# taz.de -- Oster-Kulturkampf: Sitzhase gegen Panzerhase
       
       > Die Hasen kommen nicht zur Ruhe. Erst sitzen sie nur rum, jetzt kommen
       > sie auf Militärfahrzeugen dahergefahren.
       
 (IMG) Bild: Ganz schön auf Trab, diese Löffelohren
       
       Zwei Debatten um verschiedene Ausprägungen von Osterhasen [1][erschüttern
       aktuell Deutschland]. „Ostern wie zu Nazizeiten“, titelte die [2][Berliner
       Zeitung] zu der einen Osterhasendebatte, die ihren Ursprung im
       beschaulichen Tübingen hat. Dort bestehen die Hasen aus einem
       Zucker-Sahne-Wasser-Gemisch und feuern wahlweise Kanonen oder fahren
       Panzer. Die Bäckerei „Café Lieb“ hat die 90 Jahre alten Formen für ihre
       Herstellung wieder aus dem Keller geholt. Konditormeister Ulrich Buob
       erklärte dem SWR, die alten Leute würden diese Hasen ja noch aus ihrer
       Kindheit kennen und als Erinnerung schätzen. Und in unsere Zeit würden sie
       ja auch noch, traurigerweise, gut passen.
       
       Tatsächlich waren Zuckerhasen schon im deutschen Kaiserreich beliebt. Im
       Ersten und Zweiten Weltkrieg dann besonders, weil Zucker zwar Mangelware,
       aber immer noch leichter zu besorgen war als Schokolade. Die Formen von
       damals lagern noch in diversen Heimatmuseen und bilden die Trends der
       jeweiligen Zeit ab. Manche süßen Hasen fahren etwa Pferdewagen oder
       Fahrrad. Oder eben Panzer, und bedienen Kanonen. Vor lauter Nostalgie
       scheint man in Tübingen irgendwie vergessen zu haben, dass diese
       „zuckersüßen“ Hasen mit ihrer Militärtechnik den arischen Kinderlein im
       Dritten Reich die NS-Ideologie näherbringen und sie für die Unterjochung
       der „Untermenschen“ vorbereiten sollten.
       
       Der Tübinger Bäckerei-Inhaber Hermann Leimgruber versteht die Aufregung
       nicht, die Zuckerhasen seien schließlich Tradition. „Mein Gott, es ist doch
       ein Teil unserer Geschichte. Die Kinder haben damals den Hasen im Panzer
       bekommen zu Ostern.“
       
       Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. Um Klartext zu reden: Das sind
       nicht einfach irgendwelche Hasen, sondern Hasen mit Naziwaffen.
       
       Auch über eine andere Hasenart herrscht seit Wochen Empörung, nämlich den
       „Sitzhasen“ aus Schokolade. Den gibt es in Discountern zu kaufen und manch
       ein User in den sozialen Medien wittert da gleich eine Verschwörung. „Der
       #Sitzhase verdrängt den Osterhasen. Die schleichende Islamisierung
       Deutschlands schreitet immer mehr voran“, befand etwa der
       AfD-Bundestagsabgeordnete Johann Martel auf X. Der islamistische
       „Sitzhase“, so die „Theorie“, verdränge den christlichen „Osterhasen“. Wie
       können es die „woken“ Discounter wagen, die Ostersüßigkeit nicht beim Namen
       zu nennen!
       
       ## Der Hase hat unternehmerischen, nicht islamistischen Hintergrund
       
       Lidl gibt sich nüchtern und klärt auf. Einige Schokoladenhasen bezeichne
       Lidl in Deutschland als Sitzhasen, um eine klare Unterscheidung zwischen
       den verschiedenen Artikeln zu ermöglichen. Im Sortiment gebe es
       entsprechend immer noch Produkte, die „Osterhase“ heißen. Falscher Alarm
       also, „Osternester“ und „Ostereier“, aber eben auch „Sitz-“, „Steh-“ und
       „Schmunzelhasen“, gibt es nach wie vor. Klar, irgendwie muss man in der
       Logistik die vielen verschiedenen Hasentypen im Sortiment ja
       auseinanderhalten können.
       
       Und überhaupt scheinen die Verteidiger des Abendlandes im
       Religionsunterricht nicht aufgepasst zu haben. Diese Hasen und Eier sind
       überhaupt nicht christlich, sondern heidnische Fruchtbarkeitssymbole.
       
       In den [3][sozialen Medien] kursieren derweil krude Theorien, wonach es
       einen direkten Zusammenhang geben muss zwischen den Panzer- und Sitzhasen.
       „Wer wundert sich, wenn die Dinger jetzt auch noch in Sitzhasen umbenannt
       werden, dass der ein oder andere auf die Idee kommt und rebelliert?“,
       schreibt ein Facebook-User zu dem Artikel der Berliner Zeitung über den
       NS-Hasen. Also soll es jetzt neben AfD-Protestwählern auch noch
       Protest-NS-Zuckerhasen-Verspeiser geben? Ach, du dickes Ei!
       
       19 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!6082551/
 (DIR) [2] https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/osterhasen-auf-panzern-deutschland-militarisierung-li.2317168
 (DIR) [3] https://www.threads.net/@sebastian_p_601/post/DIjLhXtC8ig/ich-sehs-anders-panzerhasen-sind-gelebte-auseinandersetzung-mit-unserer-geschich
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yelizaveta Landenberger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ostern
 (DIR) Lidl
 (DIR) Nazi-Propaganda
 (DIR) GNS
 (DIR) Tierwelt
 (DIR) Ostern
 (DIR) Wochenvorschau
 (DIR) Nato
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nachwuchs bei Schildkröten: Dem Eiland sei Dank
       
       Im Zoo von Philadelphia kriegt eine beinahe hundertjährige
       Galapagos-Schildkröte Nachwuchs. Warum das kein großes Wunder ist.
       
 (DIR) Österliches Eierproblem in den USA: Wenn Trump dem Hasendarsteller die Pfote schüttelt
       
       Am Montag findet auf dem Südrasen des Weißen Hauses das traditionelle
       „Eierrollen“ statt – im Beisein des US-Präsidenten. Doch Eier sind in den
       USA derzeit so teuer und rar wie nie. Tradwives bemalen nun stattdessen
       Kartoffeln.
       
 (DIR) Die Wochenvorschau für Berlin: Diskriminierung macht keine Osterferien
       
       Berlins Schüler*innen und Abgeordnete verabschieden sich in den Urlaub.
       Die Gerichte haben derweil allerhand mit Ausgrenzung und Gewalt zu tun.
       
 (DIR) RKI, GDL und NATO: Frusten durch frosten
       
       RKI-Protokolle gegen Misstrauen, Gesetzentwürfe gegen radikale Parteien und
       identitäre Imker gegen asiatische Hornissen. Dazu 2-0 gegen Bayern.