben
       können, so Habeck. Über CDU/CSU sagt er: „Die Union hat keinen Plan, was
       sie mit Deutschland will, außer es zu haben“. (fh)
       
       11:46 Uhr: „Auf einmal war da dieses große Loch an Ungewissheit“, erzählt
       [42][Lisa Poettinger] im Gespräch mit taz-Redakteur Andreas Rüttenauer. Sie
       teilt, wie sie sicg gefühlt hat, als sie erfuhr, dass ihr bayerischen
       Kultusministerium das Referendariat untersagt. Grund dafür ist laut
       Behörden ihr Engagement der in der Klima-Bewegung.
       
       Hoffnungslos klingt die Lehramtsstudentin beim taz-Talk [43][„Im
       Klassenzimmer unerwünscht?“] jedoch nicht. Gemeinsam mit
       Unterstützer*innen und Anwält*innen geht sie gegen die Entscheidung
       vor. Aus dem Publikum erhält die Aktivistin viel Zuspruch. Auch Rüttenauer
       wünscht ihr, weiterhin „ungebremst aktivistisch“ zu bleiben. (kr)
       
       11:45 Uhr: [44][Lügen Sterne?] Katharina Nocun, Autorin von „Gefährlicher
       Glaube – Die radikale Gedankenwelt der Esoterik“ (2022), meint: „Ja!“ Ihrer
       Ansicht nach sei in Hinblick auf die steigende Beliebtheit der Astrologie,
       die Menschen in ungenauen Zeiten genaue Antworten verspricht, durchaus
       bedenklich.
       
       Anekdotenreich erklärt Nocun, wieso einige Menschen an Horoskope und
       Aszendenten zu glauben. Es habe zum Beispiel mal ein Mann in der Maske beim
       Fernsehen ihr Sternzeichen erraten wollen. Nach mehreren erfolglosen
       Versuchen war er schließlich bei der richtigen Antwort angelangt und sagte:
       Wusste ich’s doch!
       
       Moderatorin Lotte Laloire macht den Zuschauer:innen am Küchentisch im
       Besselpark Mut: „Keine Scham davor, zuzugeben, wo ihr euch von solchen
       Dingen angesprochen gefühlt habt!“ Dann meldet sich tatsächlich einer und
       erzählt, wie präzise die Einschätzungen einer Wahrsagerin zu seinen echten
       Problemen gepasst hatten. Später klärt die Autorin dann den Weg von
       harmlosen Horoskopen zu antisemitischen, antifeministischen und
       toxisch-männlichen Verschwörungserzählungen. (abr)
       
       11:44 Uhr: „Disclaimer: Wir sind beide Swifties!“ – Mit diesen Worten
       startet taz-Redakteurin Leonie Gubela in die Podiumsdiskussion
       [45][„Adorno, Taylor Swift und ABBA unter der Lupe“] auf der Lila Bühne.
       Alle Stühle im Publikumsraum sind besetzt, der Raum prallgefüllt. Manche
       stehen auf der Dachterrasse, andere sitzen auf dem Kieselsboden. Volles
       Haus bei Pop und Philosophie!
       
       „Als distinktionsbewusster Musikhörer hätte ich nie gedacht, dass ich mal
       Swiftie werde – jetzt habe ich schon fünf Konzerte besucht“, sagt
       Popkulturforscher Jörn Glasenapp. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm
       ein Konzert in Nashville: „Die Stadt war in der Hand von Swifties.“ Gubela
       beschreibt Taylor Swift als „große Schwester“ für viele junge Frauen.
       Jedoch atößen Swift-Fans auch auf Ablehnung. Glasenapp beobachtet: „Wofür
       sich Teenagerinnen begeistern, ist die Aufregung nicht wert.“ Das zeige
       sich auch beim Hype um den Barbie-Film. Seine Sorge: Eine
       „Remaskulinisierung“ der Popkultur.
       
