# taz.de -- Māori-Partei in Neuseeland: Nach rituellem Protesttanz droht Suspendierung vom Parlament
       
       > Drei indigene Abgeordnete werden in Neuseeland für einen Haka-Tanz ein
       > bis drei Wochen vom Parlament ausgesperrt, sollte dessen Plenum einer
       > Ausschussempfehlung folgen.
       
 (IMG) Bild: Neuseeländischer Haka-Tanz der Māori, hier am 4. Mai beim Rugby: Im Sport willkommen, im Parlament umstritten?
       
       Berlin taz | Geht es nach Neuseelands zuständigem Parlamentsausschuss,
       werden drei Abgeordnete der Māori-Partei für einen traditionellen Haka-Tanz
       in einer Debatte bestraft. Die indigenen Abgeordneten Hana-Rawhiti
       Maipi-Clarke, Debbie Ngarewa-Packer und Rawiri Waititi hatten damit im
       November 2024 gegen einen Gesetzentwurf protestiert. [1][Das Video ihres
       Tanzes] ging damals viral.
       
       Der Gesetzentwurf sollte den Vertrag von Waitangi zuungunsten der Māori neu
       interpretieren und wurde damals in erster Lesung angenommen. Den Entwurf
       hatte die rechtsliberale ACT-Partei eingebracht, die zur konservativen
       Regierungskoalition gehört. Der Entwurf wurde aber im April dieses Jahres
       endgültig abgelehnt, nachdem er [2][die größten Māori-Proteste in der
       Geschichte des Landes] ausgelöst hatte.
       
       Der Waitangi-Vertrag von 1840 zwischen britischer Krone und den damaligen
       Maori-Häuptlingen ist Neuseelands Gründungsdokument. Damals ermöglichten
       verschiedene Sprachversionen erst die Zustimmung der Māori. Die Briten
       brachen den Vertrag immer wieder, der aber letztlich in den vergangenen
       Jahrzehnten auch zu Entschädigungen an die Māori führte.
       
       Haka-Tänze, die oft fälschlich auf Kriegstänze reduziert werden, sind ein
       anerkannter Teil der Kultur des Landes wie seines Marketings. Mit zum Teil
       furchterregenden Grimassen und herausgestreckten Zungen der Tänzer und
       Tänzerinnen werden Hakas auch vor Spielen der Rugby-Nationalmannschaft oder
       vor America's Cup Regatten des Team New Zealand aufgeführt.
       
       ## Emotional wie Heidi Reichinnek
       
       Auch im Parlament gab es schon Hakas, doch waren sie stets beantragt
       worden. [3][Im November startete die mit 22 Jahren jüngste Abgeordnete
       Hana-Rawhiti Maipi-Clark aber spontan einen solchen Tanz], bei dem sie eine
       Kopie des umstrittenen Gesetzentwurfes zerriss. Ihr Tanz gleicht damit
       einer neuseeländisch-indigenen Version der emotionalen [4][„Auf die
       Barrikaden!“-Bundestagsrede] der Linkspolitikerin Heidi Reichennek vom
       Februar.
       
       Maipi-Clarks Parteifreunde erhoben sich von ihren Plätzen und stimmten in
       den Tanz ein, auch Zuschauer auf der Tribüne machten mit. Der irritierte
       konservative Parlamentspräsident schien zunächst nicht zu wissen, wie im
       geschah, unterbrach dann aber die Debatte und ließ die Tribüne räumen.
       
       Jetzt soll Maipi-Clark für 7, die anderen beiden Abgeordneten für je 21
       Tage vom Parlament suspendiert werden, sofern das Plenum nächsten Dienstag
       dem Ausschuss folgt. Maipi-Clark bekommt eine geringere Strafe, weil sie
       anders als die anderen Reue zeigte. Ngarewa-Packer soll zudem beim Tanz
       eine Hand zu einer Pistole geformt und damit symbolisch auf Abgeordnete
       gezielt haben. Der Ausschuss wertete den Haka mehrheitlich als bedrohlich.
       
       Die höchste je verhängte Suspendierung für Fehlverhalten von Abgeordneten
       betrug bisher nur drei Tage. Hinzu kommt, dass die drei, sollten sie
       entsprechend der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse jetzt wirklich
       suspendiert werden, die wichtigen Haushaltsberatungen verpassen würden.
       
       ## Konservativer Māori Vizepremier sieht „Haus des Chaos“
       
       Die Oppositionsparteien Labour und Grüne finden die Strafen überzogen.
       Labour hält maximal ein bis zwei Tage Sperre für angemessen, die Grünen
       sehen gar keinen Sanktionsbedarf.
       
       Der konservative Vizepremier [5][Winston Peters] (80), ein manchmal
       populistischer wie opportunistischer Māori, beklagt hingegen einen
       generellen Sittenverfall im Parlament, das er auf X als [6][„Haus des
       Chaos“] bezeichnet.
       
       15 May 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=N__OF41CqoY
 (DIR) [2] /Umstrittene-Reform-in-Neuseeland/!6050580
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=25AUCNZKEnY&ab_channel=AssociatedPress
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=5WE5pdFbpnM
 (DIR) [5] /Die-Wahrheit/!6082087
 (DIR) [6] https://x.com/winstonpeters/status/1922795941591122346?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1922795941591122346%7Ctwgr%5Ea354e82709cc4c9ba8088637aff247c0c6cb1ed6%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.nzherald.co.nz%2Fnz%2Fdeputy-prime-minister-winston-peters-attacks-behaviour-in-parliament-as-degradation%2F6YZ7F6CF55HFTFMTEVJNA4LLD4%2F
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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