# taz.de -- Care-Arbeit gerecht verteilen: Frauen und Männer müssen gleichermaßen ran
       
       > Während Frauen nach wie vor den größten Teil der Familienarbeit leisten,
       > bekommen Männer in großen Medien viel Platz, um darüber zu sprechen.
       
 (IMG) Bild: Wenn Man(n) es will, dann geht es auch
       
       Männer ergreifen endlich das Wort in der Care-Debatte. Doch der Raum, den
       sie dafür in manchen großen Medien bekommen, nimmt leider wieder vor allem
       eine Sichtweise ein: die männliche. So benennt der Soziologe Aladin
       El-Mafaalani in einem Interview zu seinem neuen Buch „Kinder. Minderheit
       ohne Schutz“ die Folgen des maroden Bildungssystems. Treffend beschreibt er
       den Zusammenhang zwischen Bildungskrise und der gesellschaftlichen
       Entwicklung der vergangenen fünf Jahrzehnte in Westdeutschland: Mehr Frauen
       wurden erwerbstätig und Teile der familiären Care-Arbeit ausgelagert. Doch
       es gibt zu wenig Kitas und marode Schulen. El-Mafaalani schlussfolgert:
       „Der Staat kann die Mütter nicht mal eben ersetzen.“
       
       Da hat er recht. Der Staat kann aber auch die Väter nicht ersetzen, die –
       und das unterschlägt seine Argumentation – in weit größerem Umfang als die
       Mütter nach der Geburt ihrer Kinder wieder erwerbstätig sind. Und so bleibt
       die tägliche Care-Arbeit nach wie vor aufseiten der Frauen. Die das neben
       ihrem Teilzeitjob erledigen. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit
       und geht ganz klar auf Kosten der Mütter und ihrer Kinder. Aber anders als
       Männer bekommen sie dafür in großen Medien weniger seitenfüllende
       Interviews, in den Buchläden landen ihre Bücher in der Ratgeber- statt in
       der Debattenecke.
       
       Frauen brauchen Männer, darunter eben auch Väter, als Mitstreiter einer
       gemeinsamen Sache. Erst wenn Care-Arbeit in den Familien fair geteilt wird,
       fehlen Männer in Unternehmen, gesellschaftlichen Institutionen, in der
       Politik, wenn ihr Kind krank ist oder die Kita mal wieder schließt. Sie
       begreifen dann vielleicht, was es bedeutet, unbezahlt nach dem Job noch
       mehrere Stunden auf den Beinen zu sein, ohne Arbeitsschutz und Recht auf
       Urlaub. Es geht nicht mehr, dass Frauen die Care-Arbeit machen und Männer
       darüber entscheiden – und schreiben.
       
       4 Apr 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sarah Zöllner
       
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