       Bei der kulturwissenschaftlichen Diskussion geht es dann auch um Adorno.
       Glasenapp nennt ihn einen „Untoten des Feuilletons“. Adorno hätte Taylor
       Swift vermutlich gnadenlos kritisiert. Glasenapp warnt: „Wer Adorno ins
       Spiel bringt, versucht oft, sich über andere zu erheben – und feminine
       Kultur abzuwerten.“ (ab)
       
       11:36 Uhr: „Schöne Tradition, super Ding“, Robert Habeck mit lobenden
       Worten über das taz lab. Geschmeichelt wird dem [46][„Kanzler der Herzen“]
       auf der nach ihm benannten Veranstaltung aber auch. Angesprochen auf eine
       Petition, die bisher 450.000 Menschen unterschrieben haben, welche sich für
       seinen Verbleib in der aktiven Politik eingesetzt, sagt er: „Es hat mich
       wirklich berührt […] sonst säße ich jetzt nicht hier“.
       
       Weniger nette Worte hat er für Schwarz-Rot übrig, die Koalition von CDU/CSU
       und SPD. Es sei nicht zukunftsträchtig, wenn es 2029 auf eine
       Kenia-Koalition hinauslaufen würde, falls es für Schwarz-Rot dann nicht
       mehr reiche.
       
       Zudem stellt Habeck fest, „die FDP ist nicht mehr existent“. Taz-Moderator
       Peter Unfried liefert den Einwand, dass dann wahrscheinlich eine Koalition
       von CDU und AfD möglich würde. Der Noch-Vizekanzler legt daraufhin seine
       humorvolle Art ab. „Die politische Linke hat in Deutschland keinen
       machtpolitischen Plan, während die politische Rechte in Deutschland seit
       zehn Jahren einen Plan haben, den sie eisern verfolgen. […] Die einen
       spielen nach den Regeln, die anderen brechen die Regeln – und werden
       zunehmend weniger dafür sanktioniert“. (fh)
       
       11:33 Uhr: Journalist Felix Lee und der Autor Marc Saxer diskutieren auf
       dem Panel [47][„Kampf der Giganten: USA vs China“], moderiert von
       taz-Parlamentskorrespondent [48][Stefan Reinecke], was es für die Welt
       bedeutet, wenn die zwei Giganten China und die USA weiter aneinanderraten.
       [49][Felix Lee] hinterfragt die Strafzölle Trumps gegen China. Seiner
       Meinung nach würden sich die USA damit vor allem selbst schaden.
       
       Marc Saxer unterstreicht, dass Trump zudem die acht Jahrzehnte lang
       bestehende liberale Weltordnung zerstört, von der die USA bisher profitiert
       hätten. Damit sorge die US-Regierung selbst für die Ablösung des US-Dollars
       als Leitwährung. „In der Folge werden wir einer anderen Welt aufwachen“, so
       Saxer. (bsz)
       
       11:25 Uhr: Im Orangen Raum gibt es eine Live-Folge der Podcastreihe
       Mauerecho der taz, [50][Folge: „Ost trifft West“.] Darin tauschen sich
       Sarah Schröder der Organisation Perspektive Ost und Andreas Rosen von der
       Stiftung Nord-Süd-Brücken über Engagement in Ost und West aus. Sie stellen
       fest: So unterschiedlich ihre Voraussetzungen, so ähnlich ihre Motivation.
       
       Der Einstieg ins Engagement begann für beide mit 14 Jahren. „Ich habe es
       mir nicht ausgesucht“, sagt Schröder. In einem politisch eher rechts
       geprägten Raum antifaschistisch aktiv zu werden, sei für sie eine
       Notwendigkeit gewesen. Andreas Rosen hingegen hat sich frei für sein
       Engagement entschieden.
       
       Trotz ungleicher Ost-West-Spendenstrukturen zeigt sich: Der Wille,
       gemeinsam Haltung zu zeigen, bleibt stark. Moderator Dennis Chiponda von
       der taz Panter Stiftung führt warmherzig, selbstironisch und pointiert
       durchs Gespräch. (cb)
       
       10:59 Uhr: Bevor er die deutsche Atombombe forderte, soll sich Franz Josef
       Strauss gewünscht haben, dass jedem Deutschen, der nochmal eine Waffe in
       die Hand nehme, der Arm abfällt.
       
