# taz.de -- Diktator begnadigt Exdiktator: Schlächter von Guinea nun doch straffrei
       
       > Exmilitärdiktator Moussa Dadis Camara kommt aus der Haft frei. Erst im
       > Juli 2024 wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.
       
 (IMG) Bild: Nie Gerechtigkeit? Opfer des Massakers vom 28. September 2009 im Kühlraum eines Krankenhauses von Conakry drei Tage später
       
       In Guinea hat Militärdiktator Mamadi Doumbouya den ehemaligen
       Militärdiktator Moussa Dadis Camara begnadigt. Dadis Camara war am 31. Juli
       2024 bei einem [1][historischen Prozess] der Verantwortung für Massaker an
       mindestens 156 friedlichen Demonstranten im Jahr 2009 schuldig gesprochen
       und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft
       [2][verurteilt worden], mit ihm weitere ehemalige hohe Militärangehörige.
       
       Oberst Dadis Camara hatte Guinea von 2008 bis 2010 regiert, nachdem er nach
       dem [3][Tod von Langzeitherrscher Lansana Conté] die Macht ergriffen hatte.
       Als die Opposition des Landes am Nationalfeiertag 28. September im 2009
       eine Großkundgebung für Demokratie im Stadion der Hauptstadt Conakry
       abhielt, ordnete er einen Großeinsatz des Militärs an.
       
       [4][Mindestens 156 Menschen] wurden bei der Auflösung der Kundgebung durch
       Soldaten erschossen, erstochen, zerhackt oder auf sonstige Weise getötet,
       Verletzte wurden bis in Krankenhäuser verfolgt und zahlreiche Frauen
       vergewaltigt.
       
       2010 gab es in Guinea freie Wahlen, der ehemalige Oppositionsführer Alpha
       Condé [5][wurde Präsident]. Der wurde 2021 durch einen neuerlichen
       Militärputsch [6][gestürzt]. Erst danach begann die umfassende juristische
       Aufarbeitung des Massakers von 2009. Die Vorfälle waren zuvor bereits von
       [7][internationalen Untersuchungen] bestätigt und ausführlich dokumentiert
       worden, aber Condé hatte die ultimative Kraftprobe mit seinen Vorgängern
       vermieden.
       
       Nun aber scheint dies endgültig gestoppt zu sein. Am Freitag verkündete
       Juntachef Doumbouya aus „gesundheitlichen Gründen“ eine Begnadigung von
       Moussa Dadis Camara. TV-Bilder am Samstag zeigten, wie Guineas
       Justizminister den augenscheinlich gesunden Exdiktator im Gefängnishof
       abholt. Er wurde in eine Villa in einem Nobelviertel von Conakry gebracht,
       wo er von der Gendarmerie bewacht wird.
       
       Opferverbände reagierten empört und sagten, das Leben von Zeugen sei nun in
       Gefahr. Gegen die Verurteilung war noch eine Revision anhängig, aber auch
       neue Klagen waren in Vorbereitung gewesen, erklärten Menschenrechtsgruppen.
       (mit afp)
       
       30 Mar 2025
       
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