       Heute, in einer Zeit von Waffenexporten und Friedensappellen, diskutiert
       taz-Inlandsredakteur Pascal Beucker mit Besucher:innen am
       Taz-Küchentisch über das Verhältnis der Deutschen zu Pazifismus. Wohin ist
       der linksalternative Friedensdiskurs abseits der Wagenknecht'schen
       Ostermärsche verschwunden? „Er ist wohl irgendwo in den Wirren interner
       Machtkämpfe der Linkspartei und einem neuen grünen Selbstverständnis“, sagt
       Beucker im Gespräch [51][„Pazifismus – eine Schönwetterhaltung?“],
       moderiert vom [52][Journalisten Daniel Sagradov.]
       
       Weiter geht es mit der Frage, wie mit ukrainischen Kriegsdienstverweigern
       umgegangen werden sollte. Und mit einer Diskussion darüber, ob es
       unbegrenzte Waffenlieferungen geben sollte. Jemand fragt: „Wieso wendet
       sich die neue Groko von der Forderung einer atomwaffenfreien Welt ab?“ Die
       Beiträge des Publikums zeigen, dass russische Angriffskrieg pazifistische
       Gedanken und Strömungen nach wie vor auf die Probe stellt. (nad)
       
       10:54 Uhr: Die Zeit für Nettigkeiten ist vorbei im Gespräch zwischen Luisa
       Neubauer und Peter Unfried. Nach einem Monolog der Klimaschutzaktivistin
       entgegnet der Moderator, „das ist mir jetzt ein bisschen zu
       kirchentagsmäßig“. Der taz-Chefreporter sagt: „Es geht darum, dass man sich
       an den Hebeln der Macht die Hände schmutzig macht“. Auf Demonstrationen mit
       Schildern zu gehen, würde seiner Ansicht nach nicht reichen.
       
       Der Widerstand in den USA gegen Trump sei nicht stark genug. „Das ist eine
       unkomplete Analyse“, kontert Neubauer. Zustimmende Lacher aus dem Publikum.
       Später einigen sich Unfried und Neubauer darauf, dass Schilder auf Demos
       gut seien, es damit aber nicht getan sei. Das Gespräch endet verspätet und
       versöhnlich. [53][Robert Habeck, für einige der „Kanzler der Herzen“],
       wartet schon. (fh)
       
       10:38 Uhr: „Warum halte ich eigentlich an dieser Demokratie fest? Hat es
       mir irgendetwas gebracht? Nein!“, fragt sich Jana Hensel, zeit-Journalistin
       und Autorin, bei „B.O.M – Berlin.Ost.Migrantisch“ auf der Podcastbühne im
       Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Daniel Kubiak. Laut ihr seien das
       völlig neue Fragen, die sich durch die Situation im Osten der Republik
       ergeben. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Demokratie sich im Osten
       erledigt hat“, sagt sie. Ihr Lösungsansatz: Die Ratlosigkeit loswerden und
       erkennen, dass der Umgang mit der AfD in den letzten Jahre nicht
       funktioniert hat. (neh)
       
       10:36 Uhr: Die Stühle am Küchentisch sind besetzt, viele Leute stehen im
       Kreis drumherum. Manchem WG-Party-Gastgeber mag die Frage auf der Zunge
       liegen, ob nicht im Zimmer der Mitbewohner noch irgendwas ist, das zur
       Sitzgelegenheit taugt. (abr)
       
       10:35 Uhr: Beim Panel [54][„Wie schaffen wir das, Frau Neubauer?“] konnte
       [55][taz-Chefreporter Peter Unfried] nur Luisa Neubauer begrüßen. Der
       Soziologe und Autor Armin Nassehi musste krankheitsbedingt absagen. Die
       Klimaschutzaktivistin sorgt mit sarkastischen Kommentaren für Lacher im
       Publikum. Der Moderator kontert: „Diese Abgeklärtheit hilft doch auch
       nicht“. Darauf die Aktivistin: „Ach, ich fahr ganz gut damit“. Dann wird es
       inhaltlich. „Es nützt nichts, dass die Wissenschaft auf unserer Seite ist –
       in einer Welt, in der mein Fakt genau so viel wert ist, wie deine Meinung“,
       echauffiert sich Neubauer. (fh)
       
       10:31 Uhr: „Das Motto ‚Weiter / Machen‘ ist genau richtig für dieses
       Panel“, sagt Simone Schmollack, Meinungs-Ressortleiterin der taz zu Beginn
       des Gesprächs [56][„Zehn Jahre ‚10 nach 8‘“] auf der Blauen Bühne. Denn
       nach zehn Jahren und mehr als 1.500 Texten stellte Zeit Online die
       gleichnamige feministische Kolumne ein. Ein Schlag in die Magengrube sei
       dies gewesen, sagt die Schriftstellerin und ehemalige „10 nach
       8“-Redakteurin [57][Annett Gröschner]. „Überall Backlash – und dann kommt
       Zeit Online und schafft uns ab.“ Ans Aufhören denken die „10 nach
       8“-Autor:innen nicht. Zum Jubiläum gibt es eine Anthologie ausgewählter
       Texte unter dem Titel „Politisch, poetisch, polemisch“.
       
       Was „10 nach 8“ für Autor:innen bot, wird deutlich, wenn Katja
       Artsiomenka, Professorin für Journalismus mit belarussischen Wurzeln, davon
       erzählt, was ihr in anderen Publikationsplätzen fehle: „Raum, um Fragen
       weiterzudenken“ und „Dialog“. Doch gerade das brauche es, um Diktaturen,
       wie in Belarus, zu verstehen. (lla)
       
       9:58 Uhr: Was derzeit in der Debatte um den bekannten Drogenumschlagsplatz
       Görlitzer Park geschieht, bezeichnen sowohl Stefan Reinecke, Korrespondent
       im Parlamentsbüro, als auch taz2-Ressortleitung Doris Akrap als „dümmlichen
       Populismus“. Uneinig sind sie darüber, von wem dieser ausgeht: Vom
       schwarz-roten Berliner Senat, der den Park in Kreuzberg vollständig
       einzäunen und nachts abschließen will? Oder von der grünen
       Bezirksregierung, die sich gegen diese Pläne stellt?
       
       Reinecke und Akrap liefern sich in der [58][Live-Aufzeichnung des
       „Bundestalks“] einen Schlagabtausch. Akrap, die schon lange nahe des
       Görlitzer Parks lebt, schildert ihre Eindrücke: „Ich sehe den Menschen bei
       der Verelendung zu. Ich halte den Vorschlag mit dem Zaun zunächst für
       sinnvoll – einfach, weil es bisher nicht ausprobiert wurde.“ Sie
       kritisiert, dass die links-progressive Szene aus übertriebener Vorsicht vor
       Rassismus oder Diskriminierung gegenüber Drogendealern die dramatische Lage
       im Park nicht ernst genug nehme. Ein Problem, das ihrer Meinung nach nicht
       allein durch sogenannte Parkläufer gelöst werden könne. Reinecke hält
       entschieden dagegen: „Der Zaun ist pure Symbolpolitik.“ (aho)
       
       9:55 Uhr: Lohnt sich Klimaaktivismus noch? Einigkeit über die Antwort auf
       diese Frage gibt es am Ende des von Susanne Schwarz moderierten Gesprächs
       mit Aktivist und Politologe Tadzio Müller nicht. Er befürwortet
       Klimaaktivismus nach wie vor, findet jedoch, dass die Zeit des
       „appellativen Aktivismus“ vorbei ist. Seine langen, gesellschaftskritische
       Monologe, werden ab und zu mit Zwischenrufen unterbrochen, werden von den
       Zwischenrufen der Klima-Aktivistin Carla Hinrichs unterbrochen Position
       einfordern. Sie hält dagegen: „Ich akzeptiere nicht, dass die Gesellschaft
       ein Arschloch ist“. (fh)
       
       9:48 Uhr: „Die israelische Demokratie ist erkrankt und wird aktiv
       untergraben“, sagt Fania Oz-Salzberger, Historikerin und Autorin des Buchs
       [59][„Deutschland und Israel nach dem 07. Oktober“]. Über die Frage, was
       von Israels Selbstbild als einziger Demokratie im Nahen Osten übrigbleibt,
       diskutiert sie mit David Issacharoff, Redakteur der israelischen
       Tageszeitung Haaretz und taz-Redakteur Nicholas Potter im Livestream. „Die
       Messlatte in der Region ist niedrig“, sagt [60][Potter].
       
       In seinen historischen Grenzen sei Israel seit Gründung im Jahr 1948
       demokratisch regiert worden, erklärt Oz-Salzberger. „Solange die Rechte der
       Palästinenser:innen in den besetzten Gebieten systematisch
       eingeschränkt würden, könne man nicht von einer vollwertigen Demokratie
       sprechen“, führt die Historikerin fort. Für viele Israelis sei die
       Situation der Palästinenser:innen „Welten entfernt“ – obwohl sie sich
       nur zehn Kilometer entfernt abspiele, merkt Issacharoff an.
       
       „Gleichzeitig sucht Netanjahu international den Schulterschluss mit
       antisemitischen Kräften in Europa – wie Viktor Orbán, einem
       Oldschool-Antisemiten“, sagt Potter. Fania Oz-Salzberger fordert die
       Unterstützung der israelischen Zivilgesellschaft. „Deutsche Verantwortung
       ist etwas anderes als blinde Solidarität“, sagt sie. (nad)
       
       9:33 Uhr: Tadzio Müller im Gespräch [61][„Lohnt sich Klimaaktivismus
       noch?“] mit taz-Redakteurin Susanne Schwarz: „Die deutsche Gesellschaft ist
       eine fossilkapitalistische, spätimperiale Beutegemeinschaft. Ein
       moralischer Sauhaufen, der auf eine Art und Weise lebt, der ein Affront
       gegen die Menschenrechte ist.“ (taz)
       
       9:31 Uhr: „Um kurz nach neun wollen sich schon so viele Menschen was über
       Wirtschaft anhören“, sagt taz lab-Redakteurin Wilma Johannssen freudig und
       lächelnd zu Beginn der Podiumsdiskussion [62][„Die Reichen zur Kasse!“].
       Mit Autor Sebastian Klein und Barbara Blaha, der Gründerin des Momentum
       Instituts, spricht sie darüber, warum es dringend mehr Steuergerechtigkeit
       braucht.
       
       [63][Ex-Millionär Sebastian Klein] gibt zu: „Natürlich habe ich auch Tage,
       an denen ich denke, dass ich mir gerne sofort ein Haus am Mittelmeer kaufen
       würde“. Dennoch hat er 90 Prozent seines Vermögens gespendet. Denn er will
       nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein. Dass in
       Deutschland vier Familien mehr Reichtum besitzen als die Hälfte der
       Bevölkerung, findet er ungerecht. (kr)
       
       9:23 Uhr: [64][Wie umgehen mit dem Görlitzer Park?] In der Live-Version des
       [65][taz-Podcasts „Bundestalk“] spricht taz-Redakteurin Doris Akrap mit
       einer Anwohnerin über den Drogenkonsum und -handel vor Ort: „Wir haben ein
       Epidemie-Problem, das größer ist – steile These –, als das Corona-Problem.
       Das gilt es zu thematisieren.“ Gemeinsam mit Bernd Pickert,
       taz-Auslandsredakteur und Stefan Reinecke, Korrespondent
       taz-Parlamentsbüro, geht es außerdem um Frage, ob die Linke bei der inneren
       Sicherheit versagt hat. „Der Eindruck, dass der Görlitzer Park von Crack
       regiert wird, ist falsch“, meint Reinecke. Die Probleme des Görli würden
       nicht durch Zäune und Polizeipräsenz gelöst, führt er fort. (lla)
       
       9:19 Uhr: Gleich zu Beginn des taz labs geht am Küchentisch mit taz
       lab-Kurator Jan Feddersen und Jurist [66][Murat Keyman] unter dem Titel
       [67][„Murat ist kein deutscher Name. Bitte?“] in die Vollen. Diskutiert
       wird Frage, wieso immer noch öffentlich oft vom „deutsch-türkischen“
       Juristen gesprochen und geschrieben wird. Keyman und Feddersen diskutieren,
       was authentisch-deutsch ist. Denn Menschen wie Murat Kayman wird immer noch
       zu oft die Fähigkeit abgesprochen, Deutsch-Sein zu definieren.
       
       Obwohl der Jurist in Lübeck geboren wurde, werde er er nicht als
       gleichwertig mit den „deutsch Geborenen“ angesehen, berichtet er. Deshalb
       fragt sich Kayman: Wie kann man als Mensch, der sowohl migrantischer
       Perspektive einbringt als auch in Deutschland geboren ist, auf die
       Definition von Deutsch-Sein blicken? (bsz)
       
       9:14 Uhr: „Jeder hat heute die Ressourcen, alles an der Front zu
       dokumentieren“, sagt Investigativ-Jornalist Christian Mamo in der
       Podiumsdiskussion [68][„How the internet can help bring war criminals to
       justice“], moderiert von taz-Redakteurin [69][Johanna Treblin]. Gemeinsam
       mit dem Juristen Arne Bardelle und der Forscherin Haneen Kebriteh erörtert
       Mamo, wie Kriegsverbrechen so dokumentiert werden können, dass sie in
       Gerichtsprozessen standhalten. (tk)
       
       8:40 Uhr: taz lab-Kurator [70][Jan Feddersen] am Mikrofon. Er weist darauf
       hin, dass heute im Vatikan die Beerdigung des Papstes stattfindet und
       deswegen Noch-Kanzler Olaf Scholz nicht beim taz lab in Berlin sein kann.
       Vertreten wird Scholz in Berlin von [71][Wolfgang Schmidt], Chef des
       Bundeskanzleramts. (kla)
       
       8:35 Uhr: Das lab-Team begrüßt die Gäste. Und wir erfahren: Es gibt einen
       Food-Truck im Besselpark. Dort stellen sich auch zahlreiche Organisationen
       vor. (kla)
       
       8:15 Uhr: Gleich geht es los, das taz lab 2025. Wir freuen uns auf alle
       Zuschauenden, die vor Ort und im Stream dabei sind und über unsere
       spannenden Gäste, die heute den ganzen Tag über „weiter / machen“ sprechen.
       (taz)
       
       7:45 Uhr: In 45 Minuten heißt es zum sechzehnten Mal: „Willkommen zum taz
       lab!“ Seit 2009 findet der Kongress der taz statt. Neben Gesprächen mit
       Politikern wie Robert Habeck, Ricarda Lang und Saskia Esken gibt es
       Dutzende Gespräche mit Menschen aus allen Sparten des Lebens. Wer alles
       kommt? [72][Mehr dazu hier]. Im [73][Programm] gibt es detallierte Infos
       zum Tag und Tickets – für einen Zugang vor Ort und für den Stream
       [74][hier]. Übrigens: Für den Hauptstream braucht man kein Ticket – er ist
       live und für alle zugänglich. (kla)
       
       Den Live-Ticker mit Inhalt versorgen die taz-Blogger*innen Cristina Beretta
       (cb), Adrian Breitling (abr), Atessa Bucalovic (ab), Fridolin Haagen (fh),
       Nicholas Hoffmann (neh), Anna Hollandt (aho), Tim Kemmerling (tk), Luca
       Lang (lla), Kajo Roscher (kr), Nadim Sarfraz (nad), Raoul Spada (ras),
       Björn Szesni (bsz), Lenja Vogt (lv) und Tobias Westphal (tw).
       
       26 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